Band 
I.
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Hesperus

nuel ist etwas besseres werth, als einer — pein-lichen Defension. —

Jetzv sprang dem Helden der Trost wie eineQuelle auf, daß er am Donnerstag seine Seelen-wanderung durch die Natur, seine Reise, anhebe:»beim Henker! sagt er aufhüpfend, was hat ein»Christ da nöthig, daß er Nothmünzen schlägt»und Trauermantel umthut, wenn er am Donners-»tage nach Kussewiz zur Uebergäbe der italiä-»nischen Prinzessin reisen kann — und am Sonn-»abend nach der Insel der Vereinigung,»und noch am nämlichen Tage, welches ein Tag»vor Jvhannis ist, nach Maienthal zu seinem»Theuern, zu seinem Engel?» —

O Himmel, ich wollt', er und ich wären schonüber die Reise her — wahrhaftig sie kann, wennmich nicht alle Hoffnungen belügen, vielleicht ganzerträglich werde»! —

— Unter der Wochenbetstunde des Mittwochsrollten zwei Wagen vor; aus dem vollen tratender Lord und der Fürst, aus dem leeren nichts.Die alte Appel hatte sich prächtig angekleidetund in die Speisekammer eingesperrt. Der Ka-plan war glücklicher, er lehrte im Tempel. Manmacht selten ein gescheites Gesicht, wenn manvorgestellt wird — oder ein dummes, wenn manvorstellt. Der Lord führte dem Fürsten seinenSohn als ein Unterpfand seiner künftigen Treuein die Hände und ans Herz, aber mit einerWürde, die eben so viel Ehrfurcht erwarb, alssie erwies. Mein guter Held betrug sich wie ein— Narr; er hatte weit mehr Witz, als unsreAchtung gegen Höhere oder die ihrige gegen unsverstattet; ein Talent, das außer dem Hof-Lehu-Lienste sich äußert, kann als Hochverrath betrachtetwerden.

Sein Witz war blos eine versteckte Verlegenheit,worin ihn zwei Gesichter und eine dritte Ursachesetzten. Erstlich das fürstliche. . .

— Wenn sich die Lesewelt beschwert, daß soallmälig, wie sie sehe, ein neuer Name und Aktornach dem andern in diesen Venusstern herein-schleiche und ihn so voll mache, bis aus dem histori-schen Bildersaal ein ordentlicher Vokabelsaal werde,in welchem sie mit einem Adreßkalender in derHand herumwandeln müsse : so hat sie wahrhaftignur zu sehr Recht, und ich habe mich selber schonam meisten darüber beschwert; denn mir bleibtam Ende doch die größte Last auf dem Halse, weiljeder neue Tropf ein neues herausgezogenes Or-gelregister ist, das ich mit spielen muß und des mirdas Niederdrücken der Tasten sauerer macht; aberder Korrespondent schickt mir im Kürbis ohne an-zufragen alle diese Einquartierung zu, und derSchnakenmacher schreibt gar, ich sollt' es nurder Welt sagen, es komme noch mehr Volk. —

Das fürstliche Gesicht setzte den Helden in Verle-genheit, nicht weil es imponierte, sondern weiles dieses bleiben ließ. Es war ein Wochentag-nnd Kurrentgesicht, das auf Münzen, aber nichtauf Preismedaillen gehörte — mit Arabesken-Zü-gsn, die weder Gutes noch Böses bedeuten — vonwenigem Hvf-Mattgvld überflogen —eingeölet mitdem sanften Oel, das die stärksten Wellen er-denken konnte — eine Art süßer Wein, mehr denWeibern als Männern trinkbar. Von den fein-

sten Wendungen, die Viktor zu erwidern gesonnenwar, stand nichts zu hören und zu sehen; abervon passenden leichten desto mehr. Viktor wurdedurch den Kampf und Wechsel''zwischen Höflichkeitund Wahrheit verlegen. Die geselligen Verlegen-heiten entstehen nicht aus der Ungewißheit undUnwegsamkeit des Steigs, sondern au denKreuzwegen der Wahl und zwischen den zweiHeubüukeln des scholastischen Esels. Viktor, des-sen Höflichkeit immer aus Menschenliebeentsprang, mußte die heutige aus Eigennutz ent-springen lassen; aber dieses wollt' ihm eben nichtein. Außer dem Vatergesicht, vor dem schon beiden meisten Kindern das ganze Räderwerk einesfreien Betragens knarrt und stockt, macht' ihndrittens das verlegen und witzig, daß er etwashaben wollte. Ich kanns einem jeden — einenHvfmann ausgenommen, dessen Leben wie das ei-nes Christen ein beständiges Gebet um etwas ist— ansehen, wenn er zur Thür hereinkommt, ober als Almosensammler und Werkheiligeroder als bloßer Freudenklubbist einspricht.

Noch ehe die Leute aus der Kirche gingen, fasteteViktor schon herzliche Liebe zum Fürsten — dieUrsache war, er wollt' ihn lieben und ständeder Teufel selber da. Er sagte oft, gebt mir zweiTage oder Eine Nacht, so will ich mich verlieben,in wen ihr vorschlagt. Er fand mit Vergnügenauf Jenners Gesicht keinen Sekunden-, keinenMonatzeiger der Schäferstunden, mit denen einguter Cäsar sonst gern die langweiligen Ehejahrewie mit Flitterwochen zu durchschießen sucht: son-dern in seinem Gesichte war nichts als Enthalt-samkeit aufgeschlagen, und Viktor pflichtete lieberdem Gesichte als dem Rufe bei. Er schießet fehl;denn auf das männliche Gesicht — ob es gleich,wie gewisse Gemälde aus Schreiblettern, eben soaus lauter Buchstaben der Physiognomik gemachtist — hat doch die Natur die Lesemütter undMaalzeichen der Wollust sehr klein geschrieben,auf das weibliche aber größer; welches ein wah-res Glück für das erste und stärkere und — un-keu schere Geschleckt ist. Ueberhaupt ist Ehebre-chen für Jenner-Fürsten nichts, als eine gelindereArt von Regiere» und Kriegen. Und doch stellenrechtschaffene Regenten die Weiber, sobald siesolche erobert haben, stets dem vorigen Eheherrnmit Vergnügen wieder zu. Es ist aber dies die-selbe Größe, womit die Römer den größten Kö-nigen ihre Reiche wegnahmen, um sie nachher da-mit wieder zu beschenken.

Da Fürsten nicht wie die Juristen böse Christen,sondern lieber keine sind: so nahm Jenner unsernViktor durch verschiedene Funken von Religionund durch einigen Haß gegen die gallischen Enzy-klopädisten ein: wiewohl er einsah, daß für ei-nen Fürsten die Religion zwar ihr Gutes, aberauch ihr Schlimmes habe, da nur ein gekrönterAtheist, aber kein Theist das unschätzbare privi-lexium cke non appellancko besitzt, das darinbesteht, daß die beschwerte Partei nicht (i>eosaltus oder durch einen Salto mortale) an diehöchste Instanz außerhalb der Erde appellierendarf.

Das Gespräch war gleichgültig und leer wie je-des in solchen Lagen. Ueberhaupt verdienen die