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Hesperus
wir waren das erstemal (am 6ten Hundposttage)bekanntlich auch dabei.
Mein Held foderke den Mensche» (zumal da er sichnicht Muhe gab) zu wenig Achtung ab. Erarbeitetezwar um diesen Arbeitlvhn; wenn sie ihm abernichts gaben; so wußt' er tausend Entschuldigun-gen für die Menschen und zog seinen Münzstem-pel heraus und schlug sich selber eine Ehrenme-daille, indem er dabei schwur, "ich will verdammt»sein, wenn ich mich nicht das nächstemal stolzer»aufführe und minder nachsichtig und überhaupt»ernsihaster, um eine gewiste Ehrfurcht zu erre-»gen." Das nächstemal soll noch kommen. Ervergab daher den Drillingen so schön, daß sie end-lich den Menschenfreund mit leidenschaftlichenArmen auf immer an ihre Seele schloffen.
Nach einer solchen Gradualdisputazion machteer nichts liebers, als etwas recht Tolles, Galan-tes, Kindisches — dasmal wars ein Weg in dieKüche. Catinat sagte: der nur sei ein Held: »utjouvi alt Nix; pai tie cko guilies an 8vrtir ct'u»«butsille gasnöo oupvlckus — oder der nach einergewonnenen Disputazion in die Küche gehen kann.»Entweder nichts oder alles ist in diesem Täusch -Leben wichtig," sagt' er. In die Küche, die nichtso schmutzig war wie ein französisches Schlafzim-mer, sondern so rein wie ein belgischer Viehstatt,war schon ein anderer Fesihass und außerordentli-cher Gesandter eingelaufen, der Hofkaxlan, derda seinem Berufe oblag. Er mußte zusehen, obsein Karpfen - Vierpfünder — aus dem Pastoral-teiche gebürtig und für den Adoptivsohn Bastianausdrücklich ausgewintert — nicht sowohl rechtabgeschuppet (darüber setzt' er mit wenig Philoso-phie sich hinweg) als recht geschwänzet wurde. Eskonnt' ihm doch wahrhaftig nicht gleichgültig sein,sondern als Mensch mußt' er den Schmerz zu-gleich empfinden und bekämpfen, wenn ein Karpfevon soviel Pfunde», als ein Sterblicher Gehirnhat, so jämmerlich hinausgeschlitzet wird, daß daseine Sckwanzquotum nicht kleiner ist wie ei»Haarbeutel, und das andere nicht größer als eineFloßfeder. — Und doch ist diese ganze Nvminal-terrizion von geringem Belang gegen eine ganzandere Realterrizivn (so sehr verschwindet erheb-licher Kummer vor größerem), die den Pfarrermit der Drohung ängstigte, daß man die Gallen-blase des Vierpfünders zerdrücke.-Seins
hätte sich der andern sofort nachergossen —: »Um»Gottes willen bedächtiger, Appell verbitter'mir den ersten Ostertag nicht", sagt' er. Galleist »ach Boerhave wahre Seife: daher wäschet diesatirische die halbe Lesewelt gleißend und rein,und die Leber eines solchen Menschen ist die Sei-fenkugel eines Welttheils und seiner Kolonieen.
Es lief indeß herrlich ab. — Aber beim Him-mel! die Welt sollte nach dem Abdruck diesesBuchs einmahl einsehen, daß ein Karpfen vonvier Pfund — so lange gefüttert im Fischkasten,so geschickt ausgeweidet — mehr wiege aus derFischwage der Zufriedenheit, als die goldenenFischgräten in rothem Felde des Wappens desGrafen von Windischgrätz! —
Konnt' er denn lange in der Küche — diesemWitwensitz seiner alten geschieduen Jugend —unter so vielen Freundinnen Klotildens, die ihm
alle daS Niedersinken und Weggehen derselben(im doppelten Sinne) vorklagten, stehen, ohnedaß der Honigessig zurückgewünschter Freu-den über seinen Gaumen lief und die Zuckungdes Mitleidens durch sein Herz; ob er heutegleich im zweiten Stockwerk die Disputazion überdie Freiheit, als ein wahres zertheilendes Mittel,als ein Schußwasser, wenigstens als eine Ader-laßbinde über seine offne Adern übergeschlagenhatte? Ich fragte ob er an die Gute lange nichtdenken konnte. — Aber ich würde die Antwortgar nicht geben und aus Mitleiden mit dem un-schuldigen Viktor es vor so viel überrindetenSeele» — die in ihrer leeren Brusthöhle die poe-tischen Freuden der Liebs gut heißen und doch diepoetischen Leiben derselben nicht — gar nichtoffenbaren, wie oft er jeden Milchzucker desSchicksals mit dem giftigen Bleizucker derErinnerung versetzte, wenn ich nicht deswegenmüßte:. . .
— weil die kleine Julia wieder kam aus demSchlosse und das Versprechen mitbrachte, morgenkomme Tante schon (Klotilde). Dieses versprachalso, daß die Ministers - Tochter morgen abfahre.— Man verarge den Pfarrleuten die Zudringlich-keit um Klotilden nicht: denn am dritten Feier-tag geht sie zum Balle, am Tage darauf nachMaienthal — sie hatten ja nur noch morgen undheute. . . . Die kleine Julia hatte unser Fla-min, dem ihr Penny-Postamt wohlgefiel, mitge-bracht. — Ich bin moralisch gewiß, die Kaplaninsah meinem Helden soviel an als ich von ihmschreibe, und sie liebte ihn so sehr, daß wenn siestatt Los Schicksals hätte dekretieren müssen, sie vorKummer gestorben wäre, eh' sie eS über sich ge-wonnen hätte, den Solm auf Kosten des Freun-des zu beglücken. — So sehr gewann er durcheine schöne Vereinigung von Feinheit, Em-pfindung und Phantasie die schönsten undweichsten Herzen, ich meine die weiblichen.
Diese winzige Julia, der Nachflor der unterge-gangenen Giulia, band in Viktors Seele Rosenmit Nesseln zusammen; und alle seine heutigenBlumen der Freude halten ihre Wurzeln in lie-fen Thränen, die seine Brust verdeckte. Ihnrührte sogar der Kuß von Klotildens Freundin,von Agathen. Er dachte an das Stamitzischs Kon-zert, und an ihr Nebeneinancersein und an denFlorhut, der den Schmerz von zwei geliebten Au-gen verhing. Er bat Agathen, sie sollte vonKlotilden diesen Hut entlehnen und ihm ein ge-naues Ebenbild darnach machen, weil ers verschen-ken wolle. — »Wenn sie fort ist (sagte er zu sich)
-nein, aber wenn sie todt ist: dann wein'
»ich unverhüllt und sage allen Menschen frei her-»aus, daß ich sie geliebt Habs." —Du Lieber, überdem Loupvi' — ein Pfarrer kann eines geben —wird man den Glanz deiner Augen mehr dem sichselber entladenden Witze zuschreiben, als dem zu-ruckgexreßten Thränenwaffer, und ich könnte dich,wenn ich mitäße, vor Rührung nicht ansehen,wenn du unter dem Aufhammern und »Härten"der rothen Eier dein überquellendes Auge starrund kalbzugedeckt auf einen rothen Eierpol nie-dcrzuhesten suchtest, und schweigend deinen Eier-giebel dem Fallbocke des Eymannschen Eies