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Vierter Schalttag,
und
Borrede zum zweiten Heftlein.
Ich will Schalttag und Vorrede zusammenschwei-ße». Es muß daher — wenns nicht Spielerei mitder Vorrede sein soll — hier doch einigermaßender zweite Theil berührt werden. Es verdientvon Kunstrichtern bemerkt zu werden, daß einAutor, der anfangs acht weiße Papierseiten zuseinem Gebiete vor sich hat — so wie nach Strabodas Territorium Roms acht Stunden groß war —nach und nach so weit fortrückt und das durch-streifte Papier mit so viel griechischen Kolonisten
— denn das sind unsere deutschen Buchstaben —bevölkert. bis er oft ein ganzes Alphabet durch-zogen und angebauet hat. Dies setzt ihn in Stand,den zweiten Theil anzufangen. Mein zweiter ist,wie ich gewiß weiß, viel besser als der erste, wie-wohl er doch zehnmal schlechter ist als der dritte.Ich werde hinlänglich belohnt sein, wenn meinWerk der Anlaß ist, daß eine Rezension mehr inder Welt gemacht wird; und ich wüßte nichts, —wennS nicht eben dieser Gedanke wäre, daß Bü-cher geschrieben werden müssen, damit die gelehr-ten Anzeigen derselben fortdauern können, waseinen Autor zur unsäglichen Mühe antreibenkonnte, den ganzen Tag am Dintenfaß zu stehenund ganze Pfunde Konzepthadern in Berliner-blau zu färben. .. Und dieser kühle ernste Irocuspoeus von Vorrede — ein Ausdruck, den Tillot-son für eine Verkürzung von der katholischenFormel: live est evvpus, hält — sei für guteRezensenten auf Universitäten genug.
Ich wende mich wieder zu dem, was ich eigent-lich damit haben wollte. Ich bin nämlich geson-nen , die Ertrablättchen und Nebenschößlinge, wo-mit die Schalttage vollzumachen sind, in alphabe-tischer Ordnung — weil Unordnung mein Tod ist
— nicht nur anzukündigen, sondern auch hier schonanzufangen und fortzusetzen bis zum Buchstaben Z.
Schalt- und Nebenschößlinge alphabetischgeordnet.
A.
Alter der Weiber. Lombardus (S-. a.Sent.üwt. st.) und der h. Augustin st. 22 ckc civil. c. 15.)erweisen, daß wir alle in dem Alter von denTodten auferstehen, worin Christus auferstand,nämlich im Z2sten Jahre und dritten Monat.Mithin wird, da im ganzen Himmel kein Vier-ziger zu haben ist, ein Kind so alt sein wie Ne-stor, nämlich 32 Jahre und drei Monate. Werdas weiß, schätzet die schöne Bescheidenheit derWeiber hoch, die sich nach dem 3osten Jahre wieReliquien für älter ausgeben, als sie sind; dennes wäre genug, wenn sich eine Vierzigerin, Acht-uudvierzigerin so alt machte wie guter Rheinwein,oder höchstens wie Methusalem; aber sie glaubtbescheidner zu sein, wenn sie sich, so sehr ihr Geficht auch widerspricht, schon das hohe Alter zu-
erus.
schreibt, das sie erst, wenn ihr Gesicht einigetausend Jahre in der Erde gelegen ist, haben kann,nämlich — 32 Jahre und drei Monate. Schonein Dummer sieht ein. daß sie nur das Aufer-steh-und kein Erdenalter meine, weil sievon diesemStandjahre nicht wegrückt, welches eben in derEwigkeit, wo kein Mensch eine Stunde älter wer-den kann, etwas Alltägliches ist. Diese Einheitder Zeit bringen sie in das Intriguenstückihres Lebens darum schon im dreißigsten Jahrhinein, weil nach diesem in Paris keine Fraumehr öffentlich tanzen und (nach Helvetius)kein Genie mehr meisterhaft schreiben kau».Auf das letzte rechnete man vielleicht sonst inJerusalem, wo jeder erstnach dem dreißigsten Jahrein Lehramt bekam.
B.
Basedowische Schulen. Basedow schlägtin seiner Philalethie vor, dreißig unerzogene Kin-der in einen Garten einzuzäunen, sie ihrer eignenEntwickelung zu überlassen, und ihnen nnr stummeDiener, die nicht einmal Meuschen-Kleidung hät-ten, zuzugeben, und es dann zu Protokoll zu brin-gen, was dabei herauskäme. Die Philosophensehen vor lauter Möglichkeit die Wirklichkeit nicht:sonst hätte Basedow bemerken müssen, daß unsreLandschulen solche Gärten sind, in denen die Phi-losophie den Versuch machen will, was aus Men-schen, wenn sie durchaus alle Bildung entbehren,am Ende werde. Ich gesteh' aber, daß alle dieseVersuche noch so lange unsicher und unvollkommenbleiben, als die Schulmeister sich nicht enthaltenkönnen, diesen Probekindern irgend einen Unter-richt — und wär' eS der kleinste — zu ertheilen;und besser würde gefahren mit ganz stummenSchulleuten, wie es taubstumme Zöglinge gibt.
C. siehe K.
D.
Dichter. Der Dichter wird, ob er gleich Lei-denschaften malt, doch kiese am bestem in dem Al-ter treffen, wo seine kleiner sind, so wie Brenn-spiegel gerade in den Sommern, wo die Sonneam wenigsten brannte, am stärkste» wirkten und inden heißen am wenigsten. Die Blumen der Poesiegleichen andern Blumen, die (nach Jngcnhouß)im gedämpften benebelten Sonnenlicht am bestenwachsen.
E.
Empfindsamkeit. Sie gibt oft dem in-nern Menschen, wie der Schlagsluß dem äußern,größere Empfindlichkeit und doch Läh-in n n g.
F. siehe Ph.
G.
Göttin. Wie die Römer ihre Monarchenlieber für Götter als für Herren erkannten, sowollen die Männer die Directrice ihres Herzenslieber ihre Göttin als ihre Herrin nenne»,' weil es leichter ist anzubeten, als zu gehorchen.