Band 
I.
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H esperus.

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denn wir wollen leben — Sündengeld und„Spvrtuln für das Wenige, worin wir gütig„nachzusehen haben; und wenn in Sparta die„Richter die Göttin der Furcht anbeteten, so„verehren bei uns die Parteien dieses schöne„en8. — Hätten wir nur wenigstens von fünf„,oder sechs großen Sünden loszusprechen, nur„z. B. von einem Mord: so könnten wir Eheschei-dung und Ehebeschleunigung — diese ganz entge-gengesetzten Operazionen gelinge» uns, so wie„das Karlsbader Wasser zugleich den Stein in„der Blase zertheilt und Eingetauchtes im Brun-gen versteinert — für halbes Gelb erlassen."...Nach einer lange» Pause: „Ihre Durchlaucht, es„ist doch nickt zu machen, weil der Henker die„weltlichen Räthe mitten unter den geistlichen„hat: ein halb profaner Sessiontisch ist zu„keinem heiligen Stuhle umzudrechseln; es„ist also nichts zu wünschen — außer der gesegne-ten Mahlzeit — als Verträglichkeit, damit geist-„und weltliche Räthe die Parteien, um welche sie„sitzen, ordentlich aufspeisen können, ein paar„Knochen ausgenommen, die uns Schreibern und„Boten zufallen: so sah ich oft auf einem todten„Pferde zugleich Staare und Raben in bun-ter Reihe einträchtig wohnen und hacken und„zehren." -

Mein Korrespondent versichert mich, durch dieseReden richtete der Hofmedikus mehr bei Jenneraus, als der Hofprediger durch seine. Viele Par-teien bekamen ihr Geld, und einige Richter einallernngnädigstes Handschreiben.

Eh' ich mit unserem verkleideten Gespann vorSt. Lüne ankomme: ist noch eines und das an-dre zu schreiben. An JennerS Seele waren mehrKniedrücker als an einem Fortepiano angebracht,die das Favoritenknie, indem es sich zu beugenschien, bewegte wie es wollte. Er war allemalder Sohn der Gegenwart und der Widerscheinder Nachbarschaft. Las er in Sully, so vsrsäumteer eine Woche lang das geheime Regierkollegiumnicht, und ließ den Kammerpräsidenten kommen.Las er im Friedrich II, so wollt' er das Neichs-kontingsnt stellen und selber kommandieren, undging Vormittags auf die Parade. Er sah mitVergnügen das Ideal einer guten Regierung an,es sei im Druck oder in einer Rede, und oft ver-suchte er die Annäherung dazu, Umbesserungen,Untersuchungen und Belohnungen ganze Wochenlang — Enthaltungen ausgenommen, die dochdas einzige Verdienst sind, das der Fürst ohnefremde Hülfe erwerben kann. Unter der ganzenKreuzfahrt war er ein wahrer Antoninus Philoso-phus, und stand in Bereitschaft, überall zu beloh-nen und zu bestrafen und zu verfügen; — auchfühlte er, er könnt' es thulich machen, wennman nur nicht von ihm noch gar arbeiten undentbehren heischte; darüber ging daS andreauch zum Teufel.

Anfangs gefiel ihm die empfindsame Reise, —als sie vorüber war, wieder — aber in der Mitteschmeckte ihm alles, was nach dem Verlauf ausge-keltert wurde, immer herber, und er wünschte sichstatt der Dorfküchenzettel sein Viktualienziffer-blatt. Auch hatt' er sich so sehr an Tapferkeitgewöhnt, daß er beim Mangel derselben — d. h.

seiner Leibwache — so zu sagen furchtsam wurde;daher wollt' er einmal im Finstern einen jungenWeber in der Sckcnke. aus dem Bette heraus mitseinem Stockdegen erstechen, weil der WeberNachts das fürstliche Bette verwechselt hatte miteinem von friedlicherem Inhalt. Uebrigens sam-melten sich jetzt alle Stralen seiner Zuneigung imeinzigen Menschen von Stande, im einzigen Be-herzten und Vertrauten, den er hatte, in Viktor,zum Brennpunkte. Mein Held aber hatte überallzu genießen, — wenigstens den Gedanken an St.Lüne —, überall zu essen — wenigstens auf einemObstbaum, — überall zu lesen — und warcns nurFeuersegen an der Thüre, alte Kalender an derWand, Ermahnungen zur Wohlthätigkeit überAlmosenbüchsen, — überall zu denken — über dasReisepaar, über die vier Jahrzeitenakte der Na-tur, die jährlich wieder gegeben werden, über dietausend Akte im Menschen, die niemals wieder-kehren, — und überall zu lieben und zu träumen;denn eben diese Straße halte Klotilde so oft aufihren Reisen nach Maienthal und St. Lüne zu-rückgelegt, und der Freund ihres reichen Herzensfand auf diesem klassischen Wegs nichts als großeErinnerungen, Zaubersiellen und eine stille langeheimliche Seligkeit....

»St. Lüne!", schrie Jenner, erfreut, daß ernur wieder einen Weltmann. Le Baut, sehensollte. Auf die Emigrantenmaske war er selberverfallen, um den Kammerherrn, bei dem er sichzuletzt für einen Fürsienerbfeind ausgeben wollte,besser auszuholen. Wäre in Le Bauts Seele einhöherer Adel als der heraldische gewesen — oderhätte Viktor nicht gewußt, daß der Kammerherrden Fürsten gleich auf den ersten Blick erkennenwürde — und daß ers schon darum vermögenwürde, weil der wahre suspendierte Konsistvrial-bote schon der Stadt Flachsenfingen wahrftbeinlichdie ganze Vermummung werde ins Ohr gesagt ha-ben: so hätt' er ihm die nvbis Uagqiie ausge-redet.

Sebastian blieb gedachter maßen weg und imFreien, wahrscheinlich aus Schau, seine Rolle, undoffenbar aus Sehnsucht, Klvtildens Svnncnange-sicht, das für ihn so lange nicht aufgegangen warin einer seinem Herzen bequemern Lage anzu-schauen : »Und die Eltern werden mich gern wie-dersehen, dacht' er dazu, wenn sie mir etwas»zu verdanken haben» — Klokildens Hofamt näm-lich. Er fuhr hinter dem Beltschirm der Dunkel-heit lauschend öfters zusammen, als er aus den,Pfarrhause seinen Namen und zwar mit solcherLiebe, mit solchen Wünschen seiner Antwort nen-nen hörte, daß er beinahe eine gegeben hätte.Aber die Pfarrleute hatten nur mit seinem Path-cken gesprochen und zu solchem gesagt: »guterliebster Sebastian! Sich doch her, was hab' ichda?» — Wie lag das verhüttete Paradies des heu-tigen Frühlings in alten Resten um :<>»! Wie be-neidete er die Schattenköpfe im Schlosse, die erum die Lichter gehen sah, und den allen Pfarr-möps, der ihn zu den Pfarrleuten hineinwedel»wollte und drinnen auf dem Schauplatz einer soholden Vergangenheit weiter agierte! Aber als ihnDisteln am Schlosse an die musivischen auf deminnern Fußboden desselben erinnerten: so war der