Hesp
stand als Emanuels glänzende Gestalt. Er kammit einem selig bewegten Angesicht spät im Pfarr-haus an; und in dieser Glut stellte er vor seinenZuschauern das Bild von Klokilden auf, dem ervon einem Engel alles. sogar Flügel gab, welcheein kurzes Verweilen drohte». Seine Freund-schaft erhob ihn über den Argwohn eines Argwohnsso sehr, daß er seinem Freunde keine wärmere undzartere Probe derselben zu geben glaubte, alsdurch das stärkste sympathetische Lob KlotildenS;Flamins Liebe gegen sie ging durch die Freund-schaft in seine Seele über. Die Empfindung fürdie Geliebte eines Freundes führt eine unnennbareSüßigkeit und moralische Zartheit mit sich. FürViktor steh' ich in diesem Punkte, daß er zwar be-griff, wie ein Freund dem andern die Liebe zumOpfer bringen, aber nicht, wie der andere dasOpfer annehmen könne; allein für Flamin sag'ich nicht gut, daß er kalt und Menschenkennergenug ist, um die PreiSmünzen, die Viktor aufKlotilde» schlägt, und worauf er ihr schönes An-gesicht und sein Wappen setzt, immer für eben soviele Münzen üv eonüanc« und für Pfänderder brüderlichen Treue anzusehen. Er war zubrausend und zu ehrgeizig, um die Wahrheit zusehen, ja nur anzuhören: denn sein offenherzigerFreund mußte manchen zärtlichen Tadel unterdrü-ckn,, der ihn zu sehr gekränkt hätte, weil er zu-viel Ehrgeiz und Feuer und zu wenig Selberver-trausu hatte. Daher heftete sich ein Schmeichlerwie Matthieu mit seinen Epheu-Häkchen desto fe-ster in die Riffe dieses Felsens ein. Da er einwenig barsch den namenlosen Emanuel einenSchwärmer nannte: so sagte Viktor von diesemheute wenig. Flamin konnte — weil er entwederein Jurist oder ein hitziger Kopf — oder beides —war — nichts so wenig ausstehen, als Poeten,Philosophen, Hofleute und Enthusiasten — einenausgenommen, der alles Las auf einmal war, sei-nen Sebastian Viktor.
5. Hundposttag.
Her dritte Klar — Dir Nachtigall — Der auf derMusül sitzende Älibate.
Ich muß überhaupt voraus bemerken, daß ichsehr dumm wäre, wenn ich die Menge von Un-wahrscheinlichkeiten in dieser Historie nicht merkte;aber ich merke sie sämmtlich gut; ja ich habesolche — z. B. die in Klvliltens Betragen, oderdie des medizinischen Doktorats des Helden —noch eher als der Leser selber wahrgenommen,weil ich alles eher — gelesen habe. Ich schob esdaher nicht länger auf, sondern ging mit der heu-tigen Hvffmanns-Pvst meinen Korrespondentenan, mir das nächstemal durch den Hund in seinerPorträtbüchse zu schreiben, woran wir alle wä-ren. — Ich schriebs ihm gerade zu, er wüßte denHenker davon, obwohl aber ich, von den Lesern
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und ihrer Tyrannei, — ich müßte ihm sagen(sagt'ich), sie wären Leute von Verstand, denenein Lcbensbeschreiber, ja ein Roman-Bauherr nichtmit Dichtertruge kommen dürfte, sondern diesagten, wie der Areopag, --die nackte geschicht---liche Thatsache her, ohne alle weitere poetische--Einkleidung." — Und es nähme mich überhauptWunder (fuhr ich fort), daß er noch nicht wüßte,daß sie soviel, theils Verstand, theils vierblätte-rigen Klee * in sich hätten, Laß sie die größtenVerfasser und Trauerdichter, wenn diese fein seienund sich durch ästhetische Gaukeleien entweder wieSchröpfer in Furcht oder wie Bettler in Mit-leiden setzen wollten, daß sie diese kaltblütig sichabarbeiten ließen, und sagten: --wir lassen uns--nicht fangen."— Gleichwohl wären die Rezensen-ten noch toller und gescheiter, und vielleicht diebesten jetzigen Skoto Meter (Dunkelmeffer),zumal da sie so elende Photometer (Lichtmes-ser) wären. — Und endlich sagt' ich meinem histo-rischen Adjutanten gerade heraus, er hätte keinenSchaden davon, ich jedoch, daß man mich inmehre Sprachen übersetzte und darin für jede Un-wahrscheinlichkeit des Textes in das Geißelgewölbeeiner Note hinunterzöge und da sehr striche, indeßich nicht den Mund aufthun dürfte, wenn derverdollmetschende Spitzbube, der meinen Kürbis-flaschenkeller wie ein Faß Wein aus einem Landins andre führe, den Wein unterweges wie alleFuhrleute mit Wasser außen begösse und innennachfüllte. — Er sollte mir nur wenigstens, batich, Antwort geben, damit ich sie den Lesernzeigen könne, als einen Beweis, daß ich ihm ge-schrieben. —
Im nächsten Hundpvsttag möchten also in jedemFalle große Dinge zu erwarte» sein. —
Noch dazu fällt der vierte Mai hinein mit sei-nen, wie es scheint, wichtigen zwei Dankfestenfür die Ankunft der zwei Sebastiane, des kleinenin der Welt, des großen im Baddorfe. SogarKlotilde ist morgen dabei; und Viktor ist rechtbegierig, (ich selber) sie in der Sonne der Liebezu sehen neben Flamin: denn drüben schienen alleihre Schönheiten ein vom Stral der Liebe nochnicht getrvffnes und gereiftes Herz zu umblühen,wie Blumenblätter dieweißenHerzblättervor der Sonne überbauen. — Matthicu kam heutezum Abschied, weil er morgen in die Stadt zu-rückfuhr. Er gefiel unserm Helden immer weni-ger; und eine Pagengeschichte, die er von sicherzählte, erneuerte Viktors Entschluß, die Bitteder Pfarrerin um die Verscheuchung eines solchenMenschen frühe zu erfüllen.
Matthieu hatte als Page den Dienst bei derOberhofmeisterin, ich glaube den großen und denkleinen. Gleichwohl mußt' er einmal einen Abbateund Gewiffensrath in ein Kabinet derselben bestel-len, das der Betstuhl und die heilige Stätte ineinem Grade sein sollte, den freilich ihr dummereifersüchtiger Mann nicht begriff. Nun war imNebenzimmer ein musikalischer Armsessel, denman im Grunde mit nichts spielte, als mit dem
» Dieser Klee macht, zufällig gefunden, daß man nichtmehr zu täuschen ist. Bisher fanden ihn nur — Fürsten undPhilosophen.