Hesperus
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chen Worte standen : es ruht. "Hier wurde,»sagte der Lord, "wein zweites Auge blind : M a>-wy'L * Sarg steht in diesem Grabe; als„dieser aus England ankam in der Insel, ent-zündete stch das kranke Auge zu sehr, und sah"Niemals wieder." — Nie schauderte Viktor so:nie sah er auf einem Gesicht eine solche chaotischewechselnde Welt von fliehenden, kommenden,kämpfenden, vergehenden Empfindungen; Niestarrte ein solches Eis der Stirne und Augen überkrampfhafte,? Lippen — und ein Vater sah so aus,und ein Sohn empfand es nach.
"Ich bin unglücklich" sagte langsam sein Vater;eine beißende bittere Thräne brannte am Aug-apfel; er stockte ein wenig, und stellte die fünfoffnen Finger auf sein Herz, als wollt' ers ergrei-fen und herausziehen, und blickte auf das steinerneblasse, als wollt' er sagen : warum ruht meinesnicht auch? — Der gute sterbende Viktor, zermal-met von liebende»? Jammer, zerrinnend in Mit-leid, wollte an den theuern verheerten Busenfallen und wollte mehr als den Seufzer sagen: "v„Gott, mein guter Vater!" Aber der Lord hieltihn sanft von sich ab, und die Gattenzähre wurdeunvergessen von? Auge zerquetscht. Der Lord fingwieder an, aber kälter : „glaube nicht, daß ich be-.,sonders gerührt bin — glaube nicht, daß ich eine„Freude begehre, oder einen Schmerz verwünscheich lebe nun ohne Hoffnung und sterbe nun„ohne Hoffnung."
Seine Stimme kam schneidend über Eisfelderher, sein Blick war scharf durch Frost.
Er fuhr fort : „Wenn ich sieben Menschen„vielleicht glücklich gemacht habe, so muß aufmei-„n e n schwarzen Marmor geschrieben werten : es„r nht. . . Warum wunderst du dich so? Bist„du jetzt scbvn ruhig?"—Der Vater sah starrauf das weiße Herz, und starrer gerad auS, alswem? eine Gestalt sich aufhöbe auS den? Grabe —das frierende Auge legte und drehte sich auf eineaufdringende Thräne — schnell zog er einen Florvon einem Spiegel zurück und sagte : „Blicke„hinein, aber umarme mich darauf!" . .. Viktorstarrte in den Spiegel und sah schaudernd einewig geliebtes Angesicht darin erscheinen — dasAngesicht seines Lehrers Da höre — er bebtewohl zusammen, aber er sah sich doch nicht um,und umfaßte den Vater, der ohne Hoffnungwar.
-Du zitterst viel zu stark, (sagte der Lord) aber--frage mich nicht, mein Theurer, warum alles so"ist: in gewissen Jahren thut man die alte Brust"Nicht mehr auf; so voll ste auch sei."
Ach du dauerst mich! Denn d i e Wunden, dieaufgedeckt werden können, sind nicht tief; derSchmerz, den ein menschenfreundliches Auge fin-den, eine weiche Hand lindern kann, ist nur klein.— Aber der Gram, den der Freund nicht sehendarf, weil er ihn nicht nehmen kann, dieserGram, der zuweilen ins beglückte Auge in Gestalteines plötzlichen Tropfens aufsteigt, den das weg-gewandte Angesicht vertilgt, hängt überdeckt schwe-rer und schwerer am Herzen, und zieht es endlich
* So dieß die Gemahlin des Lords, die im azsien Jahreder Ruhe in die ewigen Arme fiel.
los und fällt mit ihm unter die heilende Erdehinab: so werden die Cisenkugeln an den überdem Meer gestorbnen Menschen angeknüpftund sie sinken mit ihm schneller in sein gro-ßes Grab.-
Er fuhr fort: »ich werde dir etwas sagen; aber»schwöre hier auf dieser theuern Asche, zu schwei-"gen. ES betrifft Leinen Flamin, und diesemmußt du es verhehlen." Das fiel dem von einerWelle auf die andre gestürzten Viktor auf. Ererinnerte sich, daß ihm Flamin das Versprechenauf der Warte abgedrungen, daß sie mit einander,wenn ste sich zu sehr beleidigt hätten, sterben woll-ten. Er stand mit dem Schwur an — endlichsagt'er: »aber kurz vor meinem Tode darf ichs»ihm sagen?" — Kannst du ihn wissen? sagtesein Vater. — "Aber im Fall?" —- Dann! sagtejener kalt. —
Viktor schwur; und zitterte vor dem künftigenInhalt des Eides.
Auch mußt' er versprechen, vor der Wiederkehrdes Lords diese dunkle Insel nicht zu besuchen.
Sie traten aus dem Laub - Mausoleum, undließen stch auf eine umgestürzte Stalaktite nieder.Zuweilen fiel unter dem Reden ein fremder Har-mvnikatvn von Blatt zu Blatt, und in einerweiten Ferne schienen die vier Paradieses-Flüsseunter einem mitbebenden Zephyr hinweg zu hal-len.
Der Vater begann: „Flamin ist Klotildens"Bruder und des Fürsten Sohn." — —
Nur ein solcher Gedankenblitz konnte noch inViktors geblendete Seele dringen: eine neueWelt ging in ihm jetzt in die Höhe, und riß ihnauS der nahen großen weg. —
„Auch (fuhr Horien fort) leben Januars drei-andere Kinder in England noch, blos Las vierte-auf den sieben Inseln ist unsichtbar." Viktorbegriff nichts: der Lord riß der Vergangenheitalle Schleier ab, und führte ihn vor eins neueAuSsicht ins nahe Leben und ins verflossene. Ichwerde nachher alle Entdeckungen und Geheimnissedes Lords dem Leser geben: jetzt will ich erst denAbschied des Vaters und des Sohns erzählen.
Während der Lord seinen Sohn in die düsternunterirdischen Gänge der vorigen Zeit begleitete,und ihm alles sagte, was er der Welt verschwieg:so gingen aus Viktors Allgen Thränen übermanche Geringfügigkeit, die keine verdienenkonnte; aber der Strom dieser weichen Augenwurde nicht durch diese Erzählung, sondern durchdas zurückkehrende Andenken an den unglücklichenVater und Lurch die Nähe der bedeckten schönenAschengestalt und des Trauermarmors aus demlortweinenden Herzen gedrückt. — Endlich hörte»alle Töne der Insel auf — das schwarze Thorschien zuzufallen — alles war still — der Lordwar mit der Enthüllung und allem zu Ende undsagte: geh' immer heute noch nach Maienthal—-und sei vorsichtig und glücklich!" — Aber ob ergleich den Abschied mit jener zurückhaltendenFeinheit nahm, die in seinem Stande sogar El-tern und Kindern die Hände und die Arme führt:so drückte doch Viktor den kindlichen von Seuf-zern und Gefühlen schwängern Busen an denväterlichen mit einer Heftigkeit, als wollt' er sein