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kannten Wünschen, mit vergessenem Werthe, mitAugen voll Thränen und Liebe, mit Herzen vollTugend und Gram — euch theuern erzähl' ichgern den kleinen Traum und mein großes.Buch!...
"Eine Hand, die Horivn nicht sah, faßte ihn an,"eine Lippe, die er nicht sah, redete ihn an: dein„Herz sei jetzo heilig und rein, den» der Genius"der weiblichen Tugend wohnt in diesem Gefilde." — Siehe, da stand Horivn auf einer mit Ver-gißmeinnicht überzogenen Flur, auf welche der"Himmel wie ein blauer Schatten herübersank;"denn alle Sterne waren aus ihm genommen, nur"der Abendstern stand einsam flimmernd oben»au der Stelle der Sonne. Weiße Eispyramiden,"gestreift mit herunterrinnenden Abendrvthen, um-"rangen wie mit einem Wall aus Gold - und Sil-
"bersiufen das ganze dunkle Rund-Darin
ging Klvtilde, erhaben wie eine Verstorbene,"heiter wie einMensch in der andernWelt, geführt--bald von geflügelten Kindern, bald von einer ver-"schleierten Nonne, bald von einem ernsten Engel;„aber sie ging ewig vor Horion vorüber — sie lä-"chelte ihn selig-liebend an unter jedem Vvrüber-»ziehen, aber sie zog vorüber. — Blumige Erhö-»hnngen, Gräbern fast gleich, stiegen auf und--nieder, denn jede wurde von einem darunter"schlummernden Busen durch Athmen geregt: eine„weiße Rose stand über dem Herzen, Las darunter"verhüllet lag, zwei rothe wuchsen über den Wan-ken, deren zartes Erröthen sich in die Erde ver-"b«rg, und oben am himmlischen Nachtblau"wankte der weiße und rothe Widerschein derHü-"gelblumen gleitend in einander, so oft unten die"Rosen des Herzens und der Wangen sich mit dem»Hügel bewegten — Versiegende Echo, aber von"Migehörten Stimmen erregt, 'gaben, einander"hinter den Bergen Antwort; jedes Echo hob die„kleinen Schlnmmerhügel hoher auf, als wenn sie»ein tiefer Seufzer oder ein Busen voll Wonne„erhöhte, und Klotilde lächelte seliger, von jedem"Widerhalle tiefer in den Blnmenboden versenkt.,, - Fn den Tönen war zu viel Wonne und das"aufgelöste Herz des Menschen wollte darin sier-"bcn. Klotilde sank jetzt in die Gräber bis ans„Herz; nur Las stille Haupt lächelte noch über"der Aue —die Vergißmeinnicht ragten endlich an»die untergesunkenen Augen voll seliger Thränen,»und überblühten sie — Da überkroch die Holte„plötzlich ein Schlummerhügel, und unter den Blu-"Men stiegen ihre Worte auf: Ruhe du auch,"Horion! — Aber die fernern Laute verwandelten"sich unter dem Begraben in dunkle Harmonika-"töne. . . Siehe, unter dem Verstummen ging ein"großer Schatten wie Emanuel heran, und stand--vor ihm wie eine kurze Nackt, und verdeckte die--unbekannte Minute auL einer hoher» Welt."Aber als die Minute und der Schatten zerflossen"waren: da waren alle Hügel niedergefallen —"Da übergüldete der Blumenwiderschein zusam-"inengefloffen den wallenden Himmel — Da klarn-"inerten sich an die Purpurgipfel der Eisberge"w eißs Schmetterlinge, we i ße Tauben, weiße"Schwanen mit ausgespannten Flügeln wie mit"Armen an, und hinter den Bergen wurden gleich-kam von einer übermäßigen Entzücküng Blüten
erus.
"emporgeworfen, und Sterne und Kränze - Da"stand auf dem höchsten in lichtem Glänze und"Purpurlvhe ruhenden Eisberg Klotilde verherr-licht, geheiligt, überirdisch entzückt, und an"ihrem Herzen flatterte eins.Rebelkugel, die auS"aufgelösten kleinen Thränen bestand, und auf„welche Horivus blasses Bild gezeichnet war,»und Klotilde breitete die Arme anseinan-"der."-
Aber um zu umarmen? oder um sich aufzu-schwingen ? oder um zu beten? . .. Ach, er er-wachte zu bald, und strömte in größern Thränen,als die nebelige» waren, aus, und eine untersin-kende Stimme rief unaufhörlich um ihn: Ruhedu auch!
O du weibliche Seele, die du müde und unbe-lohnt, bekämpft und blutend, aber groß und unbe-fleckt aus dem rauchenden Schlachtfelde des Lebensgehst, du Engel, den das männliche von Stürmenerzogne, von Geschäften besudelte Herz achten undlieben, aber nicht belohnen und erreichen kann;wie beugt sich jetzo meine Seele vor dir, wiewünsch'ick dir jetzo des Himmels stillenden Balsam,des Ewigen belohnende Güte! Und du, Philippine,theure Seele, tritt weg in eine verborgene Zelle,und lege unter den Thräne», die d» schon so oftvergossen hast, deine Hand an kein reines weichesHerz, und schwöre "ewig bleibe du Gott und der"Tugend geweiht, wenn auch nicht der Nuhe!"Dir schwör' eS; mir nicht, denn ich glaub' es ohneSchwur.-
Welch' eine Paradenacht voll Sterne undTräume war das! und welch ein Gallatag derNatur kam auf sie! 2» Viktors Kopfe stand nichtsals St. Lüne, blau überzogen, silbern überthauetund mit dem schönsten Engel geschmückt, der heutenasse frohe Augen in den freundlichen Himmel hobund dachte: "wie bist du heute gerade an meinem"Wiegenfeste so schön!" — Sogar der Stadtseniorund seine Tochter, welche beide Hochzeit machten— jener eine Wieberhochzeit mit seiner Seniorin,kiese eine erste mit dem Waisenhausprediger —schoben sich in den Zug seiner freudigen Gedankenals zwei neue Paare ei».
Er wollte nicht nach St. Linie, sondern ersagte: "ich ziehe mich nur an zu einem kleinen"Spaziergange." —
„Es ist ganz egal, wo ich heute gehe," sagt' erdraußen, und ging also auf den St. Lüner,Weg. —
"Umkehren kann ich allemal," sagt' er auf hal-bem Wege.-
„ Noch närrischer aber wärs , wenn ich zugleich„Briefsteller und Briefträger würde und mein„eignes Schreiben einhändigte," sagte er undzog solches heraus.—
„ Und meiner guten Mutter ihres beantwortete„ich bei dieser Gelegenheit mündlich," fuhr erhalb im Traume fort, und voll größerer Liebegegen sie, die ihm den holden nächtlichen durchdie Nachricht des Geburttagcs zugeschickt. —
-Da er aber Las Lüner Norgeläute zum
Kirchengeläute vernahm: so sprang er empor undsagte: „ nunmehr versalz' ich mir den Weg nicht„länger durch weitere Skrupel, sondern ich mar-„ schiere keck und entschlossen ins Dorf-,.