Hesperus
den, so oft vier Hund - Dynastien vorübersind; nur dies braucht es noch, daß ich vorher mitdem Leser folgenden Gränz- und Hausvertragabschließe und ratifiziere, also und dergestalt:
I. Daß von Seiten des Lesers dem Berghaupt-ma»n auf St. Johannis für ihn und seine Erbenzugestanden und bewilligt werde, von nun annach jedem vierten Hundposttag einen witzigenund gelehrten Schalttag, in dem nichts erzähltwird, zu verfertigen und drucken zu lassen.
N. Daß von Seiten des Berghauptmanns demLeser bewilligt wird, jeden Schalttag zu überschla-gen und nur die Geschichttage zu lesen — wofürbeide Mächte entsagen allen denelleiis zuris—i estitutioni in integluin — exevptioni Isosi-vni» enoimis et enorinissim»« — üispsnsn-Uoni — ubsolutioni ete. Auf dem Kongreß zuSt. Johannis den aten Mai 17Y3.
So lautet das ächte Instrument des so bekann-ten Hundvertrags zwischen dem Berghauptmannund Leser, und diese Berzichtungsakte kann undmuß in zukünftigen Mißhelligkeiten beider Mächtevon einem Vermittler oder einem Austrägalgerichteinzig zum Grunde gelegt werden.
7. Hundposttag.
Der grosse psarr- park — Orangerie — Mamins
Staiidcscrhöhiiilg — Festnachmittag der häuslichen
Liebe — Fcucrregen — Üries an Emanncl.
Den Lord ausgenommen, sitzt schon alles imPfarrgarten und paffet auf mich: aber den Gar-ten kennt noch kein Henker. Er ist eins Chresto-mathie von allen Gärten, und doch nicht großerals die Kirche. Viele Gärten sind wie er zugleichKüchen-, Blumen-, Baumgärten; aber er istnoch ein Thiergarten — wie er denn die ganzeFauna von St. Lüne enthält — und noch ein bo-tanischer — mit der vollständigen Flora des Dorfsist er bewachsen, und ein Bienen- und Hummeln-garten — so oft sie gerade hineinfliegen- Indessensollte man doch solche kleinere Vorzüge gar nichtnamhaft machen, wenn ein Garten, wie er, ein-mal den hat, Laß er der größte englische ist, durchden je ein Mensch schritt. Er verbirgt nicht nursein Ende — wie jeder Park gleich jeder(Kassethun muß — sondern auch seinen Ansang, undscheint blos die Terrasse zu sein, von der man indas hineinsehen kann, was man nicht übersehen,aber wohl wie Cvok umfahren kann. Im englischenPfarrgarten sind nicht einzelne Ruinen, sondernganze zerschlagene Städte, und die größten Für-sten haben sich um die Wette beeifert , ihn mitromantischen Wüsten und Schlachtfeldern undGalgen zu versorgen, an die noch dazu (das treibtdie Täuschung höher) wahre Spitzbuben gebundensind als Fruchtgehänge. — Die Gebäude und Ge-sträuche verschiedener Welttheile sind darin nichtin eine widersinnige Nachbarschaft zusammenge-
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trieben, sondern durch ordentliche Meere oderWasserpartien nett auseinander gestoßen, welchesbei dessen Größe leicht gewesen, da er über neunMillionen Ouadratmeilen hält —und mit welchemGeschmack überhaupt diese Massen an einander ge-lagert sind, mögen die Leser daraus ermessen,daß alle Lords und alle Rezensenten der Literatur-zeitungen und die Leser selber in den Gartengezogen sind, und oft sechzig Jahre darin blei-ben. —
Der Pfarrer denkt, mit ihm auch als hollän-dischem Garten einige Ehre einzulegen, besondersdurch eine Perücke ans Wasser, die nicht an ei-nem Perückenstock, sondern an einem Blechaufsatzehängt, und die so lockig springt, daß schon mehreStadtpfarrer wünschten, sie könnten sie aufsetzen.Schmetterling-Glaskästen wendeten die Nachtkältevon frühzeitigen Rosen aus Seide ab, und vonFrühgurken aus Wachs. Gurken, die aus wah-ren Gurken bestanden, legte er unter allen Pasto-ren am frühesten ein, um in die Angst zu gera-then , sie könnten erfrieren; denn Liese Angstmußt'er haben, um sich zu freuen, wenn eineGlasflasche in seinem Hause zerbrochen wurde: erkonnte dann den Eis - oder Glasberg, der in denWeinen leider jährlich mit unserem Durste steigt,in den Garten tragen, und mit dieser MjMockedie Herzblätter überbauen. — Um wichtigere Beeteführte er einen bunten mustvischen Scherbenrand;seine Familie war seine Rändelmaschine, ich meine,sie mußte ihm die wenigen Porzellantaffen zerbre-chen, die er brauchte, um mit diesem buntenStreuzucker ansehnlichere Partien zu heben, wieein Fürst sich mit den bunten, durch die Knopflö-cher seiner Vorzimmer gezognen Ordensbänderneinfasset und beringet. Da er die Tassen nichtganz um die Beete setzen konnte, sondern erstLurch seine Scheidekünsiler zerlegt: so muß einRezensent, der bei ihm iffet, meinen Wink be-nutzen um sichs zu erklären, wenn ein solcherLnngensüchtiger nicht vor Zorn außer sich ist, so-bald sehr kostbares Geschirr zerbrochen wird; dennblos bei elendem ist er seiner nicht mächtig. JedeEhefrau sollte ein solches Beet als Arndts Para-diesgärtlein, als Schäkelstätte für Porzellan vongeänderter Fayonabstechen, zum Besten ihrerSeele, um bei Sinnen zu bleiben, wenn eineTasse fällt — »Schatz!" würd' ich sagen, »halte»dieses Unglück wie eine Christin aus, es nützt dir»entweder dort in der Ewigkeit oder hier im —»Garten.»
Nahe an einem Hause nehmen sich die holländi-schen Gartenschnörkel mit ihrer häuslichen Win-zigkeit besser aus, als die erschütternde Naturmit ihrer ewigen Majestät. Eymanns geschnitzterPfarrgarten war im Grunde blos eine fortgesetzteWohnstube ohne Dach und Fach.
Als der Pfarrer unsern Viktor im Garten her-umzerrete, hätte der Gast beinahe vergessen, dasJdeenmagazin im Garten zu loben, blos weil erzu neugierig und zu warm der Ankunft Klvtildensund ihrem Benehmen gegen seinen Freund entge-gensah. Zum Glücke fiel es ihm ein, daß derPfarrer auf Räuchopfer und Rauchfässer sich spitze;er hinterging ein Lorbeer-hoffendeS Herz so un-gern, daß er sich eben darum gern zu Personen