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Meistern gemalt: -- der Hintergrund von derWelt - - der VorgrunS von der Kirche — derMittelgrund von der Tugend. Ihre uszetischenBestandtheile setzten sie auf eine sonderbare Weisein einige Wahlverwandtschaft mit Emanuelü indi-schen. —
Ich kenne nichts rührenderes und schöneres alsdie weibliche Verbeugung aus jener tiefen Achtung,mit der gute Mädcken ibre Liebe allein zu sagenwagen. — Glücklicher Viktor! deine Klvtilde em-pfing dich mit so vieler Achtung wie ihren Lehrer.Nur die Kokette wird durch die Liebe befehlhabe-rischer (ein kieselsteinerneS Juristenwort!); aber dieStolze wird dadurch bescheiden und sanft. — Nieaß er froher als in diesem hellen Lustschloß, vordessen offnen Fenstern ein blauer Horizont undnaher brausende und mit Musik besetzte Alleenruhten, als in dieser geputzten Orangerie aufblü-hender Mädchen, anstatt daß ein Gymnasium eineMenagerie ist, und ein Schwesternhaus eine Vo-liere. — Viktor, der Weiber noch besser zu lenkenverstand als Männer, war im arbeitende» Amei-senhaufen dieser lebhaften Mädchen so gesund wiein einem Ameisenbad, und war ein zweiter Bie-nenvaterWildau, der sich aus demJmmenschwarmbald einen Bart zusammensetzte, bald einen Muff.Es gehört mehr männlicher Verstand zu einer ge-wissen feinen Galanterie als die haben, die sie inihren Satiren mit der fade» vermengen; so wienur Gebirge den süßesten Honig darbieten. DerErnst muß den Scherz grundieren, die Achtung unddas Wohlwollen das Lob. Viktor konnte leichtervor zwei, als vor zwei und dreißig weiblichen Au-gen in Verlegenheit gerathen, welche letzte übri-gens der gröbste Dvnatschnitzer und Germanismusin der weiblichen Grammatik ist. Er hatt' eslängst gelernt, die flüchtigen Salze des weibli-chen Witzes mit den fixen des männlichen zubin-de», so wie die Kunst, in großen Zirkeln jede Seele,jede Raupe auf das rechte Nährblatt zu setzen.
Für ihn, der einmal gesagt: "ich wollte, ich»hätte wenigstens viermal des Jahrs mit Damen»zu kouversieren, bei denen man so viel tonvnru-e»anbringen müßte, daß man gar nicht wüßte, was»man wollte und die fein bis zum Unsinn wären"— für ihn war eine hohe Dame wie die Aebtissin,die man seit dem Niederlegen ihres Oberhvfmei-sterthums ein klein, klein wenig mit einer Preziv-ssn verwechseln konnte, ein wahres Labsal; denner konnte ihr doch die physiognomischen Fragmentevorn Hofe mit taufend Wendungen, d. h. ein Voll-gesicht durch fünf Punkte verzeichnen. Aber erhatte dabei die noch edlere Absicht, seine anbetendeAufmerksamkeit, sein zuweilen in Gestalt einerThräne ins Auge tretendes Herz von seiner gelieb-ten Klotilde wegzurufen, um ihr eins ganz andereAufmerksamkeit zu ersparen als die seinige. Aufeins sonderbare Weise zog immer gerade sein sati-risches Gefühl seinen ernsten Gefühlen, seiner er-weichten Seele die Mosisdecke ab — er schämtesich nämlich keiner Thräne, blos weil er wußte,daß ihn seine Laune gegen den Verdacht der Ueber-treibung und gegen den Spötter beschützen könnte;so wie wieder umgekehrt sein schillernder Witz un-ter Thränen, wie Phosphor unter Wasser, sei» Lichtaufbehielt und nährte. —
Zum Glück machte jetzt Enianuel, der mittenunter dem Essen in den Garten gegangen war, daer wieder kam, den Antrag eines Spazierganges.Denn in seiner Seele standen nur große Ideennoch vom Leben übrig, wie vom alten Aegyptennur Tempel, keine Häuser nachblieben; und seineUnwissenheit in kleinen Dingen muß kleinenDingern lächerlich sein. — Die Aebtissin hatteKlotilden als Unterkönigin der feurigen Nonnenneben sich auf den Thron genommen. Viktorstellte mit seiner einzigen Person das churmärkischePupillenkollegium unter diesen flatternden Grazie»vor. Klvtilde übergab den Blinden gerade einem,ganzen Taubenfluge der lebhaftesten Wegweiserin-nen, weil sie alle um das Bovtinann- und Zsigesin-geramt beim Blinden warben : sie liebten ihnalle wegen seiner himmlischen Schönheit, aber (daer die ihrige nickt fall) nur so wie sie einen schö-ne» Knaben von füufJahren herzen. ... Zu einerandern Zeit würde Viktor sich gewiß umgesehenund fein angespielet haben, daß die Schönheitdie Blindheit führe; aber heute sah er sichnur um aus andern Gründen.
— Endlich war die Jnjel der Seligen, die schondurch den Nebel seiner Kinderträume weit, wettvvrgeschimmcrt hatte, setz» der Boden unter seine»Füßen, und er machte die Entdeckreisen durch sei-nen Himmel — er und Klotilde schwiegen einigeMinuten, weil ihre Herzen sanft vor Freute zuwallen anfingen, daß sie endlich allein neben ein-ander und vorder großen Csplanade des Frühlingsstanden. Unter den! >e!igen Lächeln, dem stummenBuchstaben der Wonne, und unter zitternden Athem-zügen, dieser h. Sanskritsprache der Liebe, warensie schon ani ersten Teiche, über dessen Kristallspie-ge! sich eine Brücke wie vergoldetes Laubwerkschlangelt. — Sie stockten in der Mitte dieserglatten Mond - und Spiegelscheibe geblendet, weil.der Sonnenschirm nicht gegen zwei Sonnen aufeinmal, die im Wasser dazu gerechnet, deckenkonnte; sie kehrten sich halb uin und suchten mitden Blicken im malenden Wasser das tiefere Him-melblau und zwei stille beglückte Gestalten auf, dieeinander mit ihren feuchten Augen anblickten. Osein Auge ruhte warm in ihrem widergesiraltenwie die Sonne in der unterirdischen Sonne, undsein zitternder Blick wurde das lange Beben und'Aushalten eines einzigen Tons; denn die imWasser wohnende Göttin sank mit ihren Augenseiner Seele entgegen, weil sie die verdoppelteEntfernung seiner Gestalt benutzen wollte, die sichauf zehn Fuß betief. — Um endlich das übermäch-tige Entzücken zu schließen, führt' er seine Au-gen weg von dieser Glasmalerei und richtete sie(d. h. er verdoppelte es blos) an das Urbildselber; und das Jneinanderrinnen der Blicke, dasZusanunenzittern der Seelen warf in den engenAugenblick die Gefilde eines langen Himniels. —Und sie sahen, daß sie sich gefunden hatten und daßsie sich geliebt hatten, und daß sie sich verdienten.Unter dem Weitergehen konnte Viktor nur sagen:»v möchten Sie so unaussprechlich glücklich sein»wie ich heute." — Und sie antwortete leise, wieein unter weiche blätterlose Blüten verstauchterZephyr, so leise: »ich bin es wohl. "... Ach ichhabe mir oft es vorgemalt, wenn wir uns alle ein-