Band 
I.
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Hesperus

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schließen: Stelle keinem, sobald deine Brust den Sei-tenstich des Zorns befürchten muß, beredt seine Feh-ler vor; denn indem du ihn von seiner Sträflichkeilüberreden willst , so überredest du dich selber davonund wirst also erboßt. — Male dir an jedemMorgen die ungefähren Lagen und Leidenschaftenvor, worin du am Tage kommen kannst: du be-trägst dich dann besser, denn man ist selten ineiner wiederholten Lage znm zweitenmal schlecht.—Zürnet dein Freund mit dir: so verschaff' ihmeine Gelegenheit, dir einen großen Gefallen zuerweisen; darüber muß sein Herz zerfließen, under wird dich wieder lieben. — Keine Entschlüssesind groß als die, welche man mehr als einmalauszuführen hat. Daher ist Unterlassen schwe-rer alsUnternehmen; denn j en es muß län-ger fortgesetzt werden, und dieses ist noch mitdem Gefühle einer doppelten Kraftäußernng ver-knüpft, einer psychologischen und einer moralischen.— Verzage nur nicht, wenn du einmal fehlest:und deine ganze Rene sei eine schönere That. —Mache dich (durch Stoizismus oder womit dukannst) nur ruhig, dann hast tu wenig Mühe,dich auch tugendhaft zu machen. — Fange deineHerzausbildung nicht mit dein Anbau der edlenTriebe, sondern mit dem Ausschneiden der schlech-ten an. Ist einmal das Unkraut verwelkt oderausgezogen: dann richtet sich der edlere Blumen-flor von selber kräftig in die Hohe. — Das tugend-hafte Herz wird, wie der Körper, mehr durch Ar-beit als durch gute Nahrung gesund und stark.Daher kann ich aufhören.

13. Hundposttag.

Ueber des Ler-s Charakter — ein Äbend aus Eden— Maicnthai — der Ucrq und Emanuel.

Ueber den Lord muß ich drei Worte sagen, näm-lich drei Meinungen.

Die erste ist ganz unwahrscheinlich: er hält nachihr, wie allecWelt- und Geschäftmänner, das Men-schengeschlecht für einen Apparat zu Versuchen,für Jagdzeug, für Krieggeräthe, für Strickzeug— diese Menschen sehen den Himmel nur für dieKlaviatur der Erde , und die Seele für die Or-dvnanz des Körpers an — sie führen Kriege, nichtum die Kränze der Eichen, sondern um ihrenBoden und ihre Eicheln zu erbeuten — sie ziehenden Glücklichen dem Verdienstvollen vor undden Erfolg der Absicht — sie brechen Eide undHerzen, .um dem Staate zu dienen — sie achtenDichtkunst, Philosophie und Religion, aber alsMittel; sie achten Reichthum, statistischen Landes-flor und Gesundheit, aber als Zwecke — sie ehrenin der reinen Wathesis und in reiner Weibertu-gend nur beider Verwandlung in unreine fürFabriken und Armeen, in der erhabnen Astrono-mie nur die Verwandlung der Sonnen in Schritt-zähler und Wegweiser für Pfefferflotten, und im

erhabensten wnglstot-IvMns nur den anködern-den Bierkranz für arme Universitäten.-

Die zweite Meinung ist wenigstens der erstenentgegen und besser: dem Lord ist, wie anderngroßen Menschen, die Laufbahn das Ziel, und dieSchritte sind ihm die Kränze — Glück unterschei-det sich bei ihm von Unglück nicht im Werthe,sondern in der Art; ihm sind beide zwei zusam-menlaufende Rennbahnen zum Ewigkeitringe derinnern Erhebung — alle Zufälle dieses Lebenssind ihm bloße Rechenexempel in u »benanntenZahlen, die er durchmacht aber nicht als Kauf-mann, sondern als Jndifferenzialist und Algebraist,welchem die Produkte und die Multiplikandengleich lieb sind, und dem es einerlei ist, mit Buch-staben oder mit Zentnern zu rechnen.

Wahrhaftig, der Mensch hat sich fast eben soviel vorzuwerfen, wenn er mißvergnügt, als wenner lasterhaft ist; und da es auf seinen Gedanken-ozean ankömmt, ob er aus ihm die unterste Hölleoder ein Arkadien - Otaheiti als Insel heben will;so verdient er alles, was er erschafft....

Gleichwohl ist die dritte Meinung die wahre, undzugleich die meinige: der Lord, so sehr er ein in-deklinabler Mensch zu sein scheint, der nach nichtsgeht, sondern ein Verbum in ist, hat Lochfolgendes Paradigma: (und so liegt umgekehrtim gewöhnlichsten Menschen der kurze Abriß zumsonderbarsten) — er ist einer der unglücklichenGroßen, die zu viel Genie, zu viel Reichthumund zu wenig Ruhe und Kenntnisse haben, umglücklich zu bleiben — sie hetzen Freude statt derTngend und verfehlen beide, und schreien zuletztüber jeden bittern Tropfen, der ihnen in einemZuckerhut eingegeben wird —gleich der Silber-fläche sind sie gerade in der Zerschmelzung durchFreudenfeuer am geneigtesten, sich mit einer dun-keln Haut zu überziehen — ihr Ehrzeiz, der sonstLurch Plane die Leerheit des vornehmen Lebensbedeckt, ist nicht stark genug gegen ihr Herz, dasin dieser Leerheit verwelkt — sie thu» Gutes ausStolz, aber ohne Liebe dazu; sie spielen mit demausgekernten. Leben wie mit einer Locke, und hal-ten es nicht einmal der Mühe werth, es abzukür-zen — aber doch halten sie es dieser Mühe werth,wenn ihnen, indeß sie in diesem Nachtfrost derSeele dastehen, außen lächelnd und kalt, innenüberglüht, ohne Hoffnung, ohne Furcht, ohneGlauben, entsagend, spielend und zugeschlossen,wenn ihnen ein Todesfall, ein großer Schmerz

ins unglückliche Herz greift.-Ach armer Lord!

kann denn deines nicht eher als unter der Deckedes schwarzen Marmors ruhen?

Ach armer Lord! wiederholte unaufhörlich seinSohn, der nach Maienthal mit einer gepreßtenSeele ging. Außen um ihn war der Himmelstill; ein großes Gewölk überdeckte ihn ganz, aberes stand ringsum auf einem blauen Saum amHorizont. Hingegen in Viktors Brust zogenLuftsiröme gegen einander und wirbelten sich zueiner Windhose zusammen, die Bäche auftrinktund Bäume aufzieht. Sein Vater hing bleich indiesem Sturm. Viktors künftige Tage wurden hinund her geschleudert. — Sein künftiges Lebendrängte sich in ein enges überflortes Bild zusam-men , und machte ihn eben so ängstlich darüber,

es

Jean Paul's Werke I.