Hesperus
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i-ieWand des Schlafzimmers. Da er ihr Gott war,so kann ich ihn oder sein Bild mit den Bildern deralten Götter vergleichen, die auf einem eignenris-ä-ris — tliensn genannt — herumgefahren,oder in einer Porträtbüchse — genannt —oder in einem Bauer — genannt — her-
umgetragen wurden.
Darauf ging Viktor mit seinem Handelkonfulhinter den Kulissen des Benefiztheaters herum.Er schnürte die seidne Demarkazivnlinie und Sperr-kette ab — zog sie in die Höhe wie ein ekles Haar
— befühlte sie — hielt sie erst weit vom Auge —dann nahe an dieses — zerrte sie auseinander, eh'er sagte: „die Kraft stecke wo sie will — es mag»nun eine seikne Schnur politische Körper so„gut wie elektrische isolieren — oder es mag mit„Fürsten wie mit Hühnern sein, die keinen Schritt„weiter setzen, wenn man Kreide nimmt und„damit von ihrem Schnabel herab eine gerade„Linie auf den Boden hinführt — soviel seht ihr„doch, Associe, wenn ein Alexander die Gränz--„steine der Länder verrücken sollte, so wäre ein„solcher Strang dagegen das beste ins Enge ge-wogne Naturrecht und eine dergleichen Barriere-„allianz. „ Er ging in ihr Schlafzimmer zumausgeleerten h. Grabe, d. h. zum Bette der auf-erstandnen Braut, in welches der an der Wandvor Anker liegende Sponsus von seinem Nagel se-hen konnte. Ganze Divisionen von Einfällenmarschierten stumm durch seinen Kopf, den erdamit an ein seidnes Kopfkissen — so groß wieein Hunde- oder ein Seitenkissen eines Wagens
— mit der Wange andrückte. So anliegend undknieend sprach ers halb in die Federn (nicht in dieFeder) hinein: „ich wollt' auf dem andern Kiffen„läg' auch ein Gesicht und sah' in meines — du„lieber Himmel! zwei Menschengesichter einander„gegenüber — sich einander in die Augen ziehend„ — einander die Seufzer belauschend — von ein-„ander die weichen durchsichtigen Worte wegathmend„—dasständen ich und ihr gar nicht aus, Associö!--
— Er sprang auf, patschte sein Hasenlager leisewieder platt und sagte: „bette dich weich um das„schwere Haupt, das auf dich sinkt; erdrücke seine„Träume nicht: verrathe seine Thränen nicht! „
— Wäre sogar der Graf von O mit seiner feinenironischen Miene dazu gekommen: er hätte nichtsdarnach gefragt. Es ist ein Unglück für uns Deut-sche, daß wir allein — indeß dem Engländer schonvom Weltmann seine Hasen -, Bock - und Luft-sprünge für zierliche Rück-, Vor - und Hauptpasangerechnet werden — gar nicht ernsthaft und ge-setzt genug einherschreiten können.
Er lief eines Abends wieder in den Hafen seinesZeidlers ein; und sein schwankendes Herz warfauf die stille blühende Natur um ihn die Anker aus.Der alte Man» hatte unterdeß alle seine alten Pa-piere, Tauf-, Trauscheine und Manualaktenvom Nürnberger Zeidlergericht ic. zusammenge-fahren und sagte: les Er! — Er wollt' es selberwieder hören. Er zeigte auch seinen „Dreifaltig-„keitring" aus Nürnberg, auf welchem stand:
Hier dieser Ring der weift.
Wie drei in Einem heißt
Gott Vater, Sohn und Geift.
Der Bienenvater machte weiter kein Geheimniß
daraus, daß er vorher, als er diesen Ring sichnoch nicht in Nürnberg an einem Gerichttage an-geschafft hatte, die Dreifaltigkeit nicht glauben,können: „jetzt aber müßte einer ein Vieh sein,„wenn ers nicht begriffe.» — Am Morgen vor derAbreise war Viktor in einer doppelten Verlegen-heit, er wollte gern ein Geschenk haben — zwei-tens eines machen. Was er haben wollte, wareine plumpe Stundenuhr —bei einer Ausspielungfür ein Leos ü 20 kr. gewonnen; dieses Werk,dessen dicke Zeigerstange den Lebensfaden des Grei-ses auf dem schmutzigen Zifferblatte in lauter Hun-ten frohen Bienenstunden weggemessen hatte, sollteeins Lorenzo-Dose für ihn sein, ein Amulet, einJgnatius-Blech gegen Saulische Stunden, „Ein„Handwerker,„ sagt' er, „braucht wahrlich nur„wenig Sonne, um zufrieden und warm durchs„Leben zu gehen; aber wir mit unsrer Phantasie„sind oft in der Sonnenseite so schlimm daran, als„in der Wetterseite — der Mensch steht fester auf„Dreck, als auf Aether und Morgenroth.» Erwollte dem glücklichen Lebens-Veteranen als Kauf-schilling für die Stundenuhr und als Preismedaillefür Las Quartier seine Sekundenuhr aufdringen.Lind hatte das Herz nicht, würd' aber roth. End-lich stellte ihm Viktor vor, die Sekundenuhr seieine gute Leuchtkugel zum Dreifaltigkeitringe, einThesesbild dieses Glaubensartikels, denn diedreifältigen machten doch nur Eine Stunde.— Lind tauschte.
Viktor konnte weder der Spötter noch derBunklische Reformator einer solchen irrenden Seelesein, und seine sympathetische Laune ist nichts alsein zweifelnder Seufzer über das menschliche Ge-hirn, das stebenzig Normal jähre hat, undüber Las Leben, das "ein Glaubens - Interim ist,und über die theologischen Doktorringe, die solcheDreifaltigkeitringe sind, und über die theologischenHör- und Sprechsäle, worin lolche Sekundenuhrenzeigen und schlagen.
— Endlich geht er aus Kussewiz um 6 UhrMorgens. Eine sehr schöne Tochter des Grafenvon O kam erst um 7 Uhr zurück: das ist unseraller Glück, er säße sonst noch da.
Der Hundposttag ist aus. Ich weiß nicht, sollich ein Extrablatt machen oder nicht. Der Schalt-tag ist an der Thüre: ich wills also bleiben lassenund nur ein Pseudo-Extrablatt hersetzen, welchessich bekanntlich von einem kanonischen ganz da-durch unterscheidet, daß ichs im apokryphischenLurch keine Ueberschrift merken lasse, sondern nurunter der Hand von der Geschichte wegkomme zulauter Fremdsachen.
Ich nehme meinen historischen Faden wiederauf und befrage den Leser, was hält er von Se-bastians Weiberliebhaberei? Und wie erklärt ersich sie? — Wahrhaft philosophisch versetzt er:„aus Klotilden: sie hat ihn durch ihr Magneti-„sieren mit der ganzen Weiberwelt in Rapport„gesetzt; sie hat an diesen Bienenschwarm geklopft,„nun ist kein Ruhen mehr- — Ein Mann kann„sechs und zwanzig Jahre kalt und seufzerlos in„seinem Bücherstaube sitzen; hat er aber den„Aether der Liebe einmal geathmet: so ist das„eirunde Loch des Herzens auf immer zu und er„muß heraus an die Himmelluft und beständig
Zcan Paul'S Werke. I.
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