Band 
I.
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Hesperus.

Sainle Irinitö, oder in nomin« snnotissiknanvt i»aivi<1uae riioltstis, für d i e Chiffre ausge-ben wollte, welche die Gesandten zuweilen überihre Berichte zum Zeichen setzen, daß man dasGegentheil zu »erstehen habe — es würd' abernichts aus dem fliegenden Blatt, als ein — Ma-! nuskript. In diesem war ich einfältig genug undwollte den Fürsten erst rathen, von Nvthlügennnd Nothwahrheiten der Traktaten müßten siein jeder Breite und Stunde deklinieren undinklinieren; ich wollte die Sraatskanzleienin einen Winkel zu mir heranpfeifen nnd ihnenin die Ohren sagen; ich würd' eS, und hätt' ichmir neun Regimenter in Sold nnd Hunger, nieleiden, daß man mir mit dem Wachs und Siegel-lack der Verträge Hände und Füße znsammen-xichte und mit der Dints die Flügel verklebte;da» wollt' ich in die Staatspraxis erst einführen— aber die Staatskanzleien lachten mich von wei-tem i» meinem närrischen Winkel aus und sag-ten: der Pfeifer muß glauben, wir machenSanders.

In den Werken des H. Herkom m en —des- besten deutschen Publizisten, der aber keine:>eM »nnctvl-nui schreibt — wird es erwiesendaß ein Laudesfürst die Verträge, Privilegienund Bewilligungen zwischen seinem Vorführerund den Unterthanen gar nicht zu beobachtenbrauche; — daraus folgt, daß er noch weit weni-ger seine ei gnen Verträge mit ihnen zu haltenvvnnöthen habe, da ihm die Nutznießung dieserVerträge, die in nichts als im Halten oder Bre-chen besteht, offenbar als Eigenthümer gebührt.H. Herkvmmen sagt das nämliche, auf allenBlättern und schwört gar dazu. — Ja es kanneinen Dekan oder Rektor Magnisikus geben, derso wenig Vernunft annimmt, daß ihm — da dochnach einer allgemeinen Annahme ein König nichtstirbt, und mithin Vor- und Nachfahrer zu Ei-nem Mann ineiuanderwachseu — nicht der Schlußdaraus beizubringen ist, daß der Nachfahrer seineeigne Verträge für die seines VvrfahrerS halten,und mithin, da beide nur Ein Mann find, ebenso gut wie geerbte brechen könne?

Wer philosophisch darüber reden wollte, derkönnte darthuu, daß überhaupt gar kein Menschsein Wort zu halten brauche, nicht blos keinFürst. Nach der Physiologie rückt der alte Kör-per eines Königs (eines Lesers, eines Bsrghaupt-manus) in drei Jahren einem neuen zu; —Hu nie treibts mit der Seele noch weiter, weiler sie für einen dahinrinnenden (nicht gefrorneu)Fluß von Erscheinungen hält. So sehr also derKönig (Leser, Autor) im Augenblick des Verspre-chens an dessen Haltung gefesselt ist: so unmöglichkann er noch daran gebunden sein im nächstenAugenblick darauf, wo er schon sein eigner Nach-fahrer und Erbe geworden, so daß in der Thalvon uns beiden am üben Mai hier kontrahieren-den Wesen am heutigen Mai nichts mehr da ist,als unsre bloßen Posthumi und Nachfahrer, näm-lich wir. Da nun glücklicherweise niemals ineinen und denselben Augenblick zugleich Verspre-chen und Halten hineingehen: so kann die ange-nehme Folge für uns alle daraus fließen, daßüberhaupt gar keiner sein Wort zu halten verbun-

den sei, er mag Kuxpel oder Sägespahn einesThrones sein. Auch die Hofleute (die Thronecken-beschläge) setzen sich diesem Satze nicht dawi-der.

Das Publikum wird gebeten, die Vorrede fürden zweiten Schalttag zu halten, damit schönesEbenmaß da ist.

9. Hundposttag.

Himmels-Morgen, Himmels- Nachmittag — Hausohne Mauer, Nette ohne Haus.

Ach der arme Bergmann, der Minierer imSteinsalz nnd der Insel-Neger haben in ihremKalender keinen solchen Tag, als hier beschriebenoder wiederholet wird! Sebastian stand Donners-tags schon um drei Uhr auf dem Flugbrett seinesBienenstocks, um in Großku ssewiz in EinemTage anzulanden und wegzusein eh' man aufwar.Ei» Leser, der einen Atlas unten auf dem Fußbo-den hat, kann unmöglich diesen Marktflecken, wodie Uebsrgabe der Fürstenbraut vorgeht, mit ei-nem Namenvetter von Dorf verwirren , den dieStad Rostock zu ihrem unbeweglichen Vermögengeschlagen. Das ganze Haus hatte ihn leider solieb, daß es schon eine halbe Stunde früher ausden Mvrgenfsdern, woraus die größten Flügel derTräume gemacht werden, heraus war. Unter demGetöse der Wageuketten, der Hunde uns Hähne,trennte er sein sanftes Herz von lauter liebendenAugen, und indem ihn das Klopfen des einen undLas Erweichen der andern verdroß, wurde allesnoch ärger; denn der äußere Lärm stillt den in-nern der Seele.

Draußen schwammen alle Grasebnen und Sa-menfelder im Tropfbad des Thaus und im kal-ten Luftbad des Morgenwinds. Er wurdedarin wie heißes Eisen gehärtet; ein Morgenlandvoll unübersehlicher Hoffnungen umzog ihn, erentkleidete seine Brust, warf sich brennend inStropfende Gras, wusch sich (aber nicht aus höherenAbsichten als Mädchen) das feste Gesicht mit flüs-sigem JuniuSschnee, und trat, mit straffer,, Fi-bern bespannt, aus dem Tropfbad in den Anzugzurück — blos Haar und Brust steckt' er in keinGefängniß.

Er wäre gewiß eher abgegangen; aber er wolltedem Monde ausweichen, den er so wenig mit derSonne gatten konnte, als die Kinder von beiden,nämlich Nachtgedanken mit Morgengedanken. Dennwenn die Morgenwolksn um den Menschen thaue»,wenn die liebenden Vögel schreiend durch den Glanz-nebel schießen, wenn die Sonne aus der Wvlken-glut vorschwiilt: so drückt der erfrischte Mensch sei-nen Fuß tiefer in seine Erde ein, und wächset mitneuem Lebensepheu fester an seinen Planetenan.

Langsam watete er durch einen niedrigen Ha-