Band 
I.
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H esperus.

ansäßig, weil der die «onneui'8 des Thrones ma-chen mußte, die Gesandten, die Fremden ein-lud u. s. w. Die Fürstin wohnte im großen al-ten Schloß, das Paullinum genannt. So verlebtealso Jenner seine Tage ohne Prunk, aber be-quem, in der wahren Einsamkeit eines Weisen,und brachte ste mit Essen, Trinken, Schlafen zu;daher konnte ihn der flachsenfingische Prorektorohne Schmeichelei mit den größten allen Römernvergleichen, an denen wir einen ähnlichen HaßLeS Gepränges bewundern. Jenner hatte imGrunde keinen Hof, sondern ging selber an denHof seines wirklichen Ministers; aber höchst un-gern: er konnte da nichts lieben, weder die Für-stin , die immer da war, noch Schleimes ehelvseTöchter, die noch wider sein Londoner Gelübdewaren.

Nachts nm zwölf Uhr hätte Zeusel gern nochdarhinter kommen wollen, wie alles sei, undbrachte dem Leibmedikus seine Nichte Marie alsLakaiin zugeführt. Der Medikus, der keinenNarren in der Welt zum Narren haben konnte,zumal unter vier Augen, steckte kein dünnenHecht die Raufe voll Wahrheitfutter, das dieserbegierig herausfraß, wie Ananas. Marie wareine Lurch einen Prozeß verarmte, durch eineLiebe verunglückte Verwandte und Katholikin, diein der kalten höfischen Apothekers-Familie nichtsempfing und erwartete, als Stichwunden derWorte und Schußwunden der Blicke — ihreaufgelöste und erquetschte Seele glich der Bruch-weide, der man alle Zweige rückwärts mitder bloßen Hand Herunterstreichen kann — siefühlte bei keiner Demüthigung einen Schmerzmehr — sie schien vor andern zu kriechen, abersie lag ja immerfort niedergebreitet auf demBoden. Als der sanfte Viktor diese demüthige,seitwärtsgekehrte Gestalt, über die so viele Thrä-nen gegangen waren, und dieses sonst schöne Ge-sicht erblickte, auf welches nicht Leiden der Phan-tasie ihre reizenden Malerdrucke aufgetragen, son-dern physische Schniefen ihre Giftblasen ausge-schüttet hatten: so that seinem Herzen das Schick-sal der Menschen wehe, und mit der sanftestenHöflichkeit gegen Mariens Stand, Geschlecht undJammer lehnte er ihre Dienste ab. Der Apothekerwürde sich selber verachtet haben, wenn er LieseHöflichkeit für etwas anders als feine Raillerieund Lebensart genommen hätte. Aber Viktorschlug sie »och einmal aus; und die Arme ent-fernte sich stumm und, wie eine Magd, ohneMuth zur Höflichkeit.

Am Morgen brachte ihm die Ausgeschlagenedoch sein Frühstück mit gesenkten Augen undschmerzlich lächelnden Lippen; er hatt' es in sei-nem Bette gehört, daß der Apotheker und seineharten Hvlztriebe von Töchtern Marien das»lamentable greinerliche Air» vorgehalten unddaraus den »rekus des raillierenden» Herrn obengefolgert hatte». Ihm blutete die Seele; und ernahm Marien endlich an — er machte sein Augeund seine Stimme so sanft und mitleidend, daßer beide dem weichsten Mädchen hätte leihen kön-nen ; aber Marie bezog nichts auf sich. — —

Jenner konnte kaum abpassen, wann er wieder-käme. —

Den dritte» Tag wars wieder so <-

So auch die andere Woche-

—Ich wünschte aber, meine Leser wären umdiese Zeit durchs Flachsenfingische Thor sämmtlichgeritten und diese gelehrte Gesellschaft hätte sichin die Stakt zerstreuet, »m Erkundigungen vonunserem Helden einzuziehen. Der Lesevortrab,den ich auf die Kaffeehäuser geschickt hätte, würdeerfahren, daß der neue englische Doktor schon denalten gestürzt — dem Pfarrsohn in St. Lünezum Regierrathposlen verhelfen — und daßgroße Aenderungen in allen Departements bevor-stehen. DaS unter die Hof- Kellerei - , Schlächte-rei-, Fischmeisterei-, Kastellanei- und Dienereivertheilte Treffen würde mir mitbringen, daß derFürst dem Doktor nicht auf die Finger, sondernauf die Achsel geklopfet — daß er ihm vorgesternsein Bilderkabinet eigenhändig gezeigt und dasbeste Stück daraus geschenkt — daß er in der Ko-mödie mit ihm aus der Hauptloge herausgesehen— Laß er ihm eine steinreiche Dose geschenkt (diegewöhnliche Regenten-Bürgerkrvne und derenFriedenpfeife, als wenn wir Grönländer wären,die sich nichts lieber schenken lassen als Schnupf-taback) und daß sie mit einander auf Reisen gehenwerden. — Zwei der allerfeinsten und stiftfähig-steu Leser, die ich aus diesen Kolonnen ausge-schloiien, und wovon ich den einen ins Paullinuman die Fürstin, den andern zum wirklichen Mini-ster abgefertigt hätte, würden mir wenigstens dieNeuigkeit rapportieren, daß Fürst und Doktormiteinander bei beiden gewesen, und daß beideden Helden für einen sonderbaren scheuenschweigenden Britten, der alles dem Vater

verdanke, angesehen hätten-

Aber die letzte Neuigkeit, die mir die Leser er-zählt haben, können sie ja unmöglich wissen, undich will sie ihnen selber erzählen.

Eh' ich das vortrage, klär' ichs nur noch mitdrei Worten auf, warum Viktor so hurtig stieg.Es kann Evangelisten Matthieu unter meinenLesern geben, die dieses schnelle Steigen wie dasdes Barometers für das Zeichen eines frühen Fal-lens nehmen — welche sagen, Lorbeers und Sa-lat, den man in vier und zwanzig Stunden durchSpiritus auf einem Tuche zum Reifen nöthigt,welken eben sobald wieder ab — ja die sogar spa-ßen und das fürstliche Gedärm mit seinem Aekberfür eine Fisch-Schwimmblase meines Helden ausge-ben, der nur durch ihr Füllen stieg.-Berg-

halixtmänner lachen solche Leser aus und halte»ihnen vor: daß die Menschen, besonders die Re-sidenten auf Thronen einen neuen Arzt für einneues Spezifikum ansehen — daß sie einem neuenam meisten gehorchen — daß Sebastian Las erste-mal sich gegen jeden am feinsten betrug, hingegenbei alten Bekannten ohne Noth nichts Witzigessagte — daß Jenner jeden liebte, den er zu durch-schauen vermochte, und daß er glücklicherweisemeinen Helden blos für einen heiteren Lebelusti-gen erkannte und nm seinen Kopf keine BosischeBsatifikazion * bemerkte, die nach Phosphorstinkt und schmerzliche Funken auswirft — daß

» So dorret der Schimmer um den Kopf, wenn man clck-triä.rt ist.