Band 
I.
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lieber ans Bette seines Sohnes Flamin undgeben Acht was dieser darin macht. .. .

Nichts; aber außer demselben macht er einenRitt jetzv so spät und noch dazu ohne Sattel undWeste. Er . dessen Brust eine Aeols-Höhle vollgedrückter Stürme war, — jeder gescheite Pro-tonvtarius in Wetzlar würde seinen Fischkopf oderRsbhuhnflügel reiner abschälen oder sein Sammt-Knis reiner abbürsten als er, — dieser wußte un-möglich länger auf einem Kopfkissen zu verbleiben,dem heute eine Trommel so nahe kam und morgenein Freund. Einen andern freilich ( wenigstensden Leser und mich) würde die durchsichtige Nacht,womit sich der April beschloß, die weite Stille,auf welche die Trommelstöcke schlugen, die Sehn-sucht nach dem Geliebten, mit welchem der Mor-gen wieder das öde Herz und das zerstückle Lebenergänzte, alles dieses würde uns beide mit sanftenBebungen und Träumen erfüllet haben — denKaxlans-Sohn aber warf es auf den Gaul hinaufund in die Nacht hinaus; seine geistigen Erd-Erschütterungen legten sich nur unter einem kör-perlichen Galopp.

Er sprengte über den Hügel, aus dem er mor-gen sich mit seinem Hvrion wieder verknüpfenwollte, zehnmal hinauf und hinab. Er fluchte unddonnerte auf alle seine Leidenschaften — freilichmit Leidenschaft, — die bisher die Beinsäge anihre verbundnen Freundschafthände angelegt hat-ten : "» wenn ich dich nur wieder habe, Se-bastian," (sagt' er und riß den Gaul herum)--so--will ich so sanft sein, so sanft wie du, und dich»niemals verkennen, oder das Donnerwetter soll--mich hier auf dem Platze. .. .-- Beschämt überden eiligen Widerspruch, ritt er blos im Paß nachHause.

Seine Sehnsucht nach seinem wiederkehrendenFreunde drückt er im Stalle dadurch aus, daß erdie Scheitelhaare hinaufstülpte, den Zopf wie dievierte Geigensaite anzog und dem Schlüssel desFutterkastens den Bart abdrehte....

Nur ein Mensch, der nach einem Freunde ge-rade so wie nach einer Freundin schmachtet,verdienet beide. Aber es gibt Menschen, die ausder Erde gehen, ohne je darüber oder besorgt ge-wesen zu sein, daß sie niemand darin geliebt hatte.Derjenige, der nach dem Kommerzientraktatdes Eigennutzes, nach dem gesellschaftliche»Vertrag der Höflichkeit, sogar nach demG c änz- und T auschv er tr ag der Liebe nichtshöheres kennt, ein solcher — ich wollt' aber, erhätte mich gar nicht vom Verleger verschrieben —dessen fahles Herz nichts weiß von der Brüder-un i t ä t befreundeter Menschen, vom Jneinander-verzweigen ihrer ediern Gefäße und von ihrer

Eidgenossenschaft in Streit und Schmerz-ich

seh' aber nicht, weswegen ich von diesem Tropfeso lange rede, da er nicht einmal in FlaminsSehnen sich hineinzufühlen weiß, der ein lieben-des, achtendes Auge begehrte, weil seine Fehlerund seine Tugenden in gleichem Maße abstießen;denn bei andern Menschen machen wenigstens ent-weder die Flecken die Stralen gut, oder dieStralen die Falken.-

Blos in fürstlichen Pferdeställen ist das Getösefrüher und lauter, als das in der Kaplanei am

ersten Wonnemonat war. Ich frage die erste besteLeserin, ob es je mehr zu bohnen und zu siedengeben kann, als an einem Morgen, wo ein Lordmit dem Staar erwartet wird, und sein Sohndazu und ein Staarstecher. Die männlichen Rast-tage fallen allezeit in die weiblichen Raspelrage;Vater und Sohn gingen gelassen dem Doktor unddem Stecher entgegen.

Der erste Mai sing sich, wie der Mensch undseine Weltgeschichte, mit einem Nebel an. DerFrühling, der Raphael der Nvrderde, stand schondraußen und überdeckte alle Gemächer unsers Va-tikans mit seinen Gemälden. Ich hab' einen Ne-bel lieb, sobald er wie ein Schleier vom Angesichteines schönen Tages abgleitet, und sobald ihn grö-ßere als die vier Fakultäten machen. Wenner (der am 1. Mai war so) wie ein ZugnetzGipfel und Bäche überflicht — wenn die herab-gedrückten Wolken auf unsern Auen und durchnasse Stauden kriechen — wenn er auf der ei-nen Weltgegend den Himmel mit einem Pech-Brodem besudelt und den Wald mit einer unreinenschweren Nebelbank bestreift, indeß er auf der a n-der», abgewischt vom nassen Sapphir des Him-mels, in Tropfen verkleinert die Blumen erleuch-tet; und wenn dieser blaue Glanz und jeneschmutzige Nacht nahe aneinander vorüberziehenund die Plätze tauschen: wem ist alsdann nicht,als sah' er Länder und Völker vor sich liegen, aufdenen giftige und stinkende Nebel in Gruppenherumziehen, die bald kommen, bald gehen? —Und wenn ferner diese weiße Nacht mein schwer-müthiges Auge mit dahin fliegenden Dunstströmen,mit irrenden zitternden Duftstäubchen umzingelt:so erblick' ich trübe in dem Dunst das Menschen-leben abgefärbt, mit seinen zwei großen Wolkenan unserm Auf- und Untergänge, mit seinemscheinbar lichten Raume um uns, mit seiner blauenMündung über uns....

Der Doktor kann auch so gedacht haben, abernicht Vater und Sohn, die ihm entgegengehen.Flamin wird stärker von der entfernten alsnahen Natur, mehr von der großen als kleinengerührt, so wie er mehr für den Staat als dieWohnstube Gefühl hat, und sein innerer Menschwindet sich am liebsten an Pyramiden empor, anGewitter», an Alpen. Der Kaplan genießet beider ganzen Sache nichts als — Maibutter, undaus seinem Munde geht bei so vielem moralischenApparate nichts als Speichel, beides weil er be-fährt, der Dampf fresst ihn an und zerbeiße sei-nen Schlund und Magen.

Als sie vom Hügel des nächtlichen Galopps inein mitNebeldampf verschüttetes Thal einschritten,zogen ihnen daraus drei Garnisonregimenter imDoppelschritt entgen. Jedes Regiment war vierMann stark und eben so hoch — ohne Pulver undSchuhe — aber versehen mit fein durchbrochnenSchenkel-Manschetten, nämlich mit porösen Ho-sen und überflüssigen Offizieren, weil keine Ge-meine dabei waren. Da ich jetzt in meiner Be-schreibung gar dazu setze, daß beide Stäbe, sowohlder Regiment- als der Generalstab über sechshundert Kanonen in der Tasche hatten, und über-haupt einen ganzen Artillerie-Zug, und daß diePrima Plana ganz neue im Kriege ungewöhnliche