Band 
I.
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Hesperus

oder

45 H u n d p o st t a g e.

Drittes Heftlein,

26. Hundposttag.

Drillinge — Lcuscl und sein Zwilliiigkruder — dieaufsteigende Perücke — Entdeckung von Spitz-bübereien.

Wenn ich in Kvventgarden über das Trauer-spiel geweint hätte: so würd' ich doch im Epilogebleiben, den sie nachher halten, ob ich gleich überibn lachen müßte. Allein nur aus dem Trauer,spiele sührt ein Onergäßchen in das Lustspiel,aber nicht aus dem Heldengedicht; kurz derMensch kann nach dem Erweichen, aber nichtnach dem Erheben lachen. Ich darf es dahernie verstatten, daß ein Vielleser sogleich nach dem2ösien Kapitel dieses anfange. Wenn man über-haupt selber zusteht, wie sie einen lesen— nämlich»och fünfmal elender, gedankenloser, abgerissenerals man schreibt — (ich rede blos vom Fleiß:Kenntnisse fallen von selbst beim Lesen weg, unddie 'Autorfeder kann die Lebensgeister des Lesers,wie der Pumpenstiefel das Wasser doch nur aufeins gewisse Hohe ziehen) wie sie bei den bestenStellen zwei Blatter auf einmal umwenden, baldzwei ungleichartige Kapitel entern lassen, bald invier Wochen erst ein Kapitel gar Hinauslesen, dasin Einer Sitzung hälts durchsein sollen — wiesolche klassische Leser oft kurz vor. einem Besucheoder unter dem Andrehen oder gar Ansengen derHaarwickel oder unter dem Auskämmen derHaare, (die gar das erhabenste Kapitel einpu-dern), letztes lesen oder ein rührenbes unter demKeifen mit der ganzen Stube — wenn man be-denkt, daß unter solche Leser die meisten Scheer-ausr und Flachsenfinger gehören, und blos dieLeserinnen nicht, die sich in alle Bücher und Män-ner einznsciiießen wissen, und denen einerlei ist,was ste losen oder hsirathen — und wenn mangar die traurige Betrachtung macht, daß, wennüber diese Leser nicht einmal der Lesegroschen, densie fürs Buch bezahlen müffen, so viel Gewaltbesitzt, uni ste zum Genusse rührender und erhabe-ner Blätter zu vermögen, daß es diese lange

Periode noch weniger erzwingen werde: so preisetman das deutsche Publikum glücklich, das dochsolche Werke nähren, an denen wie an Truthü-nern das Weiße das Beste ist.

Da ein solcher Truthahn auch die WienerZeitschrift ist, und ich vorige Woche imTraume dachte, mein Hund schreibe daran: sowirds hierher passen, daß ich meinen Jrrsal wi-derrufe. Mir fällt der Traum nicht auf, — (dadie Korrespondenzbesiie gleichfalls Hofmann *heißt) — daß diese gar der in einen Hund einge-windelte und verpuppte Professor sei. Ich wäregar nicht darauf verfallen, daß ein Professor der»praktischen Elvguenz" in der Form einesHundes der Welt Drucksachen apportierte, hättenicht einmal in Paris ein Kerl sich mit konter-banden Waaren in eine Pndelhaut einnähenlassen, um so verkappt durchs Thor zu kommen.Schon aus der ungleichen Größe beider Wesenhätte ich wissen können, welche Zeit es sei; aberich ging im tollen Traume so weit, daß ich denHund wirklich examinierend zwickte und befühlte,als der Professor, den ich hinter dieser Karakter-maske suchte, selber lebendig zur Thür eintrat.Er hob zwar sofort alle Verwechslung; ich legtemir aber, gleichsam um ihm Genugthuung zu ge-ben, die Strafe auf, das ganze Ding bekannt zumachen, und noch dazu sein Mitarbeiter, d. h.seine Monattanbe zu werken, die monatlichheckt... ES solle» daher viele wirklich in derWiener Zeitschrift (denn in der ersten Auflagevergaß ich das zu sagen, daß ich nur geträumt)nach Arbeiten von mir geforschet haben: ist dasmöglich, ich bitte?-

Wir haben unsern Viktor unter lauter trübe»Vermuthungen stehen lassen: jetzo finden wir ihnwieder vor einem Begegniß, das ste -alle be-stätigt.

Wer den Apotheker Zeusel, um den sich derganze Vorfall dreht, nur von Hörensagen kennt,

" Der Professor Hoffmann und seine Zeitschrift, worin erim Anfange der Rcooluzion jede» freien Geist als Thro-»cnstürmcr gefangen nahm, ist freilich längst vergessen;aber man kann ja den nächsten neuesten deutschen Ultrastatt seiner setzen.