Hesperus
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vor fünf Tagen zurück. — Viktor will morgen amersten Pfingsitag vor der Sonne aufbrechen, umam dritten wieder zurückzukommen, wenn sie inAmerika aussteigt. — (Ich wollt' er bliebe länger)— Es ist ein schöner blauer Montag in derSeele (jeder blaue Tag ist einer) und eine schöneDispensazion von der Trauerzsit des Lebens, !wenn man (wie mein Held) das Glück hat, aneinem h. Abend, unter dem Gebetläuten, undwenn der Mond schon über die Häuser herauf ist,.vor den Aussichten in die schönsten Pfingsttageund in die schönsten Psingsigesichter, ruhig und
> schuldlos in Zeusels Erker zu sitzen, alle Vvressen
> der Hoffnung anzuschneiden, alle Vorsteckrosen
> und Anzeigen des schönsten Morgens zu sammelui und unter den lärmenden Bndenvorspielen LeöI Festes den zweiten Theil der M u m i e n gerade! in den Freudensektoren zu lejen, wo ich meine»
! und Gustavs Einzug in das himmlische Jerusa-
! lem zu Lilienbad abzeichne.-Alles das hatte
! wie gesagt der Held ....
! Aber als er, der zwischen seiner Pfingstreise undl jener Badreise im Buche so viele Verwandtschaft! ausfand, endlich mit seiner bewegten Seele an! die Zerstörung jenes Jerusalems kam : so sagte erl mit dem ersten traurigen Seufzer für heute: "Oj du gutes Schicksal, ein solches Schlachtniesser lege! nie am Herzen meiner Klorilde an: ach ich stürbe,
! wenn sie so unglücklich würde wie Beate. " — Und! er dachte weiter nach, wie die rothe» Morgenwolkender Hoffnung nur schwebender erhöhter Regen sind,und wie oft der Schmerz der bittere Kern derEntzückung ist, gleich dem goldnen Reichsapfel des
> deutschen Kaisers, der zwar 3 Mark und 3 Loth! schwer ist, aber innen mit Erde ausgefüllet. ..
! Beim Himmel! wir versalzen uns alle mit Nacht-1 gedanken den h. Abend ohne Noth, und es weiß
> keiner von uns warum er so seufzet. — Ich habe
> ja das ganze Pfingsifest schon kvpeilich vor mir! und es steht kein einziges Unglück darin, es müßte^ denn Viktor noch einen vierten Psingsttag als
> Nachsommer anstoßen, und in diesem müßte es! etwas absetzen. Ich gesteh' es, ich bin gern ästhe-! tischer t'E'v lerrikle und setze der Welt, die in! meine unsichtbare Mutter-Loge sich hineinliefet,
! gern den Degen an die Brust und dergleichen! Streiche mehr — das kömmt aber davon, weil man! in der Jugend WertherS Leiden liefet und besitzt, von! welchen man, wie ein Msßpriester, ein unblutigesj Opfer veranstaltet, ehe man die Akademie bezieht.
! Ja wenn ich noch heule einen Roman verfaßte:i so würd' ich — da der blauröckige Werther an§ jedem jungen Amoroso und Autor einen Ouasi-j chrisius hat, der am Karfreitage eine ähnliche Oor-! nenkrone aufsetzt und an ein Kreuz steigt — eSj auch wieder so machen. . . .
— Aber es ist Zeit, daß ich mein Maienthalöffne und jeden einlasse. Ich will nur nicht län-ger verheimlichen, daß ich gesonnen bin, diese-Zganze Paphos und Rittergut a» den Leser gar zuverschenken, wie Ludwig der XI. die GrafschaftBonlogne der h. Maria zuwarf. Ich gedenke da-durch vielleicht über andere Schriftsteller, die ihrenLesern nur ihre Kiele bescheeren, eben so weit vor-zustechen, als der König über den alten Lipsius,der der Maria nur eine silberne Feder vermachte.
Anfangs wollt' ich dieses Elysinm mit seinen drei-mähtigen Wiesen und Nadelhölzern selber behalten,weil ich im Grunde ein armer Teufel bin undwirklich nicht mehr einzunehmen habe, als einPrinz vonWürtemberg sonst, nämlich yo sl. rlin.Apanage und 10 fl. zu einem Ehrenkleide, undweil ich mir aus die mir von Gott und Rechtswe-gen zuständigen 2 Quadratmeilen Landes — dennsoviel wirft die ganze Erde bei ihrer gleichen Zer-schlagung nach einem guten Theilplane auf denMann aus— wahrlich so wenig Rechnüng mache,daß ich die zwei Meilen an jeden gern um einenelenden Schaf - Pferch hingeben will. — Und wasmich am meisten zurückzog, Liese Schenkung unterden Lebendigen mit meinem Maienthal zu machen,war die Sorge, daß ich ein Feudum Leuten, Lesern,Landboten, Knäsen zuwende, die tausendmal grö-ßere Woiwodschaften und Chatoullgüter inne ha-ben und die man aufbringt, wenn man sie derMaria ähnlich macht, die aus einer Himmels-Königin eine Gräfin von Bonlogne wurde, oderdem römischen Kaiser, der zugleich am Kröntageein Mitglied des Marienstifts zu Aachen werdenmuß. —
Aber was können denn alle .ihre Majorate —ihre Deutschmeistereie» — ihre Afterlchn — undihre!>ntni!»ovin l'vti-i (eine Anspielung auf m ei nMti'iinoninir, ?a»//) — und ihre großväterli-che» Güter und alles ihr aus das Erdenschiff ge-ladno Schiffgut, kurz ihre europäischen Besitzungenauf der Erde, was können, sag' ich, diese Holläu-Lereien für Produkte liefern, die vor den Maicn-thalischen nur von weitem bestanden? Und wachsenauf ihren Kronengütern himmelblaueTage, Abendevoll seliger Thränen, Nächte voll großer Gedanken ?— Nein, Maienthal trägt höhere Blumen, alsdie das Vieh abreißet, schönere Hesperiden-Aepfel,als die Obsirammern bewahren, überirdischeSchätze auf unterirdischen, Eden-Kompetsnzstückewie Klotilde und Emanucl sind, und alles wasunsre Träume malen und unsre Freudenthränenbegießen. —
— Und eben dies entschuldigt mich, wenn ichdas Maienthalische Freuden - Taselgut tausendMitwerbern abschlage, wenn ich als dessen Lehn-probst mit diesen: Schwäbischen Schupflehn nichtbelehnen kann solche Leute, die auch zu keinem ei-gentlichen Feudum taugen, moralische Blinde,Lahme, Minderjährige, Verschnittene w. — Undhier muß ich mir viele Feinde machen, wenn ichaus den Vasallen und Mitbelehnten, denen mandaS Maienthal mit allen seinen poetischen Nutz-nießungen zu Lehn gibt. namentlich alte Salba-der ausstoße, die denRittersprung der Phan-tasie nicht mehr thun können — sieben und vier-zig Schcerauer und hundert drei Flachsenfinger,deren Herzen so kalt sind wie ihre Kniescheibenoder wie Hundeschnautzen — die größten Ministerund andere Große, an denen wie an großengebratnen Fleischklumpen blos die Mitte noch rohist, nämlich das Herz — 1/2 Billion Oekonomen,Juristen, Kammer- und Finanzräthe und Plus-tz. h. Minnsmacher, in denen die Seele wie anAdam der Leib aus einem Erdenklvße geknätetworden, die einen Herzbeutel haben, aber keinHerz, Gehirnhäute aber kein Gehirn, Pfiffigkeit