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lange nach des Philosophen Rath. Ich frage aber, :ob Leute, die beständig so tief ins Glas kucken, !Trinken lieben können? — ^
Daraus folgt aber nicht, daß ich den Groß- >Wienern die Rehulichkeit mit den Flachsenfingernauch in solchen Zügen nehme, die ehren. So lassich jene recht gern diesen z. B. darin ähnlich sein,daß ste an keiner Dichtkunst, keiner Schwärmereiund Empfindsamkeit — denn das ist alles einerlei
— krank liegen. Viktor wurde dieses Lob in sei-ner Sprache so etwa klingen lassen: , die Wie-"iier Autoren (selber die besten, nur Denis und"kaum drei ausgenommen) geben dem Leser keine„über die ganze Gegenwart tragende Flügel durch,„jenen Seelenadel, durch jene Verschmähung der„Erde, durch jene Achtung für alte Tugend und„Freiheit und höhere Liebe, worin andre deutsche„Genien wie in heiligen Stralen glänzen" *, under würde sich deshalb auf die „Wiener Skizzen",auf „Fausiin", auf „Blumauer" und auf den„Wiener Musenalmanach" berufen. Den Tadelwürde selber ein Wiener nützlichst annehmen, unduns fragen, ob wir einen Musenalmanach (wieer) mit einem Zoteu-Bodensatz auszuweisen haben,worauf man setzen könnte: „mit Approbazion desBordels." — Dieses Gefühl des literarischen Un-terschiedes nöthigte sogar einen Nicolai, — sonstkein besonderer Amoroso der Wiener Schriftsteller
— in seiner Allgem. deutschen Bibliothek eineeigne Seiteuloge für diese einzubauen, ob er gleichsonst Schreiber aller andern Deutschkreise in EinParterre zusammenwirft. Auf ähnliche Act sahich in Baiern, daß an dem Galgen außer demgewöhnlichen Balken für die drei christlichen Kvn-fesstouverwandteu, noch ein besonderer schismati-
° scher Queerpfvsie» angebracht war, an welchenblos die Judenschaft geheftet wurde.
Der Flachsenfinger weiß, daß an Poeten nichtsist, und springt in Büchern, wo Versebäche durchdie Prose lausen, über die Bäche hinweg, wie ge-wisse Leute spät in die Kirche gehen, um dem Sin-gen zu entweichen. Er ist ein treuer Diener desStaats, dem bekannt ist, wozu die poetischegoldne Ader beim Revision-, Kommission-, Rela-ziou-Enrollierungwesen zu gebrauchen ist, zu garnichts; inzwischen will er doch, wenn er auch einenKlopstock und Goethe nicht schätzen kaun, in müßi-gen Stunden einen guten Knüttelvers und Leber-reim nicht verachten. Eine solche glückliche, ro-buste Seelennatur, worin man weniger seinenGeist erhöhen will als seinen'Pacht, macht es frei-lich begreiflich, wie es Schutzpocken geben kann,vermittelst deren der Flachsenfinger allein (wieSvkrates) in der Pest der Empfindsamkeit un-angefochten herumwanvelte. Der volle Mondmachte bei ihnen volle Krebse, aber keine volleHerzen, und das, was sie darin pflanzten, damiter den Wachsthum begünstigte, war nicht Liebe,sondern — Kohlrüben. Der ächte Klein-Wienerzielt nach viel nähern Schießscheiben, als nachdieser weißen droben. Geheirathet wird da mitwahrer Lust, ohne daß man sich vorher todtge-
° Sssprach blos die erste A«flagei707 von Wienern: einedritte verbesserte erkennt auch 181g cuie verbesserte von iy-nen an, obstegleich die Schatten ihrer VorzeitIcbendiaaufbewahrt.
erus.
^ schössen oder todtgeseufzet — man kennt keine, Hindernisse der Liebe, als kirchliche, — die weib-s liche Tugend ist eine Gürtelschnalle, die so langehalten soll, als der Geschlechtname der Tochter— die Herzen der Tochter sind da wie Briefum-schläge, die sich, wenn sie einmal an einen Herrnüberschrieben waren, leicht umstülpen lassen, da-mit malt darauf die Aufschrift an einen andernMenschen mache — die Mädchen lieben da nichtaus Koketterie, sondern aus Einfalt, allen Teufel,ausgenommen arme Teufel...
Kurz,, mein KorrespondeM, von dem ich alleshabe, ist fast parteiisch für Klein-Wien eingenom-men , und widerspricht daher heftig dem Verfasserdes reisenden Franzosen, der irgendwogesagt haben soll — hätt' ich ihn im Hause, somüßt' ich, wie eigentlich Klein-Wien heiße — daßder Flachsenfinger wenigstens zum Räuber nichtKraft genug besitze. Knef aber sagt, er wolle hof-fen, daß sie schon gestohlen haben, und stützt sichauf die, die man aufgehangen.
Elidc des flüchtigen Ertrablättchcns, worin der närrischeCharakter der Flachsenfinger skizzieret wurde — oder desperspektivischen Aufrisses der Stadt Klein-Wien.
Aber unter solchen Menschen konnte mein Heldbei aller Duldung keine frohe Stunde finden, er,der allen Eigennutz, zumal den schmausenden, sohaßte, und der gern in D. Grahams Vorlesungenhospitiert hätte, worin dieser lehrte, ohne Essen zuleben — er, der in sein Herz so gern den von derPoesie geflügelten Samen der Wahrheit auf-nahm ; der einen Emanuel am Herzen trug, undden Mangel an poetischem Gefühle sogar für einZeichen hielt, daß der moralische Mensch nochnicht alle Raupenhäute weggelegt — er, der dasganze Leben und den ganzen Staatskörper fürdie Hülse ansah, worin der Kern des zweiten
Lebens reist-o! wer so denkt, ist zu einsam
unter denen, die anders Lenken! — So lag dieWelt um ihn, als er ein Blatt von der gute»Pfarrer!» bekam: »Man sagt hier allgemein, Sie--wären gestorben. Aber ich lasse mich gegen die»Leute vernehmen, Sie müßten, da Sie so wenig»von sich hören ließen und alle Welt vergäßen,»/eben deswegen noch am Leben fein. Bestätigen"Sie meinen Satz! Wir sehnen uns alle herzlich"und närrisch nach Ihnen, und ich möchte Sie»wohl bitten, den einund zwanzigsten zu kommen-/(wenn Sie nicht die Hochzeit beim Stadtsenior,/mehr hindert, als meinen Flamin). Wir haben»Ihnen hier nichts anzubieten, als den Geburttag»unserer Klotilde. O guter Mylvrd, s geliebte"Lordschip, wie wars Denenselben bisher möglich,,/so lange stumm und unsichtbar zu bleiben? Eine»treue Freundin, die gar nichts von den Damen»Ihres HofeS an sich hat, nicht einmal die Ver-"änderlichkeit, wünschet Sie herzlich vor ihr"Auge und vor ihr Ohr, und diese Dame bin ich —»und wenn ich Sie kommen sehe, werde ich doch--vor Freude weinen, ich mag dabei lachen oder»schmollen, wie ich will. i',."
Wann erhielt er dieses Blatt voll Seele? Undwelche Antwort gab seine darauf? —