He sperus.
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eigner Bruder; ist nicht das Verhehlen der Liebsdas schönste Entdecken derselben? Zeigt nicht einSchleier — ein moralischer, mein' ich — dasganze Gesicht und ist für nichts unzugäng-lich als für den Wind — den moralischen, mein'ich — ? Decket nicht das gläserne Gehäuse derDamenuhr Las ganze darauf gefirniste Uhrxvrträtam Boden auf und wendet blos das Beschmutzen,nicht das Beschauen ab? — Und was wirst du fürBemerkungen machen, wenn ich dir diese beidenvorlese!
Der Brief stärkte zugleich Viktors Wunsch, umKlotilde zu sein, und seine Kraft, ihn aufzugeben,bis des andern Tags in der Nachttisch - Stundeein Zufall alles änderte. Matthieu, der fast mehrBesuche bei Feinden als bei Freunden ablegte,kam vom Apotheker herauf. Er sah die Prospektevon Maienthal und den Florhut; und da erwußte, daß seine Schwester Joachime beides habe,so sagte er scherzhaft: »ich glaube, Sie wollen sichverkleiden, oder man hat sich entkleidet." Viktorflatterte mit einem leeren lustigen »Beides!" dar-über. Er nahm nicht gern den Namen der Liebeoder eines Weibes vor einem Menschen in denMund, der an keine Tugend glaubte, am wenig-sten an weibliche, der zwar wie andre Spinnenauf andre Musik, sich an seinem Faden auf dieLiebe niederließ, der aber wie Mäuse aus Liebezu den Tönen, über die Saiten kroch und sie zer-sprengte. Viktor war ungern (vor seinem Hof-leben) mit solchen philolophischen Ehrenräubernunter unbescholtenen Mädchen, weil es ihm schonwehe that, an den Gesichtpunkt der ersten erinnertzu werden. »Von meiner Tochter, sagt' er, müßten»sie nicht einmal das Dasein erfahren, weil sie»einen Vater schon dadurch beleidigen, daß sie sichsie vorstellen." —
Matthieu sprach von dem nächsten patriotischenKlub (den Uten Mai am Geburttag des Pfarrers)und fragte, ob er dabei wäre. Agathe aber hatteihn schon gestern (am vorletzten April) daran er-innert. Endlich führte Matz seine Frage vor,»ob er nicht auch zu Pfingsten von der Partie sei»— Er habe mit dem Regierrathe (Flamin), der»dazu immer Ferien brauche, eine kleine Lustreise»abgekartet, nach Großkussewiz zum Grafen»von O — Er habe da zu thun, noch einige Ouar-»tiere deS Hofstaats den Kussewizern zu bezahlen,»und den Grafen von O zu einem gütlichen Ver-gleich über das neuliche Mißverständniß umzu-»stimmev, daher er den Juristen mithaben müsse»— Vielleicht seien die Engländer bei diesem»Kongresse — das Reisecorps könne dann so große»Vergnügungen haben wie ein corps cklploina-»tique, nachdem es vorher eben solche Geschäfts»gehabt. Der Graf von O liebe überhaupt Eng-»länder sehr, ob er gleich nicht gern Engländer»reite — denn er hab' eS sehr bedauert, daß er»neulich mit dem H. Hofmedikus bei der Fürstin»gesprochen, ohne Sie zu kennen." Sebastianhatte seine lange stumme Aufmerksamkeit mit ei-nem kalten »Nein!" beschlossen, weil die Ausdün-stung dieser falschen fliegenden Katze mit einemätzende» Gift sein unbeschirmtes Herz überzog.»Was hab' ich (dacht' er unter jener Einladung)»diesem Menschen gethan, daß er mich ewig ver-
»folgt — daß er mit einem Messer, dessen eine»Seite vergiftet ist oder beide, meinen Jugend-»freund unter unsern doppelten Schmerzen von»meiner Seele schneidet — daß er seine Minier-»höhlen bis an fremde Orte fortführt, um mich»in allen Stellungen über seinem Pulver zu ha-»ben?" Viktor mußte nämlich nach allem besor-gen, daß die Pfingstreise eine Entdeckreise sei,worauf Joachime dem Bruder, wie Ritter Michae-lis den Morgenlandfahrern, Fragen über dieUhrbriefsache, über Testat» u. s. w. mitgebe, umwohl gar beim Fürsten eine Anklage daraus zubilden. Er hielt das Untere seiner Karte, d. h.seines tugendhaften Schmerzens so, daß esMatthieu nicht ganz sehen konnte, um ihm eineboshafte Freude zu entziehen. Dieser, dernicht eine Spitzenmaske, sondern eine eiserne undnoch dazu eine mit einem Halse trug, hatte ofteine solche Kälte, daß man seinen wüthigen Zornnicht begriff und umgekehrt — aber jene hatte erim Lager, diesen in dem Gefechte gegen den Feind.Wenn ihn jemand sogleich aufbrachte, so warsein gutes Zeichen und bedeutete, daß er nichtsgegen ihn im Schilde führe.
Nach dem Abmarsch des Evangelisten, — als ersich auszankte, daß er ihn den Florhut finden las-sen, den er überhaupt mehr verschlossen hätte,wäre Flamin öfter gekommen — sah er sich nachKlvtildens Schattenriß um, damit der reizendeSchatte sein Zürnen kühle. Er war nicht anzu-treffen : seine erste Hypothese war, Matz hab' ihnstill gestohlen, um so mehr da er sie geschnitten.Hat er den Schattenriß wirklich eingesteckt: sowäre der Evangelist — denn mir wurde wie be-kanntlich gleich beim Anfange dieser Geschichte dieSilhouette Übermacht — gar mein korrespondie-rendes Mitglied Knes und er schickte mir die Avis-fregatte, den Spitzhund zu. — Toll ists, daß michder Korrespondent durch solche Nachrichten selberauf den Argwohn bringt.
Indem Viktor den lieben Florhut als den Ersatzdes Bildes in die Hand nahm und träumend be-sah: so schlugen am Hute ganz neue frische Blumenfür seine Seele aus. „Wie, sagt' er zu sich, muß„ich denn gerade den Schattenriß anschauen?„Kann ich nicht das — Urbild selber dazu wäh-len?" Kurz der Hut wurde ein Glücktopf, aus demer eine frohe Stunde zog, nämlich den Vorsatz,auf Pfingsten zu verreisen, aber nach — Maien-thal. Er hielt sich ernstlich vor, daß ihm undKlotilden die zu weit getriebene Schonung eineseifersüchtigen Bruders, dessen irre Hoffnungen jakeine Schwester zu stärken verpflichtet sei, nochdazu durch die menschenfeindlichen EingebungenMatthieus erschweret und vereitelt werde — daßalso ihr Absondern so wenig erleichtere, als ihrBesuchen verbreche — baß es indessen schön sei, denBruder zu schonen und blos in seine Abwesenheiteinen verdächtige» Ausflug zu verlegen, bis ihneinmal die heruntergezogene Binde in der Un-getreuen die Schwester entdeckte und im Neben-buhler den schonenden Freund — und daß es im-, mer besser sei, sie in Maienthal, als bei seinerZurückkunft in seiner Nähe zu sprechen —und daßi der über seine Abstammung belehrte Bruder ihm-einmal doch blos vorrücken könne, er habe ihm