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Hespe ruS.
»auf mein Schattenspiel zu schauen, damit du»über den Abendstern, den ich vor dir vorüber»führe, die Erde vergessest, auf der du stehest, und»die sich jetzo mit tausend Gräbern wie ein Vam-) »pyr an das Menschengeschlecht anlegt, und
„Opferblut saugt!»-Und doch hab' ich an dich
unter dem ganzen Buchs gedacht, und die Hoff-nung, mein kleines Nacht- und Abendsiück vornasse, aufgerichtete und feste Augen zu bringen,war der tragende Malerstvck der müden Handgewesen.
Da ich mich jetzt zu ernsthaft geschrieben, somuß ich von den sieben versprochenen Bittenworunter nur vier es sind, drei weglassen. — Ich,thue also nur die
Erste Bitte, den Titel »Hu n dp ostt age» solauge zu vergeben, bis ihn das erste Kapitel er-klärt und entschuldigt hat — Und dieZweite, allemal ein ganzes Kapitel zu lesen,und kein halbes, weil das große Ganze aus klei-nern Ganzen, wie nach den Homoivmerieen desAuaragvras der Menschenkörper aus unzähligenkleinen Menschenkörpern besteht — Und dieSiebente Bitte, die halb aus der zweiten flie-ßet, aber nur die Kuustrichter angeht, mir inihren fliegenden Blättern, die sie Rezensionennennen, mit keiner Publikazion meiner Haupt-begebenheiten vorzugreifen, sondern dem Lesereinige Uebcrraschungen, die er doch nur einmalhat, zu lassen. — Und endlich dieFünfte Bitte, die man aus dem Vaterunserschon kennt.
Der Beschluß.
Und so werde denn sichtbar, kleiner stiller He-sperus! — Du brauchst eine kleine Wolke, um ver-deckt zu sein, und ein kleines Jahr, um deinenUmlauf vollführt zu haben! — Mögest du derTugend und Wahrheit, wie dein Ebenbild amHimmel der Sonne, näher stehen, als die Erdeallen dreien ist, in die du schimmerst, und mögestdu wie jenes nur dadurch dich den Menschen ent-ziehen, daß du dich in die Sonne hüllest! Mögedein Einfluß schöner, wärmer und gewisser sein,als der' des Kalender-Hesperus ist, den der Aber-glaube auf den Dunst-Thron dieses Jahressetzt! — Du würdest mich zum zweitenmal glücklichmachen, wenn du für irgend einen abgeblühtenMenschen, ein Abendstern, für irgend einen
aufblühenden ein Morgenstern würdest! Geheunter mit jenem und auf mit diesem; flimmereim Abendhimmel des erstem zwischen seinen Wol-ken und überziehe seinen zurückgelegten bergauf-gehenden Lebensweg mit einem sanften Schim-mer, damit er die entfernten Blumen der Jugendwieder erkenne und seine veralteten Erinnerungenzu Hoffnungen verjünge! — Kühle den frischenJüngling in der Lebensfrühe als ein stillenderMorgenstern ab, eh' ihn die Sonne entzündet undder Strudel des Tages einzieht! —Für michaber, Hesperus, bist du nun wohl untergegangen— du zogest bisher neben dem Erdball wie meinNebenxlanet, wie meine zweite Welt, auf diemeine Seele ausstieg, indeß sie den Körper denStößen der Erde ließ — aber heute fällt meinAuge traurig und langsam von dir und dem wei-ßen Blumenflor, den ich um deine Küsten ange-pflanzet , auf den naßkalten Boden herab, wo ichstehe — und ich sehe uns alle von Kühle undAbend umgeben — weit von den Sternen abge-rissen — von Johanniswürmchen belustigt, vonIrrwischen beunruhigt — alle einander verhüllt,jeder einsam und sein eignes Leben nur fühlenddurch die warme pulsierende Hand eines Freundes,die er im Dunkeln hält.-
Ja, es wird zwar ein anderes Zeitalter kom-men, wo es licht wird, und wo der Mensch auserhabnen Träumen erwacht und die Träume —wieder findet, weil er nichts verlor als denSchlaf. -
Die Steine und Felsen, welche zwei eingehüllteGestalten , Nothwendigkeit und Lasier, wie Den-kalion und Pyrrha hinter sich werfen nach denGuten, werden zu neuen Menschen werden. —
Und auf dem Abendthvre dieses Jahrhundertssteht: Hier geht der Weg zur Tugend und Weis-heit ; so wie auf dem Abentthvr zu Cherson dieerhabene Inschrift : Hier geht der Wog nach By-zanz.-
Unendliche Vorsicht, du wirst Tag werten las-sen. —
Aber noch streitet die zwölfte Stunde derNacht: die Nachtraubvögel ziehen; die Gespensterpoltern; die Todten gaukeln; die Lebendigenträumen.
In der Frü hling-Tag-und Nachtgleiche
17YN.
Jean Paul.