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H esperus.
- weil ich mit Fleiß darauf aus bin, sie kleinerzu machen — noch ganz andere, ganz verdammtePosten nicht gebracht, sonder» z. B. den Reichthumvöllig ausgelassen, dieses Schmerzengeld so vielertausend Schrammen und Splitternngen der Brust,und überhaupt Millionen Seelenwunden, die un-ser durchlöchertes Ich ganz durchsichtig machenwürden, wär' es nicht zum Glück ganz vom Kopfbis zum Fuß in englisches Taftpflaster gekleidet... . Aber ich ließ alles dergleichen weg, weil ichwüßte, es wäre doch so gut wie nichts, wenn ichsgegen ein ganz anderes Fegftuer und Gewitterhielte, in das vorzüglich wir Mannxersvnen ge-worfen werden, wenn wir so unglücklich sind, daßwir uns selber kiclholen—- nämlich uns verlieben,welches meines wenigen Erachtens ein geringerVorschniack der Hölle ist, so wie des Himmels.Die beste Peereß in diesem Fache schreib' an michund konvertier' es rostfrei an die Verlaghandlungln Berlin und nenne sich nur, wenn sie fähig war,ihren armen K6o nicht zu schinden und zu
spießen, noch niitZwickelurtheln zu verfolgen, nochihm mit den Druckmaschinen der Hände sein Herzvoll Quetschwunden, mit der Fächerbastonads sei-ne» Kopf voll Fissuren, mit den Augen die Brust vollBrandblasen zu machen und ihn: wie dem Rauch-taback mit Thränen eine Baizs zu geben.... We-nigstens komm' ich selber gegenwärtig gerade aus ei-nem solchen Zucht- und Hatzhaus her und seh' er-bärmlich aus in meiner Haut, als hätt' ich eineskalpierte um mich geschlagen.
Wir wollen nichts weiter davon reden. MeineAbsicht bei diesem allen ist, den Leser standhaft zumachen, weil ein ganz neues Negengesiirn, das ichgar nicht namhaft gemacht, für ihn herauf steigt,um ihn einzuschneien. Das tobet ärger als allesVorige. Ich meine so ein Neichsbürger kannschon mit allem zu Ranke sein — seine Kasse undseine Feinde können schon gestürzt und seine Arbei-ten voni Publikum oder vom Kollegium recht gutaufgenommen —ssineFristgesuche bewilligt sein unsdie Qninqnennels seiner Schuldner abgeschlagenworden — seine jüngste Tochter, die wie die ältestedes Bruders des sranzöstschen Königs, Mademoi-selle heißet, kann schon die Blattern überstandenhaben und die Verlobung nachher: es hilft ihmwenig, das Aergste, eine ganze Gehenna erwartetihn noch — im Bücherbrei; kenn dort könnendie schönen Geister, er habe immer schon alle bit-tern Salze des Geschicks hinunter geschluckt, unterdem Namen Romanen - Manna ein hartes Thrä-nenbrod ihm vorgeschnitten haben, das ich fürmeine Person weder backen noch käuen möchte —wahrlich sie können (in einer andern Metapher)Todtenmärsche und Tranerkantaten für ihn gesetztund bereit gelegt haben, die ihn ganz niederwer-fen und ihm warm machen, daß ihm die Augenübergehen.
Und zum Unglück zeichnen sich gerade warmblü-tige und weichhäntigs herrliche Männer am we-nigsten durch standhaftes mäßigendes Ertragender poetischen Leiden aus, die ihnen die Schreiberzuschicken. Ich kann daher dieses dritte Heft, daszu leicht rühret, unmöglich ohne alle Vorrede alseins Witerlags lassen, wenn ich nicht selber Ur-sache sein will, daß unschuldige Menschen bei den be-
sten Austritten'dieses Hefts weinen und mit leiden.Solche zu weiche Menschen, denen die Natur dieästhetische Apathie gegen große Leidensäile in Tra-gödien und Romanen versagt hat, sollten sich —sie müßten denn fett sein; denn Fetten thut derKummer gut wie Hungerkur und Höllenstein —diese sollten sich durch Philosophie kalt machen undbewaffnen gegen den tragischen Dichter; sie solltensich unter dem Lesen eines großen Jammers tröstenund sägen: --wie lange dauert ein solches gedruck-"tes Unglück? — Wie bald ist ein Buch und Leben--hinaus — Morgen denkst du doch anders — Der
- unglückliche Zustand, in den ich durch Shakspeare
- hier gebracht werde, existiert ja nur in meiner--Vorstellung, und der Schmerz darüber ist ja, nach--den Stoikern, nur Täuschung — Man muß, sagt--Cpiktet im Handbuch, das nicht bejammern, was--nicht in unserem Willen liegt, und hier die trau---rige Szene von Klopsivck ist ja ei» äußeres Ding,--Las du nicht ändern kannst — Willst du dich von--einem Nordamerikaner, vom Halloren, vom Pö---bel, vom Kretin aus Ger beschämen lassen, der--diese ganze Szene aus Göthe's Taffv still und--gelassen aushielte, ohne ein Auge naß zu ma---chen? " —
Ich betheur' eS den Lesern, daß ich hier nurgegen ihre Weiber und Schwestern zu Felde liege;denn unter den Lesern fehlten standhafte Zu-schauer ästhetischer Leiden niemals ganz und nochweniger als selber unter dem Pöbel, und ichmöchte am wenigsten den Schein haben, als stritt'ich dem größer» Theile der Gsschäftleute, der Re-zensenten, Kriminalisten und Holländer große Ge-lassenheit unter dem Lesen überflortcr trüberSzenen ab, die ich und andre in die Presse gaben.Ich berede mich vielmehr gern, daß — wenn jemalsHoffnung dazu war—eS gerade jettzt ist, wo der Deu-schs jenen belgischen Stoizismus, jene edle Uneni-pfindlichkeit anzunehmen verspricht, die ihn so ziertund durch die er gegen MelpomenenS Dolch schuß-nnd stichfest wird, und in Dantes Hölle, wie Chri-stus in der wahren, ohne Leiden ist. Wir hattenzwar nie die Empfindlichkeit der Franzosen, undihr Racine wäre immer für uns ein kurzweiligerRath gewesen; aber jetzo sind wir, wenns einVerfasser nicht gar zu kranS macht und nicht garzu viele Schlachtfelder und Kelche mit Mäusegistund Nabensteine vorschiebt — denn das greift unsan — sondern wenn er nur so halb aufgeräumt —ich seh' ihn ordentlich reiten — auf einem Trau-erpferde daher setzt und mit der einen Hand eineTvdtenglocke schüttelt und mit der ankern ei-nen Leichenmarschall . Stab Wehs schwenkt;oder wenn er vollends nur die unsichtbaren zuge-quollenen Stichwunden der zarter» feinern Seelevorzeichnst; da sind wir jetzo schon im Stande,unsere lustige Laune zu behaupten und z» zeigen,was der Deutsche erträgt. Leute von geringererKraft schlafen wenigstens, damit sie bei einerGoetheschen Jphigenie nicht leiden, weil derSchlaf Leidende aufrichtet; oder wir vergessensolche Elegieen gar, weil wir nach Platner keinGedächtniß für Schmerzen haben, und weil dieVergessenheit — wie ein Fürst schrieb — das ein-zige Heilmittel der Schmerzen ist; oder der Him-mel schenkt uns, wie nach Leid Freude, Pach einer