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H esperus.
wie webte von der Sties-Brüdergemeine desHofs der Prinzessin entgegen rcisete.
Viktor wurde stiller und trüber; seine Brustquoll iluu auf einmal voll unsichtbarer Thränen,deren Quelle er an seinem Herzen nicht findenkonnte. Und als man noch dazu durch Klotiltensstilles leeres Zimmer ging, wo Ordnung und Ein-fachheit an die schone Seele der Besitzerin zustark erinnerten: so fiel sein plötzliches gerührtesVerstummen auch andern auf. Er riß die Augeneiligst weg oon einigen Blumenzeichnnngen ihrerHand, von ihrem weißen Schreibzeug und vonder schönen Landschaft der Oeltapete, und trathastig auf das zu, was Le Baut aufsperrte — eswar kein edles Herz, was dieser mi! seinem ob-wohl wie eine Kanone gebohrten Kammerherrn-schlüffel sperren konnte, (die Titularkammerherrenin Wien heften nur einen hermetisch-versiegeltenan) sondern sein KuNinet ü'lrivtoüs naturelleöffnete er. Das Kabinet hatte seltne Exemplareund einige tlurios» — einen Blasenstein einesKindes 2/i7 Zoll lang und 2/t7 Zoll breit, oderumgekehrt — die verhärtete Hvhlader eines altenMinisters— ein Paar amerikanische Federhosen —erträgliche Fungiten und bessere »trombi (z. B.eine unächte Wendeltreppe) — das Modell einesHebammenstuhls und einer Säemaschine — graueMarmvrarten auS Hof im Vvigtland — und einversteinertes Vogelnest — Doubletten gar nicht
gerechnet-inzwischen zieh' ich und der Leser
diesem todten Gerümpel darin den Affen vor, derlebte und der das Kabinet allein zierte und —besaß. Caniper sollte von diesem lebendigenExemplar den Kammerherrnkopf wegschneidenund solches sezieren, um nur zu sehen, wie naheder Affe an den Menschen gränze.
Ein Großer hat allemal irgend einen wissen-schaftlichen Zweig, nach dem er nichts fragt, undauf den er sich also vorzüglich legt. Für Le Bautswissen - hungrige Seele wars gleich viel, ob sie inein Siegel-oder in ei» Gemmen-oder ein Pi-sivlenkabinet eingestellet wurde. Wär' ich einGroßer: so würd' ich mit dem größten Eifer Knöpfe— oder Entbindungen — oder Bücher — oderNürnberger Waare — oder Kriege — oder rechtgute Anstalten machen, blos aus verdammter lan-ger— Weile, dieser Essig mutter aller Lasterund Tugenden, die unter Hermelinen und Orden-sternen hervorgucken. Nichts ist ein größererBeweis der allgemeinen wachsenden Verfeinerung,als die allgemein wachsende Langeweile. — Sogardie Damen machen sich hundertmal aus bloßerplatter Langerweile — Kurzweile; und der ge-scheiteste Mensch sagt seine meisten Dummheitenund der beste seine meisten Verleumdungen bloseinem Zirkel, der ihn hinlänglich zu langweilenweiß.
Der Hofjunker war der Mnsterschreiber desKabinets, um vielleicht herumzugehen. Vik-tor that ihm Unrecht durch die medizinische Ver-muthung, er affektiere einen gewissen schwan-kenden weichen Gang vornehmer Wollüstlinge;denn er hatt' ihn wirklich, und das darum, weil >er a»S ganz andern als Viktors schönen Gründen jungern — saß. Aber weiter! Wenn nickt die!Kammerherrin den Vorhang vor Viktors Seele ^
aus einander schlagen, und darin die Gesinnungengegen sich und Klotilre durch den Schrecken, denich erzählen will, erforschen wollte; menns alsodas nicht war: zo kann es nichts als ein sehr bö-ser Geist gewesen sein, der dieser Kammerherrindie Hand führte zu einer Silberstufe. Hinter derStufe lag eine vielleicht von abgebröckeltem Arse-nick verreckte Maus. Eine Leserin, die in ähnli-chen Gefahren als Dulderin litt, stellet stchs vor,wie der Kammerherrin war, als ste mit dem Har-ten etwas weiches umgriff und hervorbrachte unddann ersah was es war. Eine wahre Ohn-macht war unvermeidlich. Ich gesteh' es ichwürde selber ihre Ohnmacht blos für eine ver-stellte halten, wäre der Anlaß geringer, und z. B.der Angriff nicht auf ihre Sinne, sondern nur aufihre Ehre gewesen; aber etwas anderes ist eineMaus. — Ueberhaupt mußte sie vor so boSbaftenZuschauern, wie ihr Mann und ihr Zizisbeo ist,diesen fünften Akts - Mord längst von ihrem The-ater wie vom gallischen verbannt haben; ja ichglaube, ste hätte sich vor einen» siegenden Feindihrer Tugend durch nichts (eine wahre Ohnmachtausgenommen) so lächerlich machen können, alsdurch eine scheinbare. Der Schrecken über denScheintod beraubte den Evangelisten des Ge-brauchs seiner Vernunft, und ließ ihm nur denGebrauch seiner Bosheit und seiner Hände, mitdenen er sogleich das Blendwerk und Sparrwerkihres Busens, kurz die ganze optische Brust zer-riß, um der wahren, in deren Breie er einenStein hatte, nämlich ihr Herz, Luft genug zumachen. Aber Viktor drängte ihn weg undspritzte ste mit zarterer Achtung für ihre Reize undfür ihr Leben, durch wenige Eistropfen wiederempor. Gleichwohl vergab sie dem Junker alleswas sie errieth, und dankte dem Hvfmedikus füralles, worin sie irrte. . . .
— — Lasset mich einen Augenblick wegsehenvon diesem Haßgespinnste, und die schönere Weltum mich mit Erquickung anschauen auf meinerInsel, wo kein Feind ist — und das plätscherndeSpiel der Fische und Kinder am Ufer — und diespielende Mutter, die ihnen Blumen und hütendeBlicke zuwirft — und die großen Ahornbäume,die sanft mit tausend Blättern und Mücken flü-sternd dem unter den Wellen gaukelnden Baum-schlag entgegen schwanken — und wie die warmeErde und der warme Himmel in schlafender Liebean einander ruhen und ein Jahrhundert uius andregebühren. . .
Viktor ging bange vor dem Ende seiner ländli-chen Tage, nach Haus. — Der Sonnabend (der16. Junius) eilte sanft vorüber, und schüttelte einganzes Blumenhaupt von beflügelten Samen zuneuen Freudenblumen unter dem Eilen auseinan-der.
Die Sterne glitten leise über seine Nacht.Ein freundlicher blauer Svnntagmorgen legte sichschwebend über das geputzte Dörfchen, und hieltden Athem an, damit er nicht einmal eine reifeLindenblüte oder Dvtterblumen-Spreu ausriß. —Viktor konnte das Forlepianisstmv aus demSchlosse über das ausruhende Dorf herübertönsnhören und mußte mit der Engbrüstigkeit des glück-/ichen Sehnens seufzen : „ach wann muß ich auf-