Hesperus.
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sträng leicht den Abtheiltisch und dadurch das Ab-theilzimmer, und am Ende die Abtheilschauspieler-gesellschaft in zwei der gleichsten Hälften — lassetuns daraus lernen, daß am Hofe alles tranchiertwird, und selber der Prosektor wird zu seinerZeit hingestreckt auf den Zergliedertisch, Vondieser seidenen Schnur, womit der Großherr seineGünstlinge von oben dividiert, aber in Brüche,kann und soll im ersten Akt nicht mehr die Redesein, weil er — aus ist. . .
Es wurde mir ungemein leicht, diesen Auftritternsthaft abzufassen; denn da nach Plattier dasLächerliche nur am Menschen haftet, so war.dasErhabene, das in meinem Aufznge die Stelle desKomischen einnimmt, in einem Akte leicht zu ha-ben, wo gar nichts Lebendiges spielte, nicht ein-mal Vieh.
Zweiter Akt. Das Theater wird setze leben-diger, und auf dasselbe hinaus tritt nun die Prinzes-sin an der Hand des italiänische» Ministers aus derKulisse Nv i.; beide wirken anfangs, gleich derNatur, still auf diesem Paradeplatz, der schon aufdem Papier zwei Seiten lang ist . . .
Nur einen Blick vom Theater in die Haupt-loge! Viktor spielt für sich, indem er unter denLorgnetten, die er zu verkaufen hat, sich die hoh-leste ausklaubt, und damit die Heldin meinerhistorische» Benefizkomödie ergreift... Er sahden Beicht- und Vetschemel, auf dem sie heuteschon gekniet hatte: »ich wollt' (sagt' er zu Te-stat») »ich wäre heute der Pater gewesen, ich hätt'»ihr ihre Sünden vergeben, aber nicht ihre Tu-"genden." Sie hatte zwar jenes regelmäßigeStatuen - und Madonnengestcht, das eben so ofthohle als volle Weiberköpfe zudeckt; ihre Hofte-butrolle verbarg zwar jede Welle und jedenSchimmer des Geistes und Gesichts unter derEiskruste des Anstaudes; aber ein sanftes Kindes-auge, das uns auf ihre Stimme begierig macht,eins Geduld, die sich lieber ihres Geschlechtes als ih-res Standes erinnert, eine müde Seele, die sich nachdoppelter Ruhe, vielleicht nach den mütterlichen Ge-filden, sehnte, sogar ein unmerklicher Rand um dieAugen, der von Augenschmerzen oder vielleicht vonnoch tiefern gezeichnet war, alle diese Reize, diezu Funken wurden, welche in den getrocknetenZunder des Affvciü hinter der Brille geschlagenwurden, machten diesen i» seiner Loge ordentlich
— halbtoll über das Schicksal solcher Reize. Undwarum sollt' es auch einem den Kopf nicht warmmachen — zumal wenn schon das Herz warm ist,
— daß diese unschuldigen Opfer gleich den Herrn-huterinnen zwischen ihrer Wiege und ihremBrautbette Alpe» und Meere gestehet sehen, unddaß die Kabinette sie wie Seidcnwurmsamen inDepeschendüten versenden? . . . . Wir kehrenwieder zu unserem zweiten Akte, in dem niailnoch weiter nichts vornimmt, als daß man — an-kommt.
Die Kulissen No t. und 2. stecken noch vollAkteurs und Aktricen, die nun heraus müssen.An diesem Tage ist es, wo zwei Höfe wie zweiHeere einander in zwei Stuben gegenüber halten,und sich gelassen auf die Minute rüsten, wo sieausrücken und einander im Gesichte stehen, bises endlich wirklich zu dem kommt, wozu es »ach sol-
chen Zurüstungen und in solcher Nähe ganz natürlichkommen muß, zum — Fortgehen. Der Kubikin-halt von Nv i. quillet der Fürstin nach, er be-steht aus Jtaliünern — in der nämlichen Minuterichtet auch der Hofstaat aus der Kulisse No 2.seine Marschroute ins Hauptquartier herein, erbesteht aus Flachsenfiugern. Jetzo stehen zweiLänder — eigentlich nur der aus ihnen abgezogeneund abgedampfte Geist — sich einander ganznahe, und es kommt jetzt alles darauf an,daß der Sei den st rang, den ich im ersten Aktüber die Stube gespannt, anfange zu wirken;denn die Gränzverrückung und Vvlkermischuugzweier so naher Länder, Deutschlands und Welsch-lands, wäre in Einem Zimmer fast so unvermeid-lich, wie in einer päpstlichen Gehirnkam-mer, hätten wir den Strang nicht — aber denhaben wir und dieser hält zwei zusammengerin-nende Völkerschaften so gut auseinander, daß esnur Jammer und Schade ist — die Ehrlichkeithat den größten — daß die deutschen Kabinettekeinen solchen Sperrstrick zwischen sich und dieitaliänischen hingezogen haben; und kams dennnicht auf sie an, wo sie den Strick anlegen woll-ten, am Fußboden, oder an welschen Händen, oderan welschen Hälsen? —
Wenn die englische allgemeine Weltgeschichteund ihr deutscher AuSzng einmal die Zeit so naheeingeholet haben, daß sie das Jahr dieser Ueber-gabe vornehmen und erzählen, und unter ander»das bemerken können, daß die Prinzessin nachdem Eintritt sich setzte in den Sammtsessel: sosollte die Weltgeschichte den Autor anführen, ausdem sie schöpft — mich .... Das war der zweiteAkt, und er war sehr gut, und nicht sowohlkomisch, als erhaben.
Dritter Akt. Darin wird blos gesprochen.Ein Hof ist das Parloir oder Sprachzimmer desLandes, die Minister und Gesandten sind Hör-brüder * . Der Flachsenfingische Sekretär lasentfernt ein Instrument oder den Kaufbrief ihrerVermählung vor. Darauf wurden Reden gelispelt— vom italiänischen Minister zwei — vom Flach-sensingischen (Schleimes) auch zwei — vonder Braut keine, welches eine kürzere Art, Nichtszu sagen, war, als der Minister ihre. — —
Da wahrlich jetzt dieser erhabne Akt aus wäre,wenn ich nichts sagte: so wird mir doch nach vie-len Wochen einmal erlaubt sein, ein Extra-blatt ch e n zu erbetteln und auzuhenken, unddarin etwas zu sagen.
Erbetteltes Ertrablüttchcn über die größereFreiheit iu Äespotiecn.
Nicht nur in Gvmnasien und Republiken, son-dern aüch (wie man auf der vorigen Seils sieht)in Monarchieen werden Reden genug gehalten —ans Volk nicht, aber doch an dessen euvatoressliseiitss. Eben so ist in Monarchieen Freiheit
»Sowiees Hörschwestern (les Courieres oder8<rurs ecoutes) gibt, die mir den Nonnen ins Sprachiim-mer geben um auf ihr Reden Acht n> gebe».