Hesp erus
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Emanuel sprach sogleich von dieser geliebtenSchülerin; gar nicht als ob Klvtilde ihm dendritten Osterfeiertag klar erzählt oder als obEmannel nicht errathen hätte, sondern dieser un-schuldige Mensch wußte nur den Unterschied zwi-schen Liebe und Freundschaft nicht, und er hätteso gut voft sich als von Viktor gesagt, er liebe sie.Und eben diese kindliche Unbefangenheit, die eineroffnen weiblichen Herzkammer keine Durchgang-gerechtigkeit, keine Breschen ablauerte, sondern dieeignen entblößte, und die keine Geständnisse er-angelte, keine verargte, keine benutzte, Liese mußtemit dem gordischen Nervenknoten der Sympathiedie scheueste weibliche Seele an eine so offnemännliche binden. Ja, ich glaube, Klotilde hatteihre Liebe leichter ihrem Lehrer als ihrem Gelieb-ten bekannt. — Da ihm dieser Emannel nun er-zählte, wie er ihr alle Szenen seines vorigenHierseins vorgemalt habe, — und alle seine Ent-zückungen und sein Geständniß der Freundschaftfür sie — wie er ihr seine Briefe vorgelesen undwie der zweite (jener trostlose in der Nacht desStamitzischen Konzerts) so viele Thränen in ihreAuge» getrieben — und da Viktor sah, wie sehrsein Freund ihre Liebe wie einen zugehenden Tul-penkelch auS einander gehaucht habe: so fachtedieses seine Liebe für sie, seine Freundschaft fürihn bis zur Andacht an, und er küßte selig verle-gen den Blinde». Aus dieser doppelten Liebserklärt er sich jetzt Klotildens leichte Einwilligungin seine Pfingstreise.
Er hätt' es für einen Engels - und Petrusab-fall von der Freundschaft gehalten, bei Emanuelnicht gerade anzufragen, wann er die Geliebte —der Tugend sehen dürfe. --Jetzt!" sagte dieser,der ungeachtet seiner indischen achtenden Mildegegen die Weiber die Nasenringe, Bindeschlüffelund Dämpfer unserer Harems - Dezenz nichtkannte. Aber Viktor handelte anders und dachtedoch eben so. Er hatte schon im Auslande ge-fragt: --Warum läßt man die elende ReichSpoli--zeiordnung für Mädchen stehen, daß sie z. B.--nicht einzeln, sondern immer wie Nürnberger--Juden unter dem Meßgleite einer alten, oder--wie Mönche Paarweise auswandeln müssen?--Nicht etwa» als ob mich dies beschwerte, wenn--ich einen Roman spielte, aber doch, wenn ich ei---nen schriebe, wo ich mich an das weibliche--Marschreglemcnt auf Kosten des knnstrichterli---chen halten, und ein Geleite von Anxiliarweibern--durchs ganze Buch mit mir zum Verhack meiner--Heldin herumschleppen würde. Müßt' ich nicht,- wenn ich sie nur über die Hauskhüre hinaus--haben wollte, mit einer Kronwache von Siegel---bewahrerinnen neben ihr herziehen? Wär' ich--nicht durch diese verdammte Mitbelehnschast und--Kompagniehandlnng mit der Tugend — es fehlte--an einer Proprehandlung — genöthigt, meiner--Heldin wider alle Wahrscheinlichkeit Freundin---nen aufzuheften? Ich würd' es zwar einem--spanischen Mädchen verdenken, wen» sie mir ih---ren Fuß, und einem türkischen, wenn sie ihr Ge-zücht vorwiese, und einem teutschen, wenn es--allein zum besten Jüngling ginge; aber eben--weil die tollsten blauen Gesetze, die doch blauer--Dunst an blauen Montage» werten, zum wah-
,/ren SitteNgesetze für sie werden: so ärger' ich--mich über die jämmerliche Kleinherzigkeit und»wünsche nichts verboten zu sehen als das — Wal---zen und Fallen." ... Er hat hier vielleichtSatire in pvtto; denn ernsthaft davon zu spre-chen, hat diese Heilordnung, daß sich Mädchen beiuns allemal wie Gesuche bei Fürsten in Duplika-ten einreichen müssen, offenbar die Absicht, sie allean einander zu gewöhnen, weil sie ihre Freund-schaft haben müssen zu Besuchen — zweitens sol-len Geschwister einander aus den Haaren kom-men, weil sie nicht wissen, wann sie einanderbedürfen zu Rückbürgen ihrer Tugend und zuSekundawechseln der Liebe — drittens geben dieseMenschensatzungen der weiblichen Tugend durchden kleinen Sittendienst (weil große Versu-chungen zu selten sind) tägliches Religion-Ererzi-zium und höhere Wichtigkeit, und verhalten sichwie die Talmudischen Artikel zur Bibel, wiewohlein rechter Jude lieber gegen die Bibel alsden Talmud verstößt — viertens verdanken wirdiesen symbolischen Büchern des Wohlstandes diefrühere Bildung des weiblichen Scharfsinns, demwir leider keine andern Gelegenheiten der Auf-merksamkeit verschaffen, als die der Schwur aufjene Bücher gibt.
Viktor tadelte und befolgte zugleich, wie eingutes Mädchen, die weiblichen Ordenregeln; derHof hatte ihn beherzter, aber auch feiner gemacht,und unter den Weibern würd' er wie jeder mirdem Linienblatt des Zeremoniels versöhnt. Da-her wollt' er erst am zweiten Pfingsttage sein or-dentliches Gesandtenauffahren bei der Aeblissinabthun, da heute alles zu spät war und er über-dies in die schönen frommen Bewegungen drübennicht wie ein Haarstern fahren wollte. Und seineZufriedenheit sagte ihm ja auch, wie wenig dieNachbarschaft eines geliebten Herzens ver-schieden ist von der Gegenwart desselben, dieohnehin nichts ist als blos eine nähere Nachbar-schaft.
Inzwischen überwand er sich doch so weit, daßer mit seinen Zwillingbrüdern des Herzens —hinaus ging ins Kolosseum der Natur, ob ergleich sich nicht verbarg, draußen werd' er denSchrecken haben, Klvtilden zu begegnen. UndEmanuel verringerte diese Sorge schlecht, da erihm gestand, sie sei bisher alle Tage mit ihremverwundeten Leben um die Teiche wie um magne-tische Heilwannen, und durch die Flur wie durchFeldapotheken gegangen. Eilet endlich hinaus,ihr drei guten Menschen, ins Jubileum des Früh-lings , das die Erde jährlich zum Andenken derSchöpfung begeht. Eilet, ek' die Minuten aufeu-rem Leben wie die breiten Wellen auf den zweiBächen jetzo noch fliehend, und schillernd, und tönendzerspringen und auslöschen an einer Trauer-weide—eilet, eh' die Blumen eurer Tage und dieBlumen der Wiese von dem Abende überzogenwerden, wo sie statt der Lebens- und Feusrluftnur giftige verhauchen — und genießet den erstenPsingsitag, eh' er verrinnt!
— Und er ist verronnen, und ein Sommer liegtheute schon wie ein Grab auf ihm: aber die drei lie-ben Menschen haben geeilt und ihn genossen, eh' ersich entfärbte. .. . Sie wandelten unter die aus allen