Band 
I.
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Hesp erus.

genten und klassischen Autoren sind, beides thaten.Viktor, dessen keines Gefühl von zu großen Auf-merksamkeiten für ihn versehret wurde, war froh,daß Eymanns Schultern die Halste der heutigenEhre tragen mußten.

Betrügen wollte drittens der Pfarrherr so gutals einer, und zwar jeden. Da für ihn dieserFesttag — wie die drei hohen Feste der Klöster —zugleich Rasiertag war, an welchem die gescheit-sten Köpfe die dümmsten Gesichter machen: soschnitt der Barbier mit der Nasier-Lanzette in desSeelensorgers Haut wie in eine Birkenrinde seinAndenken; aber dieses wenige Blut, das ausquoll,führte dem Pfarrer einen klüger» Gedanken zu,als das, was der Bader darin ließ, welches dochden Nervensaft absonderte, der nach den seichte-sten Denkern die Geleukschmiere unsrer geistigenBewegungen, die Goldauflösung unsrer reichhal-tigsten Idee» und der Geist unsers Geistes ist.Dieser klügere Gedanke, den ich so lobe, war der,sich auf dem linken Arm zur Ader zu lassen — esdem ganzen Hause zu verhalten — Abends demLord Glück zu wünschen und jedem — und amEnde den Aermcl auszuziehen und die Wunde zuzeigen, wie ein Römer, und zu sagen: gratuliertdoch zur Aderlaß! — Er setzte es durch, und derScheerer mußte staunend etwas anderes zerhackenals das Kinn. Der Verwundete gab ihm das Ge-leite bis an die Hosthüre, nicht sowohl aus Höf-lichkeit, als damit ers nicht der ganzen Hausgenvs-senschaft vortrüge, sondern den Vorfall überhauptbei sich behielte, ausgenommen in Häusern, woein Bart war und ein Ohr. Denn ein Geschicht-schreiber sei immerhin der Monatzeiger derZeit — und folglich sei der Zeitungsetzer derStundenzeiger derselben — mithin ein Weibihr S ekun de nz ei ge r: so ist doch der Bart-putzer beides, das Weib und der Seku nden -zeig er.

Als Flamin und Viktor hinuntergingen insWohn-, Putz-, Sommer- und Winterzimmer, stachunter lauter frohe» Gesichtern ein verdrießlichesvor, das dem wie besessen umhersetzenden Pfarrergehörte; er konnte zweierlei unmöglich ausspüren,seine Bibel und seine Puderquaste. Drei Minu-ten vorher hatt' er so gejammert: "Bin ich und»mein elendes Leben denn zu einer wahren Leiden-»geschichte ausersehen? Man gebe mir einen»Glücktopf, aus dem jeder andere ganze König-reiche Herauskrebsen würde — sobald mich der»böse Feind nahe merkt, so legt er seinen Unrath»hinein; und diesen heb' ich dann statt der Krebse»und Königreiche heraus, und weiter nichts. —»Es wär' heute hübsch geworben, sah der Teufel»— wir hätten bis Abends um vier Uhr keine»Lust gehabt, sondern Hundearbeit - dann wärs"losgegangen, das Essen im Gartenhaus, das Gra-»tulieren und Salutieren und wahrer Spaß. . . .»Euch ist er auch noch bescheeret; mir aber schenkt»nur, wenn der Püster und die Bibel nicht er-scheinen, etwas Ruß und Asche (die etwa von,»Abendschmause nachbleiben), damit ich damit dem»Fuchs (Pferd) das Gebiß abbürste — und Abends»kaun ich neben dem Gartenhause den Nettig»ausjäten.»

Hier mußte er mit der niedergelassenen Flagge

, feines Kopfes, mit der Trottelmütze den eintre-tenden Britten salutieren — als dadurch aus derMütze ein Haar-Büschel ausfiel, der zwar nichtdie gesuchte Bibel, aber der gegebene Püster war.Es muß nämlich die Denk- und Lese-Welt, der manoft die wichtigern Thatfachen nicht hinterbringt,am wenigsien um diese kommen, daß der Hofka-plan — so wie Menschen aus Menschen gerissenwerden, um die übrigen zu übertreffen und zubeherrschen — gerade so die Haare, die seinKamm auszupfte, in einen Pelzfaszikel oderHaarverein zusammenwickelte, um damit die übri-gen, die noch standen, einzupudern, welches nunwohl vvm erhabensten Geist und Pentameter nichtanders zu benamsen ist, als ein Haarpüster.Gleichwohl wurde Eymanns Gesicht langer alsdie Mütze: er ließ diese Spritze des Farbenpul-vers des Kopfes kalt da liegen, und sagte: mach'ich nicht die Bibel auSfündig: so seh' ich nicht ab,wie mich dieser Schöpf allein herausziehe»will.»

Wie vor Luther die Bibel, wurde jetzt dieCansteinische mit ihren schwarzen Käser-Flügel-decken gesucht. Wenn etwas diesen harten Schlagnoch herber machen konnte, so wars dies, Laß Ey-manns Bäfchen — gleich seiner Vernunft — zwi-schen den Verlornen kanonischen Blättern wie zwi-schen einer Serviettonpreffe lag: denn die Geistli-chen — besonders der Papst — machen das Bibel-werk gern zur Glanzpresss und zum Schmuckkäst-chen ihres äußern Menschen. Ob er gleich nochacht Bibeln, sogar die einfältige Seilerische Bi-bel-Chrestomathie, im Hause hatte, und in derWochenkirche heute gar keine brauchte: so war esdoch besser und menschlicher — k. h. närrischer —Laß er den Kopf seines Sakristei-Pedells, desSchulmeisters, aus dem Fenster pfiff, und denGottesdienst —wie eine Aufklärung — durch einviertelstündiges Interim verschob, als daß er stattder Stunde des Läutens nichts geringers änderteals Bibel und Bäfchen.

Lieber Himmel! wie man gleich Eregeten undKennikottisten suchte und lächelte! — »Dieses For-schen nach der Bibel,» sagte Sebastian, »ge-reicht einem Geistlichen zur Ehre, zumal da er»die biblischen Wahrheiten nur beim Tagli cht,nicht bei Scheiterhaufen-Fackeln sucht.»

Die Mönche haben, wie die Anzünder der öf-fentlichen Laternen, eine Leiter und viel Oel,aber mit dem Oel löschen sie die Lampen ausund den eignen Durst, und mit der Leiter reichensie die, die wieder anzünden, dem — Gal-gen.

Als der Kaplan vor dem ruhigen Kopf dessechswöchentlichen Kindes vorbeiging, den schondie heutige Treffenhaube preßte: so ging er auSAerger über dessen Gleichgültigkeit wieder zurück,hob seinen geputzten Kopf empor mit der rechtenHand, und fuhr in den Schacht des Wiegenstro-hes ein mit der linken, und wollte da die Bibel— die gewöhnlich das Kopfkissen und die Amu-let-Unterlage der Kinder (besonders der Dau-phin s) ist — ausgraben, indem er sagte: »dermiserable kleine Fratz läge bei unserm Elend nur»kalt da, mir nichts dir nichts, wenn ich ihn»nicht aufstörte.» — Und hier fiel etwas, nicht