Band 
I.
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Hesperus

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dem Lord das linke Auge mit der plumpen Staar-nadel so gut wie ausgestochen; — um also dasrechte des geliebten Vaters zu retten, hatte Se-bastian sich auf die Kur jener Verarmten gelegt,die schon mit den Augen im Orkus wandeln, undnur noch mit vier Sinnen außerhalb des Grabesstehen. —

Als der Sohn die theure mit einer so langenNacht bedeckte Gestalt, für die es kein Kind undkeine Sonne mehr gab, erblickte: so schob erseine Hand, deren Puls von Mitleid, Freude undHoffnung zitterte, der Eymannischen unter, undreichte sie eilend hin, und drückte die väterlicheunter dem fremden Namen. Aber er mußte zurHausthüre wieder hinaus, damit seine bebendeRetterhand auszitterte, und er hielt draußen dasvor Hoffnung pochende Herz mit dem Gedanken an,daß die Operazion nicht gerathen werde — er sahlächelnd auf dem zwölfspännigen Kadettenkorpsanf und ab, damit die Rührung und die Sehn-sucht aus der bewegten Brust entwichen. Drinnenhatt' unterdeß die Kaplänin aus dem Blinden ei-nen noch blindern gemacht und ihm vorgelogenquantum »atis; sobald eine Lüge, pia kraus, einckolus bonus, eine poetische und juristische Letioauszufertigen ist: so stellen sich die Weiber von sel-ber als expedierende Sekretäre und Hofbuchdrucke-rinnen hinzu, und helfen dem ehrlichen Mann."Ich wünschte sehr —sagte der Vater beim Eintrittdes Sohnes — »die Operazion ginge jeho vor sich,ehe mein Sohn angekommen ist." Die Kapläninholte den beklommenen Sohn zurück, und entdeckteihm den väterlichen Wunsch. Er trat leise unter dieverlegene Gesellschaft. Das Zimmer wurde ver-schüttet, die Staarlanzette vorgeholt, und daskranke Auge festgemacht. Alles stand mit bangerAufmerksamkeit um den ruhigen Blinden. DerKaplan guckte mit einer lächerlichen Angst undQual auf das schlafende Wockenkind, um mit ihmbei dem kleinsten Schrei sogleich aus dem Staar-stechzimmer hinauszulaufen. Agathe und Flaminhielten sich weit vom Pazienten, und beide mitgleichem Ernst. Die edle Mutter Flamins nähertesich mit ihrem von Freude und Sorge und Liebezugleich ergriffenen Herzen, und mit ihren über-fließenden Augen, die dem erschütterten Herzengehorchten. Viktor weinte bang und froh nebendem stummen Vater, aber er zerquetschte heftigjeden Tropfen, der ihn stören konnte. — so theiltjede Operazion durch das Steigen der Zurüstun-gen dem Zuschauer Herzklopfen und Bangen mit.Nur der verhüllte Britte — ein Mensch, der seinHaupt wie ein hohes Gebirge kalt und heiterüber eine Feuerzone hob — dieser hielt der kindli-chen Hand ein schweigendes Angesicht ohne Zu-ckung vor; er blieb vor dem Schicksal gefaßt undstumm, das jetzt entscheiden wollte, ob seine ödeNacht langen sollte bis ans Grab, oder nur bisan diese Minute. ...

Das Schicksal sagte: es werde Licht, und esward. — Das unsichtbare Schicksal nahm einesSohnes ängstliche Hand und schloß damit einAuge auf, das einer schönern Nacht als dieserungestirnten würdig war: Viktor drückte diereife Staarlinse — diese auf die Schöpfung ge-worfene Dampfkugel und Wolke — in den Boden

des Augapfels hinab; und so, da ein Atom dreiLinien tief versenkt war, hatte ein Mensch dieUnermeßlichkeit wieder, und ein Vater den Sohn.Gedrückter Mensch! der du zugleich ein Sohnund ein Knecht des Staubes bist, wie klein istder Gedanke, die Minute, der Blut- oder derThränenlropfen, der dein weites Gehirn, deinweites Herz überschwillt! Und wenn ein PaarBlutkügelchen bald deine Montgolfiers Kugeln,bald Leine Belidors Druckkugeln werden, ach wiewenig Erde ist es, die dich hebt und drückt? —

"Viktor! du? — Du hast mich geheilt, mein"Sohn?" — (sagte der errettete Mensch undnahm die noch mit dem Arbeitzeuge bewaffneteHand) »Leg' weg, und bind' mich wieder zu!»Ich freue mich, daß ich dich zuerst sah."— DerSohn konnte vor Rührung nicht. — »Verbindemich! das Licht schmerzt: — Du warst eS? Rede!— Er band stumm das geöffnete Auge unter denfrohen Thränen des seinigen wieder zu. Alsaber der Verband der schönen stoischen Seele al-les verdeckte, seine Erröthung und seine Ergie-ßung: so wars dem zu glücklichen Sohne nichtmehr möglich, sich länger zu fassen — er überließsich seinem Herzen, und klammerte sich mit seinenThränen an das umhüllte Angesicht, dem er hel-lere Tage wiedergegeben hatte; und als er an sei-ner zitternden Brust die schnellern Schlägedes väterlichen Herzens und die festere Umar-mung des Danks fühlte: dann war das beste Kinddas glücklichste Kind. — Und alle waren überseine Freude froh, und wünschten? mehr demSohne, als dem Vater, Glück.. . .

Zwölf Kanonen gingen draußen los aus eben so

vielen Stubenschlüffeln-Sie erschießen diese

Historie.-

Denn jetzt ist sie wahrlich aus — nicht einWort, nicht eine Silbe weiß ich mehr — ich habeüberhaupt in meinem Leben gar keinen Horivnund kein St. Lüne gesehen oder gehört oder ge-träumt oder nur romantisch ersonnen — der Teu-fel und ich wissen wie es ist, und ich meines Ortshabe ohnehin jetzt bessere Dinge zu machen undzu eröffnen, nämlich:

Die Ouvertüre und die geheime Zn.st r u k z i o n.

Ein andrer hätte dumm gehandelt und gleichmit dem Anfang angefangen; ich aber dachte, ichkönnte allemal noch sagen wo ich Hause — imGrunde am Aequatvr; denn ich wohne auf der In-sel St. Iohannis, die bekanntlich in den ost-indischen Gewässern liegt, die ganz vom Fürsten-thum Scheerau umgeben sind. Es kann nämlichguten Häusern, die ihre ordentliche literarischeStrazza (den Meßkatalog) und ihr ordentlichesKapilalbuch (die Literaturzeitung) halten, nicktsweniger unbekannt sein als mein neuestes Landes-erzeugniß, die unsichtbare Loge, ein Werk,zu dessen Lesung mein Landesherr seine Landeskin-der und selber die Schriftsassen (es wäre nichtausdrücklich gegen die Rezeffe) noch mehr nöthi-gen sollte, als zum Besuche der Landesuniversität.Zn diese Loge hab' ich nun den außerordentlichenTeich gesetzt, welcher unter dem Namen ostindischerOzean bekannter ist, und in den wir Scheerauerdie wenigen Molucken und andere Inseln hineinge-