Band 
I.
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Hcsperus

umzingelten und umkreiseten und nur auf tiefereSchatten warteten, um schneller zu tanzen. Der >Engländer wurde von Klotilde wie ein Freundihrer zwei Freunde empfangen. Das Brautpaar,dem die Wiese als Erbschaft gehörte, hatte dieeigne Musik gegen diese vertauscht und das Bund-fest desselben ruckte in seiner Feier unserem Heldenden heitern Tag näher, wo er, er auch seine Klo-tilde Braut nennen durfte; aber er hatte nicht denMuth, sein errathendes Gesicht gegen diese zuwenden, weil er dachte, sie denke dasselbe und seiauch roth. Nur ein Liebender kann mit der Be-geisterung eines Brautpaars sympathisieren; undnie stiegen schönere Wunsche für eines auf, als fürdieses in zwei Seelen voll Liebe. Eine vierjährigeSchwester der Braut drückte sich an Klotilden an— jene war die kleine Luna dieser Venus bei ih-ren Spaziergänger — und diese entlud gern ihreLiebe in die kleine Hand, die der ihrigen denVorzug vor einem Mittänzer ließ.

Der Mond gab jetzo durch den Widerschein derSonne, womit er dieses KinderparadieS versil-berte, der Freude hellere Farben, und unter demvertieften Schatten der Maienbäume wuchs derkindliche Muth. Alles war beglückt — alles fes-se<los — alles friedlich — kein giftiges Auge warfBlitze — keine einzige Härte störte das metrischeLeben — in melodischer Fortschreitung klangen dieMinuten im Silbertone vorüber und verfingenund hielten sich in dem ausschlagenden Nosendi-ckicht der Abendröthe auf. — Der laue flatterndeAether des Frühlings sog an den Blüten sich vollDüfte und trug sie wie Honig in die Brust desMenschen. — Und als die Pulse voller schlugen,spielten stumme kühlende Blitze um die Nebel desHorizonts, und der Mond zog Lebenslust* aus denBlättern, um auf ihr den abgezognen Geist ihrerKelche gesünder zuzuführen.

Viktor und der Engländer und Emamiel undKlotilde nebst einigen von ihren Freundinnenstanden unten wie gebende Götter der Freute ne-ben den Kindern und wurden durch den Genußder fremden Labung trunken. Unser Freundhatte eine zu heilige Liebe, um sie (zumal so vie-len Fremden und dem Engländer) zu zeigen, undlegte dem unbändigen tanzenden Herzen Zügelan. In der edeln Liebe ist das Opfer — undwäre sie es selber — so angenehm wie der Ge-nuß; aber noch leichter wird es neben einemEmamiel, der — das ist das schimmernde Orden-kreuz der Hähern Menschen — gerade in derFreude seine Augen zu dem höher» Leben aufhebtund zur Wahrheit. Diesesmal verdoppelte nochdazu das Gefühl seiner steigenden Gesundheitsein Schmachten nach dem geweissagten Verschei-den. Sein verherrlichtes Angesicht, seine überir-dischen Wünsche und sein stilles Ergeben warengleichsam der zweite höhere Mottdenschein, der inden dunklern fiel; und er störte das wachsendeElysium gar nicht, da er z. B. sagte: »der Sterb-liche hält sich hier für ewig, weil das Menschenge-schlecht ewig ist; aber der fortgestoßene Tropfe»wird mit dem unverfiegenden Strome verwechselt;

* Im Mondschein sondern die Pflanze» Feuer- oderLebenslust ab.

"und keimten nicht imner Nette Menschen Nacht! »so würde jeder die Flüchtigkeit seiner Lebens-»terzie tiefer empfinden" — oder da er sagte:»wenn der Mensch nicht Unsterblich wird, so wird»es auch kein höheres Wesen und die Schlüsse»sind dieselben; dann brennte der stehende Gott»aus dein kämpfenden und erlöschenden Sinn ein-»sam heraus, gleich der Sonne, die, wenn es kei-»nen Erdendunstkreis gäbe, aus einem schwarzen»Himmel lodern und die gewölbte Nacht Lurch-»fchneidcn, aber nicht erhellen würde," — oder daer sagte: »der Gang des Menschengeschlechts zur»heiligen Stadt Gottes gleicht dem Gange eini-»ger Pilgrime, die nach Jerusalem wahlfahrten»und allemal Nach drei Schritten vorwärts wie-»der einen rückwärts thun." — Oder endlich daer auf seines Viktors Bemerkung, daß die Besse-rung nur die groben Fehler, nicht die feinen Ge-wifienbisse aufhebe, und daß ein Heiliger so vielKlagen von seinem Gewissen erhalte als derSchlimme, da er darauf sagte: »unsere Entfer*»n u n g von der Tugend findet man wie die von»der Sonne durch genauere Berechnungen blos»größer; aber die Sonne fließet doch, aller»veränderlichen Rechnungen ungeachtet, im-»mer mit derselben Wärme in unser Ange-sicht" -

Plötzlich lief der Engländer zu den Spielernund foderte — um die Sprünge und Läufer sei-ner Ideen in Musik gesetzt zu sehen — von ihnendas beste Adagio und eilte in das »F lorgezel t"oben hinauf, das der Lord Horion aus eisernenBögen und einem darüber gespannten schwarzenDoppelflor erbauen ließ, um für seine damals er-krankenden Augen den Sonnenschein in Mond-schein umzusetzen. Da jedes Herz bei der erstenBerührung vom Adagio in selige Thränen zerge-hen mußte: so zerlegte die Wonne, die sich zu ver-hüllen suchte, den ruhenden Kreis, und alle flössenaus einander, um (jeder unter seiner eignenkleberlaubung) ungesehen zu lächeln und ungehörtzu seufzen — wie Kurgäste eines Gesundbrunnenzertheilte, begegnete, entfernte man sich in zufäl-ligen Richtungen.

Der schöne Blinde ruhte oben nicht weit vonder Nachtigall gleichsam an der Quelle der harmo-nischen Ströme und Klotilde blickt' ihn trauerndan, so oft sie an ihm vorüber ging und dachte:»arme verschüttete Seele, die Seufzer der Musik»dehnen dein sehnsüchtiges Herz aus und du siehst»nie, wen du liebst und wer dich liebt." — Ema-nuel ging einsam den langen Weg zu seinemBerge mit der Trauerbirke hinauf und zurück. —Viktor irrte den ganzen Garten hindurch: er kamvor verhüllten Obelisken, Säulen und Würfelnvorüber, die den Platz steinerner Faunen besser be-setzten ; er trat in die dunkle nur von der Abend-röthe schattierte Abendlaube, wo er gestern zuglücklich war für einen Sterblichen und zu weichfür einen Unsterblichen; — er drängte sich durcheinen Ring von Büschen, aus denen ein stralen-des Springwaffer vorragte und schloß geblendetdie-Augen zu, als er darin in künstlich belaubtenPfeilerspiegeln einen mit Mondsilber gesättigtenWasssrbogen in zurückweichenden Erbleichungenmillionenmal aufgewölbt und aus weißen Regen-