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wand sich mit ehrerbietigem Schonen aus denpulsierenden Armen und fiel erstarrend vor derMöglichkeit einer Nachahmung des elenden Mat-thieu, den er so verachtet hatte, außerhalb reSBettes an ihrer hinausgenommenen Hand mitverströmenden Thränen nieder und sagte:
"Vergeben Sie dem Jüngling, — seinem über-"wältigten Herzen, — seinen geblendeten Augen
„-jch verdiene alle Strafen, jede ist mir
»eine Vergebung — aber ich habe niemand ver-gessen als mich." — — "Mais e'est moi, qu«z'vl,!>!iv L>> Vous pnickonliailt" * sagte sie miteinem zweideutigen Auge, uns er stand auf undsuchte sich, da ihm ihre Antwort die Wahl zwi-schen der angenehmsten und der temüthigstenAuslegung anbot, gern selber mit der letzten heim
— Agnolas Auge blitzte vor Liebe — dann vorZorn — dann vor Liebe — dann schloß sie es —er trat in die ehrerbietigste Entfernung zurück —sie öffnete es wieder und kehrte ihr Gesicht kaltgegen die Wand und gab durch einen geheimenDruck an die Wand, der, glaub' ich, eine eigne Klin-gel im Zimmer der Kammerfrau regierte, verletztenden Befehl, zu eilen — und in einigen Minutenkam diese mit der Augengurt. Natürlicherweisespielte man (wie im Leben des ^Menschen) denfünften Akt so hinaus, als wäre der dritte undvierte gar nicht da gewesen. — Dann zog er höf-lich ab.
So! — Nun fangen ich und der Leser darüberzu fechten an, und Viktor darüber zu denken.Reckt war seine Umarmung nicht —seine Entdeck-reiss nach der Wand und seine Gemäldeausstellungwaren es auch nicht — aber klug war sie; denner konnte doch wahrlich nicht zurückpurzeln undsagen: --ich dachte, Matz hange hinter dem Bette.»
-Darauf antworten mir freilich Leute von
Erfahrung: »wir sind hier nicht darüber mit ihm»unzufrieden, daß er die Klugheit der Tugend»vorzog, sondern darüber vielmehr, daß ers»nach dem Kusse nicht wieder so machte — Dieser»Kuß ist ein zu kleiner Fehler, als daß ihn"Agnvla vergeben könnte." Jch merke, diese Leutevon Erfahrung sind Anhänger von der Sekte, wel-che in meinem Buche die Fürstin wegen so vielerhalben Beweise unter diejenigen Weiber rechnet,die, zu siolz und zu hart für die Liebe des Her-zens , die Liebe der Sinne nur flüchtig mit derLiebs zum Herrschen abwechseln lassen, und diees nur thun, um aus Amors Binde ein Leitseil,aus seinen Pfeilen Sporen und Steigeisen zumachen. Es sind mir auch die halben Beweiserecht gut bekannt, womit sich Liese Sekte Leckt,
— die Bigotterie der Fürstin — ihr Beichtabend,
— ihre bisherige Aufmerksamkeit für meinen Hel-den — das Verdecken der gemalten Marie unddas Enthüllen der lebendiger!, — und alle Um-stände meiner Erzählung. Aber ich kaun so etwasvon einer Freundin Klotildens ( diese müßte sichdenn gerade deswegen von ihr geschieden, oderaus Seelengüte diese nur dem männlichen Ge-schlechte gewöhnlichern Eilboten des Temperamentsgar nicht begriffen haben) unmöglich eher denken,als bis mich in der Folge offenbare Spure» eines
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mehr erbitterten als gekränkten Weibes dazunöthigen. —
Jch komme von meinem Versprechen ganz ab,einiges näher zu lege», was gewiß bei Unpartei-ischen meinen Held darüber wo nicht rechtfertigtdoch entschuldigt, daß er nach dem Kusse so zu sa-gen wieder tugendhaft wurde, und nicht desleibhaften Teufels lebendig. Jch stelle keck unter dieMilderunggründe seine Ünbekannkschaft mit sol-chen Weibern, die, gleich den Spartern, muthignicht nach der Zahl der Feinde ihrer Tugendfragen, sondern nach dem Orte derselben; erwar wohl oft bei ihnen und in ihrem Lager, aberseine Tugend hinderte sie, ihm die ihrige zuzeigen. — Nicht so viel wie durch jenes wird erdurch die Einwirkung des Nachtwächters unddurch das Erinnern an den Tod entschuldigt; denndieses muß selber entschuldigt werden; — esist aber auch nur gar zu gewiß, daß gewisse Men-schen, die zu Philosophen oder auch zu Dichternorganisiert sind, gerade dann, und zwar allemalstatt ihres Zustandes allgemcine-Jedeest beschauen,wo es andere gar nicht können und wo sie nichts sindals Ich, nämlich in den größten Gefahren, in dengrößten Leiden, in den größten Freuden —
Ein. Billiger schiebt alles auf den Apotheker,der Viktors moralischer und mechanis- er Bett-zopf oder Bettaufhelfer war; denn da der ihmden edlen Matz in ei>>er ähnlichen Lage (aberohne Bettzopf) vorgemacht halte: so wurde derAbscheu, welchen Viktor einige Tage vorher gegendes Evangelisten Betragen empfunden hatte, inihm zum lähmenden Unvermögen, einige Tagedarauf im geringsten eS zu kopieren. — O wennwir doch jede Sünde, zu der wir oder andre unsversuchen, ein Paar Tage vorher von einem wah-ren Schuft begehen sähen, den wir anspeien!—Könnten wir dann dem Schufte nacheifern?
Endlich braucht man nur zu Viktor in denErker, wo er jetzo sitzt in einem sonderbaren Ba-rometerstands, hinzusehen, wenn man den vorigenbeurtheilen will. Sein jetziger ist nämlich eine Mi-schung von Leerheit, Unzufriedenheit (mit sichund jedem) von größerer Liebe gegen Agnvla,von Rechtfertigung dieser Agnvla, und doch voneinem Unvermögen, sie sich als eine naheFreundin Klotildens zu denken.—
Mich wird das Wenige, was ich in der Eilezusammengetragen, niemals reuen, wenn ich dadurch einige glückliche Winke gegeben hätte, wiegut mein Held bei seinem Betragen nach demKusse, das strengen Leuten von Welt auffallen muß,eine unangenehme Vereinigung von moralischenZwingmitteln vorschützen könne, und wenn eS miralso geglückt wäre, ihm die Hochachtung, um dieer sich brachte, weiter den für seinen Finger zuweiten Fürsicnriug nickt mit dem langen Seiden-faden der Liebe überwickelte, zum Anpassen amEnde des 27sten Kapitels wieder zu geben..
Aber ick »ergehe hingegen mich, wenn ich verzeihe.