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Hesperus.
dessen ab, was seitdem im Dorfe vorgefallen war.In zwanzig Fragen wickelte Viktor die nach Klo-tilden ei», und erfuhr, daß sie bisher alle Tagebeim Pfarrer gewesen war. Das verdroß ihn:„als ob ich, dacht' er, nicht soviel Seelenstärke„hätte, der Liebe eines Freundes zuzusehen —„und auch sonst als ob — " Ueberhaupt meinteer. in einer solchen Ferne sei es ihm mehr erlaubt,an sie zu denken.
Der lesende Häscher war ein Leser unter mei-nem Regiment: das Buch, das er auf seinenDiebö-Heckjagden herumtrug, war die unsicht-bar e Loge *. Viktor ließ sich den ersten Theilvorstrecken: der Büttel stand im zweiten geradean der Pyramide beim ersten Kuß. — Unser Heldtbat immer schnellere Schritts im Lesen und imGehen, und hatte Buch und Weg miteinander zuEnte.
Die Insel stand vor ihm! —
— — Hier auf diesem Eiland, mein Leser,mache Augen und Ohren auf!. . .. Nicht, alsob merkwürdige Dinge erschienen — denn diesewürden sich schon durch halboffne Ohren nnd Au-gensterne drängen — sondern eben weil lauteralltägliche kommen.
Der Lord stand einsam am Ufer der See, dieum die Insel floß — und erwartete und empfing>bn mit einem Ernst, der seine Freundlichkeitüberhülits, und mit einer Rührung, die noch mitseiner gewöhnliche» Kälte rang. Er wollte jetztzur Insel hinüber und Viktor sah doch kein Mitteldes Uebergangs. Es war kein Boot da. Auchwäre keines fortzubringen gewesen, weil eiserneSpitzen unter dem Wasser in solcher Menge undRichtung standen, daß keines gehen konnte. DieSchildwache, die bisher am User die Insel gegendie zerstörende Nengier des Pöbels deckte, warheute entfernt. Der Vater ging mit dem Sohnelangsam um das Ufer und rückte nach und nachsieben und zwanzig Steine, die in gleichen Ent-fernungen auseinander lagen, aus ihrem Lagerheraus. Die Insel war vor der Blindheit desLordb gebauet worden und den Zuschauern nochunverwehrt; aber in derselben hatt'er ihr Inneresdurch unbekannte nächtliche Arbeiter vollenden undverstecken lasten. Unter dem Rundgang um dieInsel sah Viktor ihr Stab- und Frnchtgeländervon hohen Baumstämmen, die ihre Schatten undihre Stimmen in die Insel hineinzurichten schie-nen und deren Laubwerk die bebenden Wellen mitihren zertheilten Sonnen und Sternen bespreng-ten — die Tannen umarmten Bohnenbäume, undum Tannenzapfen gaukelten Purpur-Blüten-lvcken, die Silberpappel bückte sich unter derthronenden Eiche, feurige Büsche von arabischenBohnen loderten tiefer aus Laubvorhängen, ablak-tierte Bäume auf doppelten Stämmen vergittertendem Auge die Eingänge, und neben einer Fichte,die alle Gipfel beherrschte, war eine höhere vvmSturm halb über das Wasser hereingedrückt, diesich über ihrem Grabe wiegte — weiße Säulenhoben in der Mitte der Insel einen griechischenTempel unbeweglich über alle wankende Gipfel
'Die unsichtbare Loge; eine Biographie in rTheilen. 8.
hinaus. — Zuweilen schien ein verirrter Tondurch das grüne Allerheiligste zu laufen — einhohes schwarzes an die Tanuenspitzen reichendesThor sah mit einer weißen Sonnenscheibe bemaltnach Osten und schien zum Menschen zu sagen:gehe durch mich, hier hat nicht nur der Schöpfer,auch dein Bruder gearbeitet! —
Diesem Thore gegenüber lag der 27 ste Stein.Viktors Vater verrückte ihn, nahm einenMagnet heraus, bog sich nieder und hielt dessensüdlichen Pol in die Lücke. Plötzlich fingenMaschinen an zu knarren und die Wellen an zuwirbeln — und aus dem Wasser stieg eine Brückevon Eisen auf. Viktors Seele war von Träumenund Erwartungen überfüllt. Er setzte schauerndhinter seinem Vater den Fuß in die magischeInsel. Hier berührte sein Vater einen dünnenStein mit dem nördlichen Ende des Magnets,und die Eisenbrücke fiel wieder hinunter. Ehe siean das erhöhte Thor hintraten, drehte sich voninnen ein Schlüssel um und sperrte auf, und dieThüre klaffte. Der Lord schwieg. Auf seinemGesicht war eine höhere Svnnenseele aufgegangen
— man kannte ihn nicht mehr — er schien in denGenius dieses zauberischen Eilandes verwandeltzu sein.
Welche Szene! Sobald das Thor geöffnet war,lief durch alle Zweige ein harmonisches Hinüber-und Herübertönen — Lüfte flogen durch das Thorherein und sogen die Laute in sich, und schwammenbebend damit weiter, und ruhten nur auf gebog-nen Blüten aus. — Jeder Schritt machte einengroßen düstern Schauplatz weiter. — Im Schau-platz lagen umher Marmorsiücke, auf welche dieSchmiedekvhle Raphaels Gestalten gerissen hatte,eingesunkne Sphinxe, Landkartenfteine, woraufdie dunkle Natur kleine Ruinen und ertreteneStädte geätzet hatte, — und tiefe Oeffuungen inder Erde, die nicht sowohl Gräber als Formen zuGlocken waren, die darin gegossen werden — drei-ßig giftvoile Eibenbäums standen von Rosen um-flochten, gleichsam als wären sie Zeichen der drei-ßig wüthend-leitenschaftlichen Jahre des Menschen
— drei und zwanzig Trauerbirken waren zu einem
niedrigen Gebüsch zusammengebogen und in ein-ander gedrückt —in das Gebüsch liefen alle Steigeder Insel — hinter dem Gebüsch verfinstertenneunfache Flöre in verschlungenen Wallungen denBlick »ach dem hohen Tempel — durch die Flörefliegen fünf Gewitterableiter in den Himmel auf,und ein Regenbogen aus zweien in einander ge-krümmten aufspringenden Waffersiralen schwebteflimmernd am Gezweige, und immer wölbten sichdie zwei Stralen herauf, und immer zersplittertensie einander oben in der Berührung.-
Als Horivn seinen Sohn, dessen Herz von lau-ter unsichtbaren Händen gefastet, erschreckt, ge-drückt, entzündet, erkältet wurde, in das niedrigeBirkengebüsch hineinzog: so begann die lallendeTvdtenzunge eines Orgeltremulanten, durch dieöde Stille den Seufzer des Menschen anzureden,und der wankende Ton wand sich zu tief in einweiches Herz. — Da standen beide an einem vomGebüsche dunkel überbaueten Grabe — auf demGrabe lag ein schwarzer Marmor, auf dem einüberschleiertes blutloses weißes Herz und die blei-