Band 
I.
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Hesperus. 503

Fünfter Schalttag.

Fortsetzung des Negisters der Ertra-Schöszlittge.

K.

Kälte. In unserm Zeitalter stehen Abnahmedes Stoizismus und Wachsthum des Egois-mus hart neben einander; jener bedeckt seineSchätze und Keime mit Eis, dieser ist selber Eis.So nehmen im Physischen die Berg e ab und dieGletscher zu.

L.

Leihbibliothek für Rezensenten undMä d ch en. Ich bin noch immer Willens, eS inSJntelligonzblatt der Litsraturzeitung setzen zulassen, daß ich den Kaufschilling, den ich für mei-nen Abendstern erbebe, nicht zerschlagen,noch wie Musaus zum Ankauf von Gartenhäusernzersplittern, sondern das ganze Kapital zu einervollständigen Sammlung aller deutschen Vorre-den und Titel, die von Messe zu Messe er-scheinen , verwenden will. Ich kann dabei bestehen,wenn ich eine Vorrede wöchentlich für einen Pfen-nig Lesegeld an Rezensenten ausgebe, —welchenicht gern das Buch selber lesen wollen, wenn siees rezensieren.

Damit mir nicht einmal der lkeberschuß desbesagten Schlagschahes als toltes Kapital imHause liegt: so sollen dafür wenn ich michnicht ändere — die schwerern deutschen Mei-sterwerke, — z. B. Friedrich Jacob i'S, Kl i n-gers seine, Goethe's Tasso — desgleichen diebessern satirischen und philosophischen vvni Buch-binder in einer leichtern Damenausgabe ge-liefert werden, die ganz aus sogenannten Vexier-bänken, worinnen kein Unterziehbuch steckt,bestehen soll. Ich spiele damit, denk' ich, denLeserinnen etwas Kernhaftes in die Hände, dasso gut gebunden und eben so betitelt ist, wie dieBuchhänklerausgabe, und in daS sie — weil dasharte Steinobst schon a u sge ke rnt und innennichts ist — nicht nur eben so viel, sondern sechsLoth mehr Seidenfaken und Seidenabschnitzel legenkönnen, als in die gedruckte Ausgabe. AlwilsBriefwechsel — ein schweres zweidotterigesStraußenei des Autors, das ich vom Buchbinderauf diese Weise habe ausblasen lassen, weil diemeisten Leserinnen zu kalt sind, eS auszubrüten— ist jetzo ganz leicht. Aber von den deutschenRomanen werd' ich niemals eins solche Futteral-auSgabe von leeren Zeremonicnwagen des Musen-und Sonnengottes veranstalten, weil ich befahrs,der Buchhandel schreie über Nachd r u ck. — Ichwäre ein glücklicher Mann, wen» sich die Mitle-serinnen meiner Leih-Kapselbibliothek nur zweimalin einigen italiänischen und portugiesischen Büche-reien hätten herumführen lassen;'sie würden indiesen, wo oft nur die Titel der Werke — undnoch dazu der dümmsten — an die Wand geschmie-ret sind, erstaunet sein, welche schlechte Figur

solche unbrauchbare Bibliotheken neben meinerBücherei von ordentlichen Vexierbüchern, die ichaus so vielen Fächern und mit einigem Eigensinnwähle, nicht anders als machen können. — Sowerden freilich deutsche Kaxsslleserinnen von euchPortugieserinnen nimmermehr eingeholet! Viel-mehr kommen jene sogar den Männern, den Ad-vokaten und Geschästlenten nach, die ähnlicheKaxsel-Jvurnaüsnka mithalten, und die Futteraleder besten deutschen Journale — letztere werdenoft als eru-ioss sogar den Kapseln angebogen, und

füttern diese auS — mit lesen und weitergeben_

Das ist mein Plan und Entwurf; Schafe aberwürden muthmaßen, ich spaßte mich hier blosherum, wenn ichs nicht wirklich durchsetzte.

M.

Mädchen. Junge Mädchen sind wie jungeTruthühner, die schlecht gedeihen, wenn man sie oftanrührt; und die Mütter halten diese weichen ausBlumenstaub zusammengeflossenen Geschöpfe wiePasiellgemälde so lange unter Fensterglas —weil sich alles vor uns Prinzesstnnenräubern undObstdieben scheuet - bis sie fixieret sind. In-dessen ist weder Einsamkeit — welche nur zu einerungeprüsten Unschuld führt, die zwar nicht vor-dem Wüstling, aber doch vor dem Heuchler fällt— die rechte Kronwache um ein weibliches Herz,noch Gesellschaft, noch Arbeitsamkeit — sonst sänkekein Landmädchen — noch gute Lehren — denndiese sind in jedem Mund und in jeder Lesebiblio-thek zu haben: — sondern diese vier ersten undletzten Dinge auf einmal thun«, die sich sämmtlichentbehren, vereinigen und ersetzen lassen durcheine tugendhafte weise Mutter.

N.

Namen der Gro ßen ». Wenn ich so sehe,Laß sie ihre außerehelichen Meßproduckte,Gelegcnheitschristen und pibos» t'nzMve» so na-menlos, als wärens Rezensionen, vertheilen: sosag' ich: --hieran erkenn' ich Achte Bescheidenheit.--Denn natürliche Kinder sind gerade ihre bestenund ihre eignen, und können noch dazu vom Fürstenfür ächt erklärt werden — indeß ihre übernatürlichenin der Ehe, das Aechtmachen entbehren müssen —:und doch wollen sie der Welt den Namen desWohlthäters nickt wissen lassen, sondern schaffeneben so oft <ja öfter) heimlich Leute in sie hin-ein, als aus ihr hinaus. Was das Kind sonstzuerst aussprechen lernt, sagen ihm solche Elternzuletzt — ihren Namen. Mich dünkt, sie folgenhierin Goethe's feinem Ohre; denn sie versteckensich selber eben so — wenn sie Las Orchester derWelt mit Kinderstimmen und mit rinAt-tzuntosund mit Weck- und Repetierwsrken (welche un-ähnliche Zusammenstellungen! ) füllen — wieGoethe vom spielenden Tonknnsiler begehrt, daßer für die Ohren arbeite, aber zur Schonung derAugen sich selber verberge. Eben so schön handelnsie, wenn sie ihre Kinder der Sosten Ehe am Ende

habe den Buchstaben N ganz umgegossen, weil ichin der ersten Auflage leider einen guten Einfalt gehabt, denich ohncmcin Erinnern seines ersten Herausgcbens als meineigner gelehrter Dieb im Kommentar der Holzschnitte wie-der bekannt gemacht.