Band 
I.
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Hesperus

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und Opferhammer wahrscheinlich so lang aufge-hoben schweben lässet, bis er mit seinem Kopfedarunter steht, der ohne seine Zurückkunft nichtzu haben ist.

Aber ein Pastorfido fragt den Henker nach derersten Schneelauwine. Auf den Harmvnikaglockenseiner Phantasie hören die äußern Uebelklänge desSchicksals wie das Wagengervlle des Pflasters aufeinem Saitenbezuge, in sanft auffliegendem Er-tönen auf. Bei ihm war, wie bei den Astrologender April, gleich meinem Buche, dem Abend-sterne, d. h. der Venus geweihet.

Hingegen die andere Schneelauwine lag schonim voraus aus seiner Brust —der mögliche Bruchmit Klotildens Bruder. Einen eifersüchtigen be-kehren die zwölf Apostel und die zwölf kleinenPropheten nicht; — wenn er am Sonntage ku-riert ist: so wird er am Montage wieder krank,am Dienstage raset er und am Mitwochs könnt ihrihn wieder losbinden, er ist matt und klug und

-paffet nur auf. Der eifersüchtige Krebs auf

der Brust ist nie ganz zu schneiden, wenn ich großenHeilkünstlern glauben soll. — Damals war nochdazu etwas Wahres dran; auch schaffet es der Ei-fersüchtige zeitig bei; Eifersucht erzwingt Untreue,und das gequälte Weib will, so viel an ihr ist, denMann nicht im Irrthum lassen. Ich kann mirdi? Mühe nicht machen (sondern der Leser) inmeiner Lebensbeschreibung meinem Helden allekleine Fugen und Eflöcher nachzuzählen, wodurcher bisher seinen Flamin in sein verliebtes Herz sehenund hören lassen: diese Astlöcher sind desto grö-ßer, da er vordem dritten Ostertag ebendarum unvorsichtiger war, weil er unschuldigerwar, oder vielmehr unglücklicher.

Dazu kam, daß Flamin — der den theuernEvangelisten Matthäus täglich aufrichtiger undoffner fand (wie ein ausgeschoffeneS Zündloch)— seinen treuen Bastia» täglich für hinterlistigerund undurchsichtiger ansah. Ich wollt', der Re-gierrath wäre gescheuter: aber dichte Seelen, wieViktors seine, die mehre Kräfte und eben darumauch mehre Seiten haben, scheinen freilich weni-ger porös zu sein, so wie volllöthige Schrift-steiler weniger deutlich — ein Mensch, der euchalle seine schillernden Farben seines Herzens mitOffenheit aufdeckt, verliert dadurch den Ruhm derOffenheit — einer, der wie Viktor fremde Kniffeaus Laune sammelt und vormacht, scheint sie nach-zumachen—ein veränderlicher, ein ironischer, einfeiner Menjch ist in eingeschränkten Augen ein fal-scher Dieb von Haus aus. — Auch sprang Viktor,wennS ohne Lärm anging, langen ErwähnungenKlotildens, d. h. langen Verstellungen aus demWege; und eben diese Flucht vor Hinterlist, ebenseine jetzige größere Menschenfreundlichkeit gegenFlamin verschattcten gerade seine edle Gestalt;und über den verdrehenden Argwohn tröstete ihnnichts als die süße Betrachtung, daß er dem Bru-der seiner Geliebten und seines Herzens zu Ge-fallen den schönsten Tagen in Maienthal den Rü-cken zukehre.

gleichen, die nur solche Statuen zerschlugen, die an Got-tes Statt Anbetung empfangen hatten.

31. Hundposttag.

Klotildens Äricf — der Narhtliote — Kiste undSchnitte im Lande der Frennlstchast,

Ich wollt' es in die Lfteraturzeitung rückenlassen, ich hätte Herrnschmidts vsculviogi»zu meinen (gelehrten) Arbeiten vonnöthen —nämlich zu diesem Kapitel: ich wollte daraussehen, wie man zu Herrnschmidts Zeiten mit denWeibern umging. Zu Jean Paul's Zeiten gehtman schlecht mit ihnen um, in Romanen nämlich.Blos der Engländer kann vortreffliche Weiberporträtieren. Den meisten deutschen Roman-Formern schlagen die Weiber zu Männern um,die Koketten zu H —, die Statuen zu Klumpen,die Blumenstücke zu Küchenstücken. Daß dieSchuld mehr an den Malern als an den Urbil-dern liege, wissen nicht nur die Urbilder selber,sondern auch der Berghauptmann schon daraus,weil die Romanleseriunen alle noch romantischersind, als die Romanheldinnen, noch feiner undzurückhaltender. Der Berghauptnnmn thut hier,— ohne die Absicht zu haben, daß ihn acht vor-nehme Weiber in Mainz, wie den Weiber - undMeistersänger Heinrich Frauenlvb, zu Grabe tra-gen — einen gedruckten Eidschwur (d. h. Schwur-schwur) daß er die meisten seiner Zeitgenossinnenbesser antraf, als sie der gute offne, aber leererohe Kopf des Verf. des Alcibiades und Norden-schildS zeichnen kann. In der That, wenn dieWeiber nicht den Männern alles verziehen, sogarden Autoribus (imd zwar täglich siebenzigmal, undsie reichen den andern Backen dar, wenn der einedurch Küssen beleidigt worden): so könnt' es keinBücherverleiher erklären, wie Menschen, derenKopf doch schwerer, deren Zirbeldrüse kleiner ist,und die sechs Knorpelringe der Luftröhre mehrhaben — nämlich zwanzig überhaupt, wahrschein-lich zum Mehr-Reden — deren Brustbein kürzerund deren Brustknochen weicher sind als bei denMännern, wie doch solche Menschen weiblichenGeschlechts noch die Magd oder den Kerl in eineLesebiblivthek mit dem Auftrag schicken können:„einen Nitterroman für meine Mademoiselle!"Meine Feder-Kollegen — in Rücksicht der Wei-ber bin ich nach der Bergsprache blos von der Fe-der, nicht von Feuernochvon Leder —wertenzur Erziehung der Leserinnen wie nach Lessing dieJuden zur Erziehung der Völker nur darum ge-wählt, weil sie roher sind als die Zöglinge.

Jede Frau ist feiner als ihr Stand. Sie ge-winnt mehr durch die Bildung als der Mann.Die weiblichen Engel ( aber auch die weiblichenTeufel) halten sich nur in den höchsten feinstenMenschen-Schubfächern auf; es sind Schmetter-linge, an denen der Sammt-Fittich zwischen zweirohen Mannfingern zum nackten häutigen Lappenwird — es sind Tulpen, deren Farbenblätter eineinziger Griff des Schicksals zu einem schmutzigenLeder ausdrückt.-