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Hesperus.
Wochen eingefeuchtet hatte. Viktors Herz schlugvor Freude als wenn er ein Kind mit darunterhätte oder eins wäre, als die bunte gepuderteWesenkette mit hüpfenden Flittern, mit hochstäm-migen Blumensträußen,, mit schwarzgleißendengeistlichen Musenalmanachs, vor dem Kommando-und Hirtenstab ihrer zwei Konsuln, singend undbesungen und eingeläutet und angeblasen durchs,Kirchen-Siegthor einzog.— Ach! Kindern stehtdie Freute noch schöner wie nnS, so wie ein un-glückliches, ein bettelndes, den, das Schicksal daSerste Kindergärtchen zertritt, und vor dessen Au-gen beim ersten Aufschlagen inS Sein nichtshängt als schwarzes ungestaltetes Morgengewölk,unser Herz betrübter macht, als der Vater dessel-ben nebe» ihm. —
"Beeret sede Minute eures ersten Triumphtages"ab, ihr guten Kinder, und ich wollte, die Pre-„digt würde recht lang, damit ihr den schönen„Anzug länger anbehieltet!" sagte Viktor und sahsich nach den, Kloster um, dessen Fenster voll un-kenntlicher Zuschauerinnen waren; er setzte sichvor, bei der Rückkehr der Kin^erprozession sichunter den Fenstern das mit dem schönsten Inhaltauszusuchen durch ein Taschenxerspektiv. — Gehenur, menschenfreundlicher Mensch, der die schönenSeele» liebt wie die schöne Natur und die kaltenerträgt wie die Wintergegeud, und der sich nierächt; gehe nur an den Bächen auf und ab, weilda der Fußsteig der Fischer ist und weil du aufdeinen dichterischen Ringrennen keinem Bauernnur einen Zwieselwagen voll Hen, wie ihn dieKinder aus Haselruthen flechten, niedertretenwillst! Fülle den Zwischenraum zwischen dem erste»und dem dritte» Himmel, wo tu Mittags nichtmit Abraham, sondern mit deiner Klotilde amTischs der Aebtissin sitzest, mit einem zweiten,nämlich niit den. Umarmen der ganzen Natur,die nie holder in die Seele hineinschauet, alswen» auf ihr nicht weit von der Seele eine —Geliebte wohnt! —
Ein Wandelgang mit zwei zusammenblitzendenBächen und zwischen ihren lakierte» von Schaum-würmern beschneieten Weiden überzog Las ganzeInnere bis auf jeden Winkel einer dunkeln Thränemit Morgenglanz. — Noch dazu schauete Viktorimmer über die Wiese hinauf zu Emanuels off-nem Fenster und ließ sich ein Lächeln von ihm wieeine laufende Welle voll Licht heruntcrwehen. —Noch dazu blieb er nicht da, sondern ging zweimallunauf und störte ihn mitten in seinem Schreibe»durch ein kindliches Umfassen. — Noch dazu legt'er seinen Augen Meilensiiefel an und lief überdie ganze sich hier bäumende, dort sich bückende,hier leuchtende, dort schaltende Landschaft, umeine Post- und Reisekarte zu den schönsten Stellenfür die Nachmittag-Spaziergänge mit Klotilde»schon hier voraus aufzunehmen und zu leimen,weil Nachmittags die Entzückungen vielleicht dieWahl der Entzückungen verfälschen! — Und soschuf die Natur in seinem Geiste ihren Morgenund ihren Frühling noch einmal aus dem Erden-kloß deS ersten Frühlings, d. h. aus der heißenSonne, aus dem kühlen Bache, aus dem Schmet-terling, den der Mai aus der Hülse schälte, ausden bunten Mücken, welche die gebärende Erde
aus dem Larvensamen wie fliegende BlümchenHervortrieb. — Da schloß er unter dem Spazen-und Schwalbengetobe im Dorfe und unter demFelogeschrei der Lerchen und vor den blendendenWellen der Bäche, die Augen zu und ließ seineSeele in das klingende Meer und in das vornAugenlieL gemalte Helldunkel untertauchen; aberdann wäre sein Herz erdrückt worden von derSchöpfungflut, die über dasselbe ging aus allenRohren und Betten und Mündungen des Lebensum ihn, aus dem verstrickten Geäder des Lebens-stroms, der zugleich durch Blumenrinnen, durchBaumgoffen, durch weiße Mückenadern, durchrothe Blutröhren und durch Menschennervenschießt... er wäre Freuden-vhnmächtig ertrunkenim tiefen weiten Lebensozean, den Lebensströmedurchkreuzen und nachfüllen, hätt' er nicht wiejener Ertrunkne ein Glockengeläute in die Wellenhinunter gehört.
Kurz — die Kirche war aus und er mußte hin-ter einen Blätter-Jagdschirm gehen, um, wenndie kleinen Abendmals-Panisten aus der nachor-gelnden Kirche und unter dem nachtrompetendenThurm vorbei zögen, dann mit dem Taschenper-spektiv zuzuschauen, w er zuschaue aus dem Klo-ster. Klotildens Angesicht schwebte, wie durchMagie vorgerufen auS der zweiten Welt, dichtani Glase, und er konnte unvertrieben seineSchmetterlingflügel um diese Blume schlagen; er-kennte frei in ihre großen Augen wie in zweimit Thauglanz gefüllte Blumenkelche sinken. Er-sah nie einen so reinen Schnee des Augapfels umdie blaue Himmelöffnung, die weit in die schönereSeele ging; und wenn sie daS Auge in den Gartenniederlchlug, stand das große verhüllende Augen-lied mit seinen zitternden Wimpern eben so schöndarüber wie eine Lilie über einer Quelle. Die'Liebe fängt sich wie das Zeichnen und der kei-mende M e »sch beim A uge an. — Da die Kin-der vorüber waren: so wandte Klotilde ihr Ange-sicht langsam und frei gegen Emanuels Laubhütteund schauete mit dem weiten sehnsüchtigen Blickeder Liebe herüber. . . .
Und mit einer solchen Liebe, die wie ein Herzin seinem Ich pochte, kam Viktor sanimt seinenzwei Freunden droben im Kloster an. Die Nebtis-sin (ihr Name wird nur gar nicht berichtet,nicht einmal ein falscher) empfing ihn mit einemhohen Air, das ihr Stand nicht gegeben, sonderngemildert hatte. Ihre Seele wurde gekrönt ge-boren. Die ** Fürstin, deren Oberhofmeisterinsie war, spielte zuweilen gern das Kind (Kindererwiedern es umgekehrt und repräsentieren ihreRepräsentanten): aber ob sie gleich einen dreißig-jährigen Stolz besaß, so fiel sie doch ihrem Stecken-pferd in den Zügel, sobald die monarchische Ober-hofmeisterin erschien- die im ganzen Lande (dieSchwanen ausgenommen ) den Kopf am meistenzurückbog. Eine Frau wie diese, deren BlickeThroninsignien und deren Worte iiruuckatn su-oi-cv emsni-vM inu)estaUs propria waren, hatteaus den Händen der Natur selber die Huldigung-münze und das Throngerüste, um ihren Reichs-apfel gegen die Schönheitäpfel junger Mädchenabzuwägen — eine solche konnte die Klotilde be-herrschen und formen. Ihre Seele war von drei