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> gend laufen, so daß der Tugendhafte statt deri Zukunft erst die Vergangenheit, statt des Himmels! erst die Erde zu verdienen hätte.
! Der- Nachmittag lief wie eine lichte Quelleüber bunte Kleinigkeiten wie über Goldsand hin-über, über kleine Freuden und über große Hoff-nungen , über zarte Aufmerksamkeiten und überden Blumenstaub wohlwollender Feinheiten, derdas beste Heftpulver der Herzen ist. Viktorfühlte, daß eine Geliebte, die viel Verstand bat,der Liebs einen eignen pikanten Geschmackmittheile; sie selber fühlte, daß das Herz, daSman mit weichen bekleideten Händen und nicht mitrohen Griffen abgepflückt, sich besser erhalte, sowiesich Borsdorfer Aepfel länger halten, die man mirmit Handschuhen abgenommen. Ogbleich nachmeinen Tabellen die Liebe gerade am Tage nachdem ersten Kusse am höchste», nämlich auf 112°Fahrenh. oder ic>- dc l'Jsle steht: so war doch mitViktors Liebe zugleich seine Ehrfurcht gestiegen- 0 die Liebe erhebt, worin die Gnnstbezeugungennicht kühner, sondern blöder machen! -Unser Freund fühlte, wie glücklich in der Freudedas Ansichhalten mache, und wie sehr derschäumende Freudenpokal durch einige Messerspi-tzen hineingewvrfnes Temperierpulver sich aufhelleund veredle. Nach einem Nachmittag, wo dieganzen Stunden reizend waren, ohne daß maneinzele außerordentliche Minuten hätte heraus-heben können — wie die Fasanenfedern nicht ein-zeln, sondern in ganzen Büschen glänzen — nachdiesem Nachmittage zog alles in den Garten, aberEmauuel zuerst. Der Jndier vertrug wie Gras-mücken keine Zimmer und schwieg darin oder lasnur und zwar blos — was mich nicht wundert —die Trauerspiele Shakspearcs. ....
Unter dem großen Abcndhimmel, den keinel Wolke einschränkte, thaten sich die Seelen wie
> Nachtviolcn auf. Emanuel war der Cicerone und! Gallerieinspektor dieses malerischen Gartens. Er! führte seinen Freund und die andern zu seinem klei-! nen Blumengärtchen, das am höchsten im Park lag.! Der Park lief nämlich den Berg hinab mit fü n f; gleichsam aus diesen ichubladenweise herausge-j zvgnen Absätzen und Stockwerken. Diese fünf! Ebenen, diese eingehauenen grünenden Stufen,! hielten eben so viel verschiedene Gärten, Baum-! und Staudengärten rc. empor — daher wurde, durch jeden neuen Standpunkt, wie durch einen
Umwandclspiegel, aus dem alten Garten ein neuerzusammengerückt. Den abschüssigen Park faßtenauf beiden Seiten zwei Schlangengänge hoher,
> wankender, brennender Blumen wie zwei hinunterwehende Treppengeländer ein, und hinter jeder
; Blnmen-Schlangenlinie ringelte sich oben vpm! Berge silbernes Geäder mit Hellem, dünnem auf-! nud niederspringendem Gewässer herab *, das in! der Abendsonne eine in aufrechten Windungen da-! liegendeGvldschlangooderJchor-Schlagader wurde.! Auf der obersten letzten Terrasse standen einander
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! * Man hielt den in Bogen auf- und niedergehenden
! Süberfade» für Eine hcruntcrricselnde Quelle; aber die; Bogen mehrcr schicfspringcndcr Springbrunnen waren in
> solche Entfernungen gestellt, daß der eine den andern fort-setzte.
di eAbend - und die M 0 rg en l aub e als diePole des Gartens gegenüber, und der Abend-springbrunnen glimmte über jener und derMorgenspringbrunnen über dieser em-por, und beide saken zu einander wie Mond undSonne herüber.
Und gerade an dem Abendbrnnnen hatte Ema-nuel seinen Zwischengarten. Denn er liebte alsJndier physische Blumen wie poetische, und ihmwar im Dezember ein Blumenbuch eine gewiegteBlumenau und ein Nelkenblätterkatalog war fürihn die Hülse und Cbrysalide des Sommers. Erführte seine Geliebten auf der blumigen Regiondes Berges durch die unschuldigen Blumen hin-durch , die wie gute Mädchen weder Sonne nochErdreich zum eignen Leben dem fremden nehmen— vor der Gpldquaste der Tulpe vorbei — vorden Miniaturfarben des Vergißmeinnicht — vorden bunten Glocken, die auch wie die lanten inden Gießlöchern der Erde gegossen werden — vorden Ohrrosen des Augusts, nämlich den Rosen —vor dem Kalo, der nicht der lustige Engländer,sondern eine «»geflammte Aurikel ist, die beiH. Klefeker in Hamburg zu habe» — vor dergeliebten Agathe, die an die andere in St. Linieerinnerte und die eine schöne Schlüsselblumeist. . . .
Endlich kamen sie an die Abendlaube und auEmanuels Blumen, nämlich an schneeweiße Hya-zinthen, in deren Verschattung der durchsiraltsAbcndspringbrunnen eine bleiche Nöthe tuschte.O wie schön, wie schön wehte da die Wärme derAbendsonne herüber und die Kühle des Abend-windes! — Aber warum sinket, Klotilde, deinAuge und dein Haupt hier so traurig gegen dieBlumen zu? Isis, weil die Wassersäule erlischt,weil die Sonne untergeht? — Nein, sondernweil die weißen Hyazinthen in der Blnmiflen-sprache Julia heißen — 0 weil der Gottesackerherübersieht, dessen hoho wankende Grasblumcnmit ihren Wurzeln über zwei geliebte» Augenstehen, über den Augen der blassen Hyazinthe
Giulia, die das heutigeFest nicht erlebte.-Aber
Klotilde verbarg sich, um nichts zu stören.
Das auSfunkelnds Gold der Wassersäule unddie zurückschlagende Abcndlohe an allen Fensternzogen die Augen zur Sonne, die unter ihre Bühnesank. — Aber ein rollendes Feuerrad des Allegro,womit die Harmonisten auf der Wiese die wei-chende Sonne begleiteten, nahm die Augen zuden Ohren herab, und unten auf der eingehülltenWiese stieg ein neues Theater der Freude mitneuen Schauspielern empor. . . . Zwei Rosenwaren in den Himmel gepflanzt, die rothe, dieSonne, die über der zweiten Halbkugel ihre Blütenaufthat, und die weiße, der Mond , der in unsersniederhing; aber Sonnengold und Lunasilber undAbcndschlacken wurden noch von einem rauchendenZauberdufte eingesogen, und man konnte noch nichtdie Schatten vom silbernen Grunde des Mond-lichiS absondern, und »iederflatternde Blüten wur-! den noch mit Nachtschmetterlingen vermengt.
! Die Glücklichen gingen durch die Kastanienallee! hinab zu den jünger« Glücklichen, zu den Kindern,i die, kühner durch die Gegenwart ihrer Mutter,! zwanzig Freiheitbänme in veränderlichen Gruppen