Band 
I.
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Hesp erus

Löseschlüffel allemal vernommen hatte Bind - undLöseschüffeln. —

Die Drillinge wollten erbärmlicher Weiseerst »ach dem Essen kommen. - Die Seele derrothen Appel dampfte eben darum ein Wilkpret-Fümet aus und roch wie angebrannte Milchsuppeund klagte, sie behielt' alle Arbeit allein auf demHals, und als Agathe ihr beispringen wollte, sagtesie: »ich kann es Gott sei Dank! so gut machen»wie du!'' — der Regierrath war angelangt,aber leider wieder auf die Felder hinausgelaufenbis zum Essen — Agathens Gesicht war wie einFelsenkeller von der Kälte ihres Bruders gegenViktor ausgeschlagen: — Nur die Pfarren» wardie Pfarrerin; nicht blos Ein Vaterland, sondernEin Liebeathem reihete ihr Herz an sein Herzund es war ihr unmöglich, auf ihn zu zürnen.Sie liebte ein Mädchen, wenn ers lobte; wäresie ohne Mann gewesen: so würde sie entwederLiebebrief-Stellen» oder Brief-Trägerin fürihn geworden sein. — So lieben Weiber: ohneMaß! Ost hassen Sie auch so. — Dazu setzet nunmein Korespvndent noch, daß er aus dem Bad-dorfe einen ganzen Zeugenrvtul zum Beweiseausziehen könnte, daß die Pfarrerin nicht blosallemal, sondern auch am heutigen Ventos - undPluvios-Tage es mit ungeschminkter Fassung ei-ner Christin auszuhalten und zu erleben ver-mochte, wenn eins etwas fallen ließ, eine Tasseoder ein Wort. Zu so etwas — zur Apathie ge-gen einen gegenwärtigen gänzlichen Verlust einesSuppen-, eines Spülnapfes, eines Fruchktellers— ist vielleicht eben so viel Gesundheit als Ver-»unft vvnnöthen.

— Endlich trat Abends der Hofjunker ein undsagte, Flamin sei noch im Garten.. Viktor nahmes aus, als sei es ihm gesagt, und ging hinausund trug sein beklommene» Herz einem andernbangen entgegen. Flamin fand er in einer über-täubten Ecke hinausstarrend mit den Augen zumWachsbilds des verstoßenen Geliebten; ViktorsHerz ging wie zwischen Thränen schwer in derübervollen Brust. Flamins Gesicht war nicht mitdem Panzer des Zorns, sondern mit dem Leichen-schleier des Kummers bedeckt. Denn hier aufdem Vvrgrund einer hellen warmen Jugend,gleichsam auf dem klassischen Boden der vorigenunersetzlichen Liebe, wurde er zu weich und zuwarm — auf dem Dorfe widerrief er die Härteder Stadt — und was noch mehr war, lauterFreunde seines Freundes, lauter liebevolle Lob-reden auf den verschmähten Liebling drängten undwärmte» sein verarmtes Herz, und er konnte ihnhier noch leichter entschuldigen als entbehren.Viktor bewillkommte ihn mit der sanften Stimmeeines gedrückten Herzens, aber dieser sagte alleGedanken und Worte nur halb. Viktor schauet?tief in die Seele, die um die Freundschaft trauerte;denn nur ein Herz sieht ein Herz; so sieht nurder große Mann große Männer, wie man Bergenur auf Bergen erblickt. Er hielt es daher fürkein Zeichen des Grolls, da Flamin langsamvon ihm wegging; aber er mußte, so einsam dagelassen, seine Augen von der geweiheten Erde desGartens, wo ihre Freundschaft sonst die Blütengeöffnet hatte, und von der Opferlaube, wo er bei

seinem Vater für Klvtildens und Flannns Ver-knüpfung gesprochen, und von der hohen Warte,dem Tabor der freundschaftlichen Verklärung, vonallen diesen Begräbnißstätten einer schönern Zeitmußt' er die Augen abwenden, um die ärmere zuertragen. Allein das, was er nicht anschauenwollte, stellte er sich desto Heller vor.

Jetzo dehnte die Gebet- und Abendglocke ihremelancholischen Bedungen aus bis an die Herzender Menschen — die vergangnen Zeiten schicktendie Töne, und die Abendklagen sanken wie heißeBitten in die getrennten Freunde: "O söhnet euch„aus und gehet zustimmen! Ist denn das Leben so„lang, daß die Menschen zürnen dürfen; sind denn„der guten Seele» so viele, daß sie einander flie-„hen können? O diese Töne zogen um viele„Aschen-Leichen, um manches erstarrte Herz voll„Liebe, um manchen geschlossenen Mund voll„Grimm; o Vergängliche, liebet, liebet euch!" —Viktor ging willig ( denn er weinte) dem Freundenach und fand ihn am Beete stehen, woraufEymann dessen Namcns-k j» Kohlrabipflanzengrünen ließ, und er Ichwieg, weil er wußte, daßzu allen sympathetischen Kuren geschwie-gen werden muß. O eine solche schweigendeStunde, wo Freunde wie Fremdlinge neben ein-ander stehen und mit dem Verstummen das alteErgießen vergleichen, hat zu viele Herzstiche undtausend erdrückte Thränen und statt der Worte dieSeufzer!

Viktor so nahe am Freund wollte, da unter demGeläute seine schönere Seele, wie Nachtigallenunter Konzerten, immer lauter wurde, von Mi-nute zu Minute an dieses schöne edle Gesicht, andiese zum Versöhnkusse geründeten Lippen fallen— aber er erschrak vor der neulichen Abstoßung.Er sah jetzo, wie Flamin ins Beet immer weiterschritt und die Herzblätter der Kohlrabi langsamumtrat und auseinander quetschte; endlich merkteer, dieses Zerknirschendes grünenden Namens seiblos die stumme Sprache der Trostlosigkeit, diesagen wollte: "ich Haffe mein gequältes Ich und ich--möcht' es zermalmen wie meinen Namen hier:"für wen soll er?" — Das riß Blut aus Viktors»Herzen und weggekehrte Thränen aus seinemAuge, und er nahm sanft die langentzvgene Hand,um ihn wegzuführen vom Selbermorde des Na-mens. Aber Flamin drehte sein zuckendes An-gesicht seitwärts nach dem wächsernen Schattenseines Freundes und sah, starr abgekrümmt, hin-auf. — "Bester Flamin!" sagte Viktor mit demgerührtesten Laute und drückte, die brennendeHand. Da riß sie Flamin aus seiner heraus undstieß mit den zwei Handballen die Thränentropfenin die Augen zurück — und athmete laut — undsagte erstickt: Viktor! und wandte sich mit großenThränen um und sagte »och dumpfer: -stiebe mich--wieder!" — Und sie stürzten zusammen und Vik-tor antwortete: --ewig und ewig lieb' ich dich, du„hast mich ja nie beleidigt" und Flamin stammelteglühend und sterbend: „nimm nur meine Geliebte„und bleibe mein Freund" — Viktor konnte langenickst reden, und ihre Wangen und ihre Thränenbrannten vereinigt aneinander, bis er endlichsagen konnte: ,-o du! v du! du edler Mensch!„Aber du irrest dich irgendwo! — Nun verlassen