Band 
I.
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Hespe.ruS.

Gesträuchen fliegenden Zephyre hinein, weichedie Säemaschinen der Blumen sind — sie tratenvor die fünf Taschenspiegel der Sonne, vor dieTeiche, da die Flüsse Pfeilerspiegel sind und diebunten Ufer die Spiegeltische — sie sahen wie dieNatur gleich Christus ihre Wunder verbirgt, abersie sahen auch die Brautfackel des vermählende»Maies, die Sonne, und eine Hochzeilkammer injedem singenden Gipfel, und ein Brantbett in je-dem Blumenkelch — sie, die Hvchzeitgäsie derErde, schlugen die Biene nicht weg, die um siehvnigtrunken taumelte, und trieben die äzenteMutter nicht auf, vor der der junge Vogel mit zit-ternden Flügeln zerfloß — und als sie auf alleErdenstufen des ewigen Tempels, dessen SäulenMilchstraßen sind, gestiegen waren: so sank dieSonne, wie die Gedanken des Menschen, einerandern Welt entgegen. . . .

Der Springbrunnen im Garten des Endes*,der mitten auf den, Abhänge des südlichen BergeSsich empor richtet und hoch über den Berg weg-schimmert, trug schon auf seiner krysiailnen dün-nen Säule einen von der Abendsonne zu einemRubin umgegossenen Schaft, und diese glim-mende aufgeblätterte Rose zog sich wie andereentschlafende Blumen schon zu einer rothen Spitzeein — und die hängenden Marschsäulen derMücken im letzten Strale schienen zu sagen:morgen wird es wieder schon, geht zurück, ach ihrspielt doch länger in der Sonne als wir. —

Sie gingen zurück; aber als Viktor im Abenddie fünf hohen weiße» Säulen am westlichen Endedes geliebten Gartens blinken sah: wurde sein er-höhtes Herz sehnsüchtig und beklommen, und erwehrte ihm nicht, zu seufzen: "gute Klotilde!--ach ich möchte wohl dich heute noch sehen, mein--Herz ist voll Freutenthränen über diesen heiligen--Tag, und ich möchte es wohl ausschütten vor dir.--

— Und als der ganze Park der Ablei sich stolz ne-ben den Abendhimmsl stellte und in ihre Herzentrat: sagte auf einmal Cmannel — der sich im-mer gleich blieb, so gar in seinen Entzückungen:

— --ich will es der Aebtissin schon heute sagen,--damit Klotilde sich auf morgen freutund ertrennte sich.. .. Schöner Mensch! der du in vierWochen auS diesem Blumenfrühling zu gehenhoffst in die Sterne über dir — du denkst mehrdie Unsterblichkeit als den Tod, dich hat keine dro-hende Rechtglänbigkeit, sondern die indischeBlumcnlehre erzogen, darum bist du so selig; dubist ohne Zorn wie jeder Sterbende, und ohneGier und ohne Angst; in deiner Seele, wie amPole, wenn jeden Morgen die schwüle Sonne aus-bleibt, geht der Mond der zweiten Welt, denganzen Tag, die ganze Nacht nicht unter! —

Viktor führte allein den Blinden nach Hausund beide schwiegen und umarmten sich mitBruderthränen hinter jeder Verhüllung, undfragten einander weder um die Ursachen der Um-armung noch der Thränen. Da sie durchs stille

> * So hieß der Park der Abtei, den der Lord Horion !

^ in seinem romantischen Geschmack anfangen, aber nicht

> vollenden lassen, weil er auf die Insel der Vereinigung

! siel. Zch webe die Beschreibung davon nur stückweise

j in die Begebenheiten ein.

Dorf waren und dem Park der Abtei vorbei kamen:sah Viktor seinen Emanuel aus der letzten Laube indaS blendende Kloster treten. Es war ihm, alskennte ihn schon jede darin, als müßt' er sich ver-stecken. Der Garten der Begeisterung sollte in den,Tbale nur das Blumenbeet in einer Wiese sei»,und nicht durch grelle Schranken an der Naturzurückprallen, sondern sanft wie ein Traum insWachen durch blühende, belaubte Gränzen in sieüberhängen und überfließen durch Hopfengärten,durch grüne dicht zusammengerückte Zäune umFruchtfelder und durch versäete Kindergärtchen.Eine weite Kastanien-Säulenreihe von zweii Bächen in Silber gefastet, schloß sich frei und! weit gegen die fünf von Blüten durchbrochenen

- Teiche auf. Der nördliche Berg richtete sich demi Parke gegenüber wie eine Terrasse empor, und^ führte das Eden scheinbar über ungesehene Thä-

> ler fort.

> Viktor wich jedem aufgehenden Fenster des! Klosters durch die Kastanien aus, unter die er

> seinen Blinden führte und hinter denen er näherund doch unbeobachtet beobachten konnte. Aufdem auS grünenden Dachlatten verwachsenenWetterdach der Allee lag der Abend wie ein Herbstmit rothem dnrchfallendem Schimmer. Ergingtrotz der Gefahr der Ertappung bis in die Mitte,wo die Allee in zwei Arme zerspringt; aber hierwählte er den rechten Arm der belaubten Halle,der sich mit ihm vom Kloster wegbog, so wievon einer Nachtigall die mitten im Garten auSeiner geheiligten Dornhecke ihre Zungen undihre Töne aussandte. Der BaNmgang that ihmdurch die sanften Entfernungen von den Bravour-arien der gefiederten Prima Donna die Diensteeines Dämpfers und Lantenzugs — leise würd' ervon den Krümmungen, die die allmälige Verdun-kelung und Verengerung der Allee verbargen, fort-gezogen zwischen den nachfliegenden Tönen derNachtigall, zwischen den dünnen durch die Blättertropfenden Nbendstralen, zwischen den zwei Bä-chen , die jetzt innerhalb der Kastaniengaffedahin schlüpfen. — Die Bäche gingen enger aneinander und ließen nur f: r die Liebe Raum. —Der Portikus senkte sich tiefer herein. — Diezerstreuten Blumen der zwei Ufer drängten sich

l zusammen und gingen in Gesträuche über. -Die Gesträuche verwuchsen zur Gartcnwanv undberührten sich anfangs in lose und durchsichtig zu-l hängenden Gipfeln und endlich in finster znsam-

- mengcsirickten. — Und die Allee und der unter' ihr aufgewachsene Laubengang grünten in ein-ander hinein, um mit ihren zusammenfallenden! Blütenküllen nur eine einzige Nacbt zu machen.

^ — Dann versperrte in der grünen Dämmerung

ein Zelängcrjelisbergespimist nnd Blükengenifledie Laube, aber fünf aufsteigende Stufen locktenzum Zerreißen des blühenden Vorhangs an. Undwenn man ihn zertheilte: sank man in ein Vlü-tengeklüft, in eine enge durchwachsene Gruft,gleichsam in einen vergrößerten Blumenkelch. Indieser delphischen Höhle der Träume war der Pol-ster aus hohem Grase gemacht und die Arme desSitzes aus Blütenzweigen, »nd die Rückenlehneaus gedrängten Blumen, und die Lust aus demHauche von -stäubendem Zwergobst. Dieses Blu-

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