Band 
I.
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Hesp

Neider zu beneiden, uns er ging mit den schön-sten Träumen, die je über sein dunkles Leben ge-zeichnet wurden, zum Apotheker zurück.

Am andern Tage kam Jenner nach, erfreuetüber die Eltern, entzückt über die Tochter, weiljene so fein waren und diese so schön. Es kostetemeinem Helden nichts als ein Wort, um denStiefvater zur Bitte für die Anstellung derStieftochter zu bewegen, die der Held und derVater so gern öfter sehen wollten — und demStiefvater kostete es auch nur ein Wort, bei derFürstin, um seine und die fremde Bitte gewährtzu finden . . . Klotilde wurde Hofdame.

Sogleich daraufbrang der Minister von Schleu-neS im Glückwunschschreiben den Viertels-Flügelseines Hauses KlotilLens Eltern auf, und war inder Epistel froh, "daß eine höhere Bitte die seinige„mit so vielem Erfolge wiederholet hätte.» —Ich stelle diesen Edeln allen Weltleuten zumMuster auf; wiewohl sich jetzt alles immor a l i-'schen Sinne, wie die Wiener im heraldischen,edel schreibt.

Viktor, der mit seinen Seelenaugen den ganzenTag dem Kammerherrn ins Fettster kuckte, konntees kaum erwarten, Klotilde erstlich in St. Lünezu sehen, und zweitens am,Hofe. Er verschob denBesuch von Tag zu Tag — und machte ihn vonNacht zu Nacht im Traume. Nicht einmal dieBesuchkarte — seinen Brief an den Pfarrer — hatt'er fortgeschickt: er wollt'ihn nicht nur selber brin-gen, sondern auch gar unterschlagen. Aber diesenletzten Gedanken — den Brief zu unterdrücken,weil etwa» Klotilde diese boshafte Kouduitenlisteder Höfe in die Hände und daraus Widerwillengegen das neue Amt bekommen könnte — schlen-derte er, wie Paulus die Schlange, sogleich aus sei-ner Seele hinaus: wehe dem Herzen, das nichtaufrichtig ist gegen ein aufrichtiges, nicht groß ge-gen ein großes, und warm gegen ein warmes, daes schon alles dieses sein müßte gegen einesj Lasnichts von allem diesem wäre!

Uebrigens bedurft' er eines solche» Besuchs undeines solchen Gegenbesuchs täglich stärker; denner war nicht glücklich: daran war außer ihmschuld i) der Fürst, 2 ) Flamin, 3) neun tausend undsieben und dreißig Personen. Der Fürst konntenicht viel dafür; er goß das ganze Füllhorn sei-ner Liebe über den Doktor aus, und nahm diesemalle Freibeit weg, die er anfangs so heilig zu be-wahren Willens gewesen. Viktor schüttelte denKopf. so oft er sein Tagebuch oder Schiffjournalder Lebensfahrt (auf Geheiß seines VaterS) wei-ter schrieb, und aus seiner Seekarte ersah, daß erganz andre Meere und Grade der Länge undBreite passiert war, als er oder sein Vater Ha-che» wollte: »inzwischen land' ich Loch richtig»sagt' er. —

Aber sein Flamin that seiner Seele weher, dieüberall zuviel Liebe suchte und gab. Er wollte demRathe mit der Nachricht von KlotilLens Hofamteine Freude machen, die seiner eigenen glich: aberder empfing sie sv kalt wie ihren Ueberbringer.Der Aktensiaub lag dick auf den Orgelpfeifen sei-nes Gemüths. — Angekettet an den Session - undSchreibetisch, war er jetzt, wie angekettete Hunde,wilder, als vorher »»gefesselt. — Die Bemühun-

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gen seiner Kollegen, den Staatskörper zu einemAnagramma auszurenken, erhielten von ihm denverdienten Beifall nicht. — Auch setzte sich in sei-ner Seele der Sauerteig der freundschaftlichenEifersucht an, der es nicht recht war. Laß seinViktor ihn seltener und andre öfter sah. — Ammeisten erbvßte ihn Viktors Weigern, als er ihnum Begleitung nach St. Lüne ersuchte.. .Kurz: er war arg.

Die yvZ7 Mann, die für meinen Helden yo37Plagegötter waren, sind die Herren Flachsensingersammt und sonders vermittelst ihres närrischenCharakters, der nicht hier skizzieret zu werdenverdient, sondern in einem flüchtigen Ertrablätt-chen.

Flüchtiges Etttüblättchm, worin der när-rische Charakter der Flachsensinger skizziert

wird — oder perspektivischer Ausriß derLtadt Klein-Wien.

Klein-Wien heißen viele mein Flachsenfingen,so wie es ein Klein-Leipzig, Klein-Paris u. s. w.gibt. ES können aber wohl zwei Städte nichtweiter von einander in Sitten abstehen als Flach-senfingen , wo man sein Leben und seine Seeleverfrißt und versäuft, und Wien, wo man viel-leicht den entgegengesetzten Fehler eines spartischenAusmergelns nicht genug vermeidet. Die Klein-Wiener oder Flachsensinger öffnen dem Genuß derNatur weniger ihr Herz als ihren MagenmunL

— Auen sind die Kücheustücke ihres VieheS, undGärten die ihrer Besitzer — die Milchstraße fes-selt und sättigt ihren Geist (ob sie gleich längerist) nicht halb so sehr als die Königsberger Brat-wurst von 1583 es thäte, welche fünfhundertund sechs und neunzig Ellen lang und viermalschwerer war, als der Gelehrte selber, der sie derNachwelt geschildert, Herr Wagenseil —

— Sind das Züge, auf welche die Fuhrleute denNamen Klein-Wien begründen? Ich war oft inGroß-Wien und kenne die Grvßkreuze, Klein-kreuze und Commandeurs LeS Temxeranzordens,der dort so gemein ist, persönlich: ich kann alsoallerdings einen gültigen Zeugen abgeben, undmir ist zu glauben, wenn ich — Lama» in Klein-Wien außerordentlich säuft — von Groß-Wien,und ausdrücklich von dessen Klosterleuten, ganzetwas anders verfechte; sie haben nickt nur im-,merfort den größten Durst — der dock weg seinmüßte, wenn man ihn löschte — sondern sie be-dienen sich auch gegen die Trunken!,eit eines sckö-nen Mittels vom Plato. Dieser Alle gibt unsden Rath, in der Betrunkenheit in einen Spie-gel zu schauen, um durck die zerrissene Gestalt,die uns darin an unsre Entehrung erinnert, aufimmer davon abgemahnet zu sein. Daher stellenoft ganze Domkapitel. der Deckgut, der Subse-nior, die Dvmizellaren u. s. w. Gefäße mit Weinoder Bier vor sich hin und heben sie an die Au-gen, und besehen in diesem (m eta mv rv h ot i-schen oder) Zerrspiegel, der die entstellten Zügenoch mehr entstellt (weil er wackelt), sich schon

* Es iit der mit den langen Schuhen, in seiner > Erziehung-cilics jungen Prinzen iroi >

Legn Paul'L Werke. I-

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