Band 
I.
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448 Hesperus.

daß diese »ach Beattie dem Komischen mehrals die republikanische aufhilft, — daß nach Addi-svn und Sulzer gerade die spaßhaftesten Men-sche» (z. B. Cicero) am ernsthaftesten sind, undLaß folglich das Nämliche auch von dem Zeug,das sie machen, gelten müsse: so sieht man schonaus dem Komischen, das meine Akte haben, Laßsie ernsthaft sind.-

Mein Held hielt im Laden eine heftige P.Merzische Kvntroverspredigt gegen etwas, wo-für die Reichsstädter und Reichsdörfer predigen— dagegen: --daß die Menschen ohne alles weiße»und graue Gehirn und ohne Geschmack und Ge---schmackwärzchen in dem Grade handeln können,»daß sie sich nicht schämen, die Paar Jahre, wo»sie der Schmerz noch nicht auf seinem P ü r s ch-»zettel und der Tod »och nicht auf seinem»Rachtzettel hat, sündlich und hundmäßig zu»verzetteln, nicht etwa mit gar nichts thun, oder»mit den halben Takt - Pausen der Kanzleiferien,»oder den ganzen Takt-Pausen der Kömizialfe-»rien, oder mit den Rarrheiten der Freude —»waS wäre rühmlicher?—sondern mit den Narr-»heiten der Qual, mit zwölf herkulischen Nichts-»Arbeiten, in den Raspelhäusern der Vorzimmer,»auf dem tratto lU eoi-,iu des gespannten Zere-»moniels .... Mein lieber Hofmarschall, meine»schönste Oberhvfmeisterin, ich billige alles: aber»das Leben ist so kurz, daß es nicht die Mühe»lohnt, sich einen langen Zopf darin zu machen.»—- Könnten wir nicht das Haar aufbinden und»über alle Dorsale, d. h. Vorhöllen, über alle»Vsrfechter und Vvrtänzer hinwegsetzen gleich»mitten in die Maiblumen unsrer Tage hinein»und in ihre Blumenkelch«... Ich will mich»nicht abstrakt und scholastisch ausdrücken; sonst--müßt' ich sagen: wie Hunde werden Zeremonien»durchs Alter toll; wie Tanzhandschuhe, taugt»jede nur einmal und muß dann weggeworfen»werden; aber der Mensch ist so ein verdammt»zeremonielles Thier, daß man schwören sollte, er»kenne keinen größer» und länger» Tag, als den--Regenspurger Reichstag.»

So lang er aß, war Lostato nicht da, sondern imLaden. Nun hatt' er schon am vorigen Abend einenEntwurf zum Kusse der schöne» Dunstn nicht aus demKopfe bringen können: »eine viehdumme Huldin»küff ich Einmal, sagt' er, dann hab' ich Ruh' auf»Lebenslang.» Aber zum Unglück mußte um dieDunstn die sogenannte Kleinste (die Schwester),deren Verstand und deren Nase zn groß waren,als Senkfeder der Angel schwimmen, und die Fe-der würde sich, hätt' er nur eins Lippe an denKöder gesetzt, sogleich gereget haben. Er waraber doch pfiffig: er nahm die Kleinste auf dieSchenkel und schaukelte sie wie Zeusels Kutscher,und sagte dieser Klugen süße Namen über denKopf hinüber, die er alle mit den Augen derDummen zueignete (am Hofs wird er mit um-gekehrtem Scheine zueignen). Erdrückte der Klein-sten zweimal zum Spaße die Spioncnaugen zu, blosum es im Ernst zum drittenmale zu thun, wo erdie Dunstn au sich zog und sie mit der rechten Handin eine Stellung brachte. Laß er ihr — zumal da siees litt, weil Mädchen der List ungern abschlagen,oft aus bloßer Freude, sie zu errathen — unter

den Hvfdiensten gegen die Blinde den schleunigenKuß hinreichen konnte, für den er schon so vieleuvniit pvopos und Marschrouten verfertigt hatte.Jetzo war er satt und heil; hätt' er noch zweiAbende dein Kuß nachstellen müssen, er hätte sichsehr verliebt.

Er saß wieder in seinem Masikorb, als die Für-stin aß. Es geschah bei offnen Thüren. Sieschürte sein Lauffeuer der Liebe mit dem goldnenLöffel an, so oft sie ihn an ihre kleinen Lippendrückte — sie störte das Feuer wieder auseinandermit den zwei Zahnstochern (süßen und sauern) sooft sie zn ihnen griff. Tostato ot Compagnie setz-ten heute die theuersten Waaren ab: kein Menschkannte die ot Compagnie; bloß Zeusel sah demViktor schärfer ins Gesicht und dachte: »ich sollte»dich gesehen haben.» Gegen zwei und 3/ü UhrNachmittags ereignete sich das Glück, daß diePrinzessin selber an die Bude trat, um italiäni-sche Blumen für ein kleines Mädchen, das ihrWohlgefallen, auszusuchen. Bekanntlich nimmtman sich in jeder Maske Maskenfreiheit und aufjeder Reise Meßfreiheit: Vikior, der in Verklei-dungen und auf Reisen fast allzu kühn war, ver-suchte es in der Muttersprache der Prinzessin undzwar mit Witz zu sprechen. „Der Teufel," dacht'er „kann mich doch deswegen nicht holen." Ermerkte daher mit dem zartesten Wohlwollen gegendieses schöne Kind in Molochs Armen nur so vielüber die seidnen Blumen an: „die Blumen der»Freude werden auch leider meistens aus Sammt,--Eisendraht u»d mit dem Formeisen gemacht.»Cs war nur ein Wunder, daß er höflich genugwar, um den Umstand wegzulassen, daß gerade deritaliänische Adel die italiänische Flora verfertigte.Sie sah aber auf seine Waare und schwieg; undkaufte statt der Blume» eine inuntvo n edgiiln-touv *, die sie nachzubringen ersuchte.

Er überbrachte ihr die Uhr eigenhändig; aberleider eben so eigenhändig — der Leser erschrickt;aber anfangs erschrak er selber und dachte dochden Einfall so oft, bis er ihn genehmigte — hatt'er vorher über den Imperator der Uhr ein zartesStreifchen Papier gepicht, worauf er eigenhändigmit Perlenschrift geschrieben: Itoinv enelin toirom üo smu Vivu, ot 0U0 out tont; moi zo on-cüo coiui cko nur ck0or>80, ot ftai rnisun.

»Ich kenne die Leute schon, dacht' er, sie ma-»chen und ziehen in ihrem Leben keine Uhr auf!»Ei, Sebastian, was wird mein Leser denkenoder deine Leserin?

Sie reifste noch Abends in ihr erheirathetesLand, das künftige Hackbrett ihres Zepters. Un-serm Viktor war beinahe, als hätt' er ihr einandres Herz als das metallene mit dem Zettelmitgegeben, und freute sich auf den Flachsenfin-ger Hof. Vor ihr lief ihr nachgedruckter Bräuti-gam oder seine Sänfte, aus der er ausstieg an

* Bekanntlich eine Damenuhr, wie ein Herz gestaltet, aufdem Rücken mit Sonnenweiser und Magnetnadel versehen.Letzte zeigt den Damen, die die Kälte hassen, im Grundeauch Süden, und der Sonnenweiser taugt zum Mond-weiser.

" R^m verbarg den Namen seines Gottes, aber es hatteUnrecht; ich verberge meiner Göttin ihren, aber ich habeRecht.