Hesperus
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— Man muß nur dem deutsche» Reichstage undseinen Querbänken kein Geheimniß daraus ma-chen, daß Viktor den neunten Kur Hut, odergar den achten und letzten, nicht annehmen will,wenn er dafür den FI orhut abstehen soll....Was können, sagte er, die plumpesten dickstenKronen, die man mir auf meinen Reisen vorge-zeigt , in der einen Schale wiegen — gesetzt manwürfe auch noch einige Tiare» und Dogenmützenmit Bügeln und päpstliche Hüte zu den Kronenhinein — wenn auf der andern Klotildens Flor-hut zieht? — Da der Leser eben so viel Verstandhat wie ich selber: so entscheid' er hierauf. — Die-ser Hut gab ihm ein unaussprechliches Sehnennach Maienthal und war für ihn ein Dedika-zionknpfer, das ihm (wie durch eine luvestituruper Meum) Klotilden erst schenkte; er blieb vordieser Krone als Kronerbe — jede Minute zogseinen Kronwagen — mit zwei großen Freuden-trvpfen stehen, die das glückliche Auge nicht faßte,und sagte langsam den Kopf wiegend: »Nein, das»gütige Schicksal gibt mir zu viel — Ach wie»kann ich diese Seele vom Himmel verdiene»? —»Ich werde blos zu ihr sagen: ich bin bei»! und»spät einmal: du bist mein!" — Und als gar seinePhantaste hinter dem Florgegitter die zwei gro-ßen Augen ausschloß, die sonst darunter die Thrä-nen eines zurückgestoßenen Herzens verborge»hatten, und als er die entzückte Stimme wiederhinter diesem Sprachgitter aus Schattenfäden re-den ließ: so konnt' er sich nicht mehr halten, son-dern er schrieb — damit er nach Maienthal dürfe— dem Hute gegenüber den ersten Brief an sie,den ich morgen Abends gewiß mit der Post er-halten werde vom Hunde. —
Ich glaube, ich hab' es gar noch nicht gesagt,daß Agathe ihm den Hut auslieferte und daß sieihn — es ist gegen das Ende des Aprils — auf den»ten Mai zum Geburttag des Vaters einlud.Viktor dachte an den melancholischen Uten Mai vomJahre <)2 und wurde noch sehnsüchtiger nach derentrissenen Freundin.
Eh' ich das Kapitel schließe, will ich nur denjüngern Klotilden, den Vize-Klotilden, den Kebs-KlotilLen und den Gegen-Klokilden, die mich undmeine Kapitel auf dem Schooße haben, das nochsagen: seid kalt! Ihr könnt die weibliche Tugend-Kälte gar nicht zu weit treiben, ihr müßtet ihr denngar keine Gränzen stecken. — Ich will euretwegendiese Lehre in weise Sprüche und witzige Senten-zen kleiden, damit sie besser auf Fächer und inStammbücher geht.
Die Liebe muß wie der Aurikelsame auf Schneegesäet werde»; beide wärmen sich durch das Eisschon durch und gehen dann desto frischer auf —Ihr müsset euch nie zu einem bloßen Geschenkemachen, sondern zu einem Frauenzimmerdank derRitter — Ihr erhallet und verdient gerade so vielAchtung, als ihr sodert, und ihr.könnt, ihr mögtlegiert sein wie ihr wollt, euren Münzstempeloder Prägstock aus der Tasche ziehen und euch da-mit prägen zu einem Damend'or für den einenHerrn, und zu einem elenden Fettmännchen fürden andern — Ein Wüstling zeigt in einer Ge-sellschaft wie ein Luftreinigkeitmesser durch die ^verschiedenen Grade seiner Kühnheit die ver-l
schiede,len Grade des weiblichen Verdienstes anaber in umgekehrtem Verhältniß....
Sagar wenns nicht zum weiblichen Ehrenpunktegehörte, müßte mans doch begehren, um nur eineMühe mehr zu haben —weil mein Geschlecht hier-über völlig so denkt wie ich, der ich aus keinemEidams Werbehaus eineTvchter verlange, wo nichtwenigstens die Eltern etwas wider mich haben; —und eS kann hiemit bekannt werden (ich lasse cSdeshalb nicht in die Zeitung setzen) daß ich mirvon Eltern, die aus ihrem Vcrsteigersaal vollTöchter, aus ihrem Liebes-Jnvkulazionhospital eineoder die andre abstehen wollen, und denen einBerghauptmann, Gerichthalter, Musikmeister undLebenSbeschreiber — das mögen meine wenigenAemter sein — keine zu verächtliche Partie ist,daß ich, sag' ich, von diese» Eltern erwarte, daßsie (wenn ihnen die Sache ein Ernst ist) mir we-nigstens das Haus verbieten oder den häufigenBriefwechsel: — daS frischet Schwiegerlöhuean.
30. Hundposttag.
ürirfe.
Hätt' ich oder ein anderer hinter einem Buschoder einem Hohlwege ausgepuffet und wären wirzu rechter Zeit vvrgebrochen: so hätten wir diezwei in einander gesiegelten Briefe, die Viktor nachMaienthal schickte, dem Boten abnehmen können,der kein deutsch verstand, nämlich seinem italiäni-schen Bedienten. Der Brief an Emanuel war derUmschlag des Briefes an Klotilde — die Freund-schaft ist immer daS Umschlagetuch der Liebe. VomUmschlage will ich nur einen Ausschnitt geben, eh'ich den Brief an Klotilden ganz mittheile. Erbat seinen Emanuel, dieses nur für eine Briefdeckez» nehmen und die Jnlage Klotilden allein zuübergeben — er sagt' es ihm ohne weitere Erklä-rung, er hänge nicht von seinen Wünschen, son-dern von Blumenketten ab, die ihn zurückzögen vonden andern Blumenketten in Maienthal, und einevielfache Umschnürung mit Guirlanden könneman nicht durchbrechen, weil man nicht wolle —er war absichtlich über sein neues Verhältniß mitKlvtildcn undeutlich, weil er ihre Erlaubniß zumGegentheil nicht voraussetzen durfte — er batscherzhaft seinen Freund, seine Freundin zu bitten,daß sie ihm befehle, nach Flachsenfingen zu reisen,damit sie einander zu sehen bekämen — (ich komm'aus dem Perioden, wenn ich die Absicht dieserWendung zeige) — er strich in seinem Kopfe dieFrage wieder aus: ob Klotilde noch des Arztes be-dürfe? blos weil er einer für sie im doppeltenSinne war, und fragte nur, ob sie genesen sei —Endlich schloß er so:
»Und so siatter' ich denn mit ziemlich abgestäub-ten Schmetterlingschwingen im unabschlichen Tem-pel, der für unser Phalänen-Auge in kleinere zer-^ fällt, und dessen Säulen-Laubwerk wir für die