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dreimal gestrichnen Ton drehte blos die Ministe-rin, die alle Wissenschaften im Kopfs und zwarauf der Zunge hatte, und deswegen wöchentlichein bm-«uu (l/esprit hielt. In tiefer lächerli-chen Verfassung verspielte Sebastian seinen Abendund verfchlnckte sein Souper: er konnte gut er-zählen, aber er hatte nichts zu erzählen — in denwenigen tlvutoo, die ihm beiwohnten, war allesnamenlos, und dem Zirkel um ihn waren geradedie Namen das erste — seine Laune konnt' erauch nicht gebrauchen, weil so eine wie die seinigeden Inhaber selber in ein sanftes komisches Lichtstellet, und weil sie also nur unter gute» Freun-den, deren Achtung man nicht verlieren kann,aber nicht unter bösen Freunden, deren Achtungman ertrotzen muß, in ihren SokknS und Nar-renkragen fahren darf — er genoß nicht einmalLas Glück, innerlich alle auszulachen, weil erkeine Zeit dazu hatte, und weil er die Leutenicht eher lächerlich fand, als hinter ihrem Rü-cken. —
Verdammt übel war er dran — „ich komm'euch sobald nicht wieder" dachte er — und alsder Mond durch die zwei langen Glasthüren desBalkons, der auf den Garten hinaussah, mitseinem träumerischen Lichte einging. Las draußenauf stillere Wohnungen, schönere Aussichten undruhigere Herze» fiel: so schlich er (da seine Spiel-Maskopeigesellschrft durch den Fürsten nach demEssen zertrennt war) auf den Balkon hinaus,und die auf der Erde und am Himmel blinkendeNacht erhob seine Brust durch größere Szenen.Mit welcher Liebe dachte er da an seinen Vater,dessen philosophische Kälte dem Jennerschneegleich war, der die Saat gegen Frost bedeckt, in-deß die höfische dem Märzschnee ähnlicht, der dieKeime zerfrißet! Wie sehr warf er sich jeden un-zufriedenen Gedanken gegen seines rechtschaffenenZlamins kleinen Mangel an Feinheit vor! O wierichtete sich sein innerer Mensch wie ein gefalle-ner und begnadigter Engel auf, da er sich Ema-nuel an der Hand Klotildens dachte, der ihn seligfragte: --wo fandest du heute ein Ebenbild vonmeiner Freundin?" — Jetzo sehnte er sich unaits-sprechlich in sein St. Linie zurück. . . .
Seine steigenden Herzschläge hielt auf einmalJoachime an, die mit einem ins Zimmer ge-richteten Gelächter herauskam. Da eS ihr schwersiel, nur eine Stunde zu sitzen, (mich wundert,wie sie eine ganze Nacht im Bette blieb) so machtesie sich, so oft sie konnte, vom Stangengebiß desSpieles los. Die Fürstin band sie dasmal ab,die wegen ihrer kranken Augen diese Nachtar-beist der Großen aussetzte. Joachime war keineKlotilde, aber sie hatte doch zwei Augen wie zweiRosensieine geschliffen — zwei Lippen wie gemalt— zwei Hände wie gegossen und überhauptalle G.liederdoubletten recht hübsch .... Und da-mit hält ein Hofarzt schon Haus, wenn auch dieeinfachen Exemplare (Herz, Kopf, Nase, Stirn)keiner Klotilde zugehören. Da er nun unter demgroßen Himmel seinen Muth und auf dem Bal-kon, der für ihn allemal ein Sprachzimmer war,seine Zunge wieder bekam — da Joachimens Tonihn wieder in seinen zurückstimmte — da sie dasSchweigen der Britten antastete und er die Aus-
nahmen vertheidigte da er jetzt am Faden derRede sich wie eine Spinne hinauf- und hinab-lassen konnte und nicht mehr zu stören war durchdie Fürstin, die nachgekommen war, um die ent-zündeten Augen in der Nacht abzukühlen — undda man nur dann klagt, Langweile zu empfinden,wenn man blos selber eine macht — und da ichalles dieses hersetze, so thu' ich (glaub' ich) einemRezensenten genug, der hinter dem Kutschkasiertdes Fürsten steht und nachsinnt, und wissen will,woran er sich (außer den Lakaienriemen) zu hal-ten habe, wenn unter ihm Viktor im Wagenwährend des HeimfahrenS des Ministers Hansnicht zum Teufel wünscht, sondern zufriednerdenkt: meinetwegen! — Dem Fürsten schlug derUmgang Viktors so gut zu, daß er sich vorstellte,er könne ihn so wenig wie ein Stiftfräulein dasOrdenzeichen außer Hause von Leibe thun. Erstürzte allezeit den Ordenkclch und Willkommendes warmen Sprudels einer neue» Freundschaftso unmäßig hinein, wie ein Gast in Karlsbad denseinen. Wenn er Langweile hatte, wurde derMedikus ersucht, zu kommen, damit sie wiche;wenn er innern Jubel spürte, wurde jener wiederangefleht, zu erscheinen, damit er den Jubel mit-genösse. Nur die Zeit, wo Jenner weder Lang-weile noch das Gegentheil empfand, blieb seinemFreunde ganz zu freier Verwendung. Viktorhatte vorher geschworen, leicht abzuschlagen undauf die Leute losgezogen, die bewilligten; jetztsagt' er aber: --der Teufel sage Rein! Es komm'
--nur ein Mensch erst in die Lage-Und so
mußte der arme Viktor lauter leere Kreise vollSchwindel im Hofzirkel des Thrones beschreiben,unter Menschen, für deren Ton er leichter einOhr als eine Zunge hatte, und die er errathenund doch nicht gewinnen konnte.
Ein Jüngling, in dessen Brust die Rachtsiückevon Maienthal und St. Lüne hängen — odereiner, der aus einem Baddörfchen anlangt —oder einer, der vor hat sich zu verlieben — odereiner, der in großen Städten oder in ihren gro-ßen Zirkeln ein müßiger Zuschauer sein muß,jeder von diesen ist schon für sich auch ein miß-vergnügter darin, und stößet in seine kritischePfeife so lange gegen die spielende Gesellschaft,bis sie ihn selber — anwirbt. Kommen aberalle diese Ursachen gar in einem einzigen Men-schen zusammen: so weiß er gegen seine Gallen-blase keinen Rath und keinen Gallengang, als daßer feines Papier nimmt und an die Eymannischenin St. Lüne einen verdammt spöttischen Briefüber das Gesehene abläßt.
Mein Held ließ folgenden an den Pfarrerab:
--Mein lieber Herr Adoptiv-Vater!
— Ich hatte bisher nicht so viel Zeit übrig,um die Augen aufzuheben, und zu sehen, was wirfür einen Mond haben. Wahrhaftig, einen«Hofe fehlts zur Tugend schon — an Zeit. DerFürst führt mich überall wie ein Riechfläfchchenbei sich und zeigt feinen närrischen Doktor vor.Mich werden sie bald nicht ausstehen können,nicht weil ich etwan etwas tauge — ich bin viel-mehr fest versichert, sie ertrügen den tugendhafte-