Band 
I.
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H esp erus.

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als Löschenkohls seine. Die Empfindung erhebtzwar über die Scham, Empfindung zu zeigen;aber er haßte und floh während seiner Empfindun-gen alle Aufmerksamkeit auf fremde Aufmerksam-keit, weit der Teufel in die besten Gefühle Eitel-keit ei n schwär z t, man weiß oft nicht wie. Inder Nacht, im Schattenwinkel fallen Thränenschöner und vecdünsien später.

Die Pfarrer!» bestärkte ihn in allem; denn siehatte heimlich — in die Stadt geschickt und denSohn eingeladen, und eine Ueberraschung imGarten künstlerisch angelegt. —

Die Pfarrleute hoben sich endlich in den belaub-ten Konzertsaal, und dachten nicht daran, wie sehres von Le Banks Hause verachtet werde, das nuredle Metalle und edle Geburt, nie edle Thatenfür Eintrittkarten gelten ließ, und das die Pfarr-leute als Freunde des Lords und Matthieus hoch,aber als Schvoßhunde beider noch höher geschätzthätte.

Viktor blieb im Pfarrgarten ein wenig zurück,weil es noch zu hell war, und auch weil ihn diearme Apollonia dauerte; diese kuckte einsam unsungesehen im vollen Putze aus dem Fenster desGartenhäuschens in die Lust, und wiegte dasPathchen steilrecht, das sie bald über ihren Kopf,bald unter ihren Magen hing. Er setzte, wie einSpießbürger, im Gartenhaus den Hut nicht auf,um ihren Muth durch Höflichkeit zu stärken. EinWickelkind ist gleichsam der Einbläser und Balg-! treter der Kinderwärterin: der junge Sebastian> schickte Appeln hinreichenden Entsatz gegen denältern, und sie unterfing sich zuletzt, zu reden undanzumerken, das Pathchen sei ein guter, lieber,schöner "Bastel". "Aber ( setzte sie dazu) die gnä-"dige Fröten (Klokilde) dürfen das nicht hören;"Sie wollen haben, wir sollen ihn Viktor nennen,"wenn sie hören, daß der Vater Bastel sagt."Sie strich es nun heraus, wie Klotilde sein Path-chen liebe, wie oft sie ihr den kleinen Schelm ab-nehme und ihn anlächle und abküsse; und die Lob-rednerin wiederholte am Kleinen alles, was siepries. Ja der erwachsene Sebastian that es auchnach, aber er suchte auf den kleinen Lippen nichtsals fremde Küsse; und vielleicht gehörten beiAppeln wieder sei ne unter die Sachen, die ge-sucht worden. Der Glücklichere verließ die Glück-lichere; den» Amor schickte nun eine geschmückteHoffnung nach der andern an sein Herz als Botenab , und alle sagten: "wir belügen dich wahrhaftig"Nicht; trau' uns!"

Endlich fing Stamitz zu stimmen an, um wel-chen die zähe Obristkämmerei sich gewiß nicht be-kümmert hätte, weil heute keine Fremde da waren,hätte sich nicht Klotilde dieses Gartenkonzert alsdie einzige Feier ihrer Gebnrtnacht erbeten gehabt.Stamitz und sein Orchester füllten eine erleuchteteLaube — der adeliche Hörsaal saß in der nächstenhellsten Nische, und wünschte, es wäre schon aus

— der bürgerliche saß entfernter, und der Kaplanflocht aus Furcht vor dem katharrhalischen Thau-fußboten ein Bein ums andre über die Schenkel

— Klotilde und ihre Agathe ruhten in der dunkel-sten Blätterloge. Viktor schlich sich nicht eher ein,als bis ihm die Ouvertüre den Sitz und das Si-tzen der Gesellschaft ansagte; in der fernsten Laube,

, in der wahren Sonnenferne nahm dieser BartsternPlatz. Die Ouvertüre bestand aus jenem musilä-lischen Gekritzel und Geschnörkel — aus jenerharmonische» Phraseologie — aus jenem Fencr-werkgeprassel wider einander tönender Stellen,welches ich so erhebe, wenn es nirgends ist, alsin der Ouvertüre. Dahin passet es; es ist derStaubregen, der das Herz für die großen Tropfender einfachern Töne aufweicht. Alls Empfindun-gen in der Welt bedürfen Exordien; und dieMusik bahnet der Musik den Weg — oder dieThräuenwege.

Stamitz stieg — nach einem dramatischen Plan,den sich nicht jeder Kapellmeister entwirft — all-mälich aus den Ohren in das Herz, wie aus Alle-gros in Adagios; dieser große Komponist geht inimmer enger» Kreisen um die Brust, in der einHerz ist, bis er sie endlich erreicht und unter Ent-zückungen umschlingt.

Horioi! zitterte einsam, ohne seine Geliebten zusehen, in einer finster» Laube, in welche ein einzi-ger verdorrter Zweig das Licht des Mondes undseiner jagenden Wolken einließ. Nichts rührteihn unter einer Musik allezeit mehr, als in dielaufenden Wolken zu sehen. Wenn er diese Ne-belstrvme in ihrer ewigen Flucht um unser Schat-tenrund begleitete, mit seinen Augen und mit denTönen, und wenn er ihnen mitgab alle feine Freu-den und seine Wünsche, dann Lacht' er, wie inallen seinen Freuden und Leiden, an andere Wol-ken, anleine andre Flucht, an andre Schatten, alsan die über ihm, dann lechzete und schmachteteseine ganze Seele; aber die Saiten stillten dasLechzen, wie die kalte Bleikugel im Mund denDurst ablöscht, und die Töne löseten die drückendenThränen von der vollen Seele los.

Theuerer Viktor! im Menschen ist ein großerWunsch, der nie erfüllt wurde: er hat keinenNamen, er sucht seinen Gegenstand, aber alles wasdu ihm nennest und alle Freuden sind es nicht:allein er kömmt wieder, wenn du in einer Som-mernacht nach Norden siehst oder nach fernen Ge-birgen , oder wenn Mondlicht auf der Erde ist,oder der Himmel gestirnt) oder wenn du sehrglücklich bist. Dieser große ungeheure Wunschhebt unsern Geist empor, aber mit Schmerzen: ach!-wir werden hienieden liegend in dieHöhe geworfen gleich Fallsüchtigen.Aber Liesen Wunsch, dem nichts einen Namen ge-ben kann, nennen unsre Saiten und Tone den«Menschengeiste — der sehnsüchtige Geist weintdann stärker, und kann sich nicht mehr fassen unsruft in jammerndem Entzücken zwischen Sie Tönehinein: ja alles, was ihr nennt, das fehletmir. . . .

Der räthselhafte Sterbliche hat auch eine na-menlose ungeheure Furcht, die keinen Gegenstandhat, die bei gehörten Geistererscheinungen erwacht,und die man zuweilen fühlt, wenn man nur vonihr spricht.. . .

Horivn übergab sein zerstoßnes Herz mit stillenThränen, die niemand fließen sah, den hohen Ada-gios, die sich mit warmen Eiderdunenflügeln überalle seine Wunden legten. Alles was er liebte,trat jetzt in seine Schattenlaube, sein ältesterFreund und sein jüngster — er hört die Gewit-