Hesperus
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den Jägermeistern zu danken, deren weiches Herzden fürstlichen Befehl des WildschießenS eben sowenig hätte vollziehen können, wie die ägyptische»Wehmütter den, die Judenknaben todtzumachen.Ja der Sportelbote ließ steh in einer Kneipschenksgelbe Dinte und schwarzes Papier hingeben, undsetzte da, während der Schieferdecker auf demDache trommelte, um Schiefer zugelangt zu be-kommen, und die Gäste an dieKrüge schlugen, umeingeschenkt zu kriegen, und der Wirthbube aufeinem Bierheber zum Fenster hineintrompetete,unter diesem babylonischen Lärm setzte der Spor-tulnbote eine der besten Bittschriften auf, welchedie edle Jägerschaft noch je an den Fürsten abge-lassen.
Schlechte Nclazion aus dcr Bittschrift derOberjägermeisterei.
»Da das Wild nicht lesen und schreiben könnte:so sei eS die Pflicht der Jägermeisterei, die eSkönnte, für dasselbe zu schreiben, und nach Gewis-sen einzuberichten, daß alles'Flachsenfingische Wildunter dem Drucke des Bauers schmachte, sowohlRoth - als Schwarzwiltpret. Einem Oberförsterblute das Herz, wenn er Nachts draußen stehe, undsehe, wie das Landvolk aus unglaublicher Mißgunstgegen das Hirschvieh die ganze Nacht in der größ-ten Kälte neben den Feldern Lärm und Feuermachte, pfiffe, sänge, schösse, damit das arme Wildnichts fräße. Solchen harten Herzen sei es nichtgegeben, zu bedenken, daß, wenn man um ihreKartoffeltische (wie sie um ihre Kartoffelfelder)eben solche Schützen und Pfeiler lagerte, die ihnenjede Kartoffel vom Munde wegschössen, daß siedann mager werden müßten. Daher sei eben dasWild so hager, weil es sich erst langsam daran ge-wöhne, wie Regimentpferde, den Hafer von einergerührten Trommel zu fressen. Die Hirsche müß-ten oft meilenweit gehen — wie einer, der in Pa-ris sein Frühstück aus Aubergen zusammenhole, —um in ein Krautfeld, Las keine solche Küsienbe-wahrer und Widerparte des Wilds umstellen, end-lich einzulaufen, und sich da recht satt zu fressen.Die Hundjungen sagten daher mit Recht, sie zer-träten in Einer Parforcejagd mehr Gelraid e, alsdas Wild die ganze Woche abzufressen bekomme.— Dieses und nichts anders seien die. Gründe,welche die Oberjägermeisterei bewogen hätten, beiSr. Durchlaucht mit der unterthänigen Bitte ein-zukommen.
Daß Ew. den Landleuten auflegen möchten,Nachts in ihren warmen Betten zu bleiben, wietausend gute Christen thun, und das Wild selberam Tage.
Dadurch würde — getrauete sich die Obristjä-germeisterei zu versprechen — den Landleuten undHirschen zugleich unter die Arme gegriffen —letzte könnten alsdann ruhig, wie Tagvieh, dieFelder abweiden, und würden Loch dem Landmanndie Nachlese, indem sie mit der Vorlese zufriedenwären, lassen.—Das Landvolk wäre von den Krank-heiten, die aus den Nachtwachen kämen, von Erkäl-tungen und Ermüdungen glücklicher Weise be-freiet. Der größte Vortheil aber wäre der, daß,da bisher Bauern über die Jagdfrohnen murrten
(und nicht ganz mit Unrecht), weil sie darüber dieZeit der Ernte versäumten, daß alsdann die Hirschean ihrer Statt die Ernte in der Nacht übernähmen,wie sich in der Sweiz die Jünglinge für die Mädchendie sie liebten. Nachts dem Getraidefchneidenunterzögen, damit diese, wenn sie am Morgen zurArbeit kommen, keine finden — und so würdendie Jagdfrohnen in den Ernten niemand mehrstören, als höchstens das — Wild rc."
Was ist aber vom KonsistorialsportulbotenViktor zu erzählen? — Dieser kirchliche Hebbe-dienter setzte alle Pfarrherren durch seinen Spaßund alle Pfarrfrauen durch seine Gewandtheit inErstaunen, und blos sein Blech und seine Papierekonnten die Aechtheit eines solchen Botenepem-plars hinlänglich verbürgen. Er kassierte allesein, was der Konsistorialsekretär liquidiert hätte,und entschuldigte sich damit, daß es weder ihmnoch dem Sekretär in diesem Falle zukäme, ge-wissenhaft zu sein. In feiner kurzen Amtführungsackte er ohne Scham ein alle rückständige Ehe-pfänder vom geringsten Werth — wir im Kolle-gin, sagte er, sind auf einen halben Batzen erpicht— Gelder, wenn die Ehen geschieden waren —Gelder, wenn diese von den Räthen geschlossenwaren, es sei durch Jndulgenzen für Trauerzeit,für Blutverwandtschaft oder für elterliche Einwil-ligung — Gelder, wenn die Gelder erst einmal(oder zweimal) bezahlt waren, aber noch nichtzum zweiten (oder dritte») male, wiewohl daSKonsistorium diesen Geld-Nachklang stets nur indem Falle verlangte, wenn die Leute die Quittungverloren hatten — Gelder, welche die Pfarrherrenblos für Dekrete zu erlegen hatten, worin sie los-gesprochen wurden.-
Darauf schüttete er den Sack vor dem Fürstenaus und plättete die Geldwvge auseinander, undfing an:
Ihro Durchlaucht!
»Das Konsistorium ist des Teufels: es könnte»über alle Gebote eine lutherische koenitontiaiin»sein und ist es nur über das sechste. Was eine»ehrliche Konststorial-Regie — ich nämlich — hat»zusammenscharren können, liegt da auf dem»Tijch. Der Haufe könnte noch einmal jo breit»sein, wenn das Konsistorium Verstand hätte und»sagte: »»wer kauft? neue frische Ablaßbriefe für»alles!»» — Es hat gezeigt, daß es über einige»Verwandtschaftgrade Dispensazionbullen so gut»wie der Papst verfertigen könne; warum will es»sich denn an keine näheren Grade machen? Es„würde von großen so gut als von kleinen dispen-sieren können, wenn es darüber her wollte, und„eben so gut von Bußtagfasten, als von Trauerzeit„und dreimaligem Kanzelausrufe, dieser erotischen„Fastenzeit. Beim Himmel, wenn ein einziger„Mensch, wie der Papst, die geistliche Waschma-schine ganzer Welttheile zu sein vermag, und die„Seelen am Jubeljahre bündelweise säubern„kann: so werden doch wir alle im Kollegium zur„Waschmaschine Eines einzigen Landes zu gebrau-„chen sein? Geschieht das nicht: so nehmen wir