Band 
IV.
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28 Dämmerungen.

Recht, sogar äußerlich, das Kauffartheischiff vordem Kriegschiffe die Segel; es ist leichter, Ge-winn als Ehre zu suche», leichter zu berechne»als zu bekämpfen; und an sich fodert der kleinsteKrieg, das Duell, mehr sittliches Opfer als derGroßhandel. Der Handel (sagt Montesquieu)knüpft Völker, und zertrennt Einzelwesen — sowie der Krieg, setz' ich dazu, es umkehrt; — undeben jene Zertrennung zeigt sich in den europäi-schen Kolonieen so um desto grausamer, je kauf-männischer die Nazion ist, daß z. B. der Holländerund Britte weit härter als der Däne und derFranzose bisher seine Kolonisten behandelte.Klei» ist die Selbsucht des Kriegers gegen die ^des Kaufmanns, schon weil jener — länger Opfer-thier als Opserpriester-mit nothwendigem hohen ^Sslbsthingeben sich seine kurzen Genüsse einkauft, lDer Handelstand gedachte mehrmals zeikher durch 'seine gedruckten Handelberichte und Klagen, wiewenig diese und jene Waare eben anzöge undstieg, und wie viel er uns Kunden damit weitweniger abgewänne, als er in so spekulazion-günstigen Zeiten zu erraffen gehofft; durch diesesJammern über das Glück der viele» tausendKunde» glaubte er letzte» eine und' die an-dere Thräne i»s Auge zu treiben; 7 — frei-lich geht sie hinein, wenn man lacht; aber Ver-fasser dieses erhielt sich dabei mehr trocken undungerührt.

Um aber eben jener Menschenirennung zu weh-ren, so muß ein Handelstaat zugleich ein Freistaatsein; dann bringt das Interesse am Staate daskaufmännische ins Gleichgewicht mit jedem Ein-zelwesen.

Handelfreiheit ist ohne Handelns-freiheit Nichts oder Gift; denkt a» LaS freieEngland, Holland, an den Hanse-Bund und dessennordischen Nach - und Herbstflor. Politische undkaufmännische Freiheit foderu, heilen und ergänzensich gegenseitig. In der Türkei sind Fugger un-möglich, sie durften von I5ZU an Gold- und Sil-bermünzsn prägen, wie in England Bvlton Kupfer-münze»; aber dort in der Despotie wären nurstatt der Köpfe, Rümpfe einzuprägen. So wareS z. B> ein Zufall der Geographie und Zeit, daßdie Römer mit keinen andern Waaren han-delten als mit Sklaven und Königen; wiewohlfreilich auch jeder Handel da wegfällt,, wo dieTapferkeit alles umsonst bekommt und weg-gibt.

Ueber die Zwang- und Rothweste» der Knecht-schaft. in welche jetzt einige Schriftsteller uns wieWahnsinnige stecken, laßt uns schweigen ausSchmerz vdez Verachtung! Lieber bin ich Linguet ^in der Bastille als vorher ein Linguet, als ihr Lob- iredner; denn alle Sklaverei besteht blos in derLiebe derselben; und ein Sokrates thront im Ker- ;ker. Mit der Menge ists freilich anders, ebenihres Namens wegen; sie vergiftet sich in derschwarzen Höhle des Despotismus gegenseitig.Daher bisher die größten Staaten Despctieen wa-ren oder wie Rom wurden ; nur der neueste nimmtsich Lurch seltene Verhältnisse davon aus. Mitdem Bambusrohr, womit der oberste Chinese oderMandarin Bücher und Dekrete ausfertigt, schlägtder chinesische Kaiser ihn zum traurigen Ritter

und mehr als hundert Millionen Menschen zueiner Schaafheerde herunter.

Bei den Persern durfte man, wenn man opferte,von den Göttern nichts für sich allein, sondern eszugleich für alle Und den König erbitten (*). DieseSitte ist die schönste Defimzion der Freiheit.Nichts ist gefährlicher für Menschen-Wohl, alsdasselbe der Idee eines Einzigen unterzuordnenund unterzubauen; es müßte denn die Idee geradedas höchste und weiteste Wohl bezielen, nämlicheben den unauslöschlichen Charakter der Humani-tät, für welche Freiheit Folge und Bedingungist.

Einheit, Gleichheit, Gerade machen kann manfreilich so leicht wie der allmächtige enkgejsterndeTod. Ein Alter beschrieb die krumme Linie alseine, worin kein Theil die übrigen Theile beschat-tet; die gerade beschattet sich überall. DieFreiheitlinie ist wie die Schönheitlinie , eben sogebogen; die ankettende Linie ist wie jedes an-ziehende haltende Band, stramm gerade; und aneiner Idee eines Einzigen sterben die Idee» vonTausenden.

Noch haben wir wenig zu befürchten als unsselber; und die Zukunft wird von der Gegenwartmehr versprochen als gedroht, wenigstens falls wirmehr die — Franzosen nachahmen.

Dies ist weder Scherz noch Wagsatz; denn ichspreche von Vaterlandliebe. Der Franzose liebtseine Volkbrüder feurig, wo er sie finde, undnoch dabei — vielleicht eben darum — seinen Be-herrscher ; er verficht heldenmüthig seinen Waffen-bruder und seinen Fürsten. — In Deutschlandaber läuft der Epheu der Naterlandliebe mehr amThrone empor als auf dem Boden umher; näm-lich wir haben immer einen großen Fürsten —

— groß entweder geographisch, oder heroisch, odersittlich — vonnöthen um erst au ihm das Vater-land zu lieben.

Noch bat uns — den gedachten Einfluß der Für-sten abgerechnet — das Unglück nicht so viel Va-terlandliebe gegeben als das Glück den Franzosendavon gelassen, ja zugelegt. Oder soll unser ge-schriebenes und gemurmeltes Geklage über Man-gel an Geld, an Handel, an Krieggluck, an Krieg-verstand, an Patriotismus ei» Zeuge des Patrio-tismus sei» , indeß er wenigstens in kleinenLändern und in den fernen Länder-A u ße n-werken der größern — sich nicht mit sei-nen beseelenden Flammen, nämlich mit einerselbst-vergessenen Aufopferung für Gesammtheiten,Bürgerschaften u. s. w. thätig erweist? Anstattz> B. unter die Kri-eglast der Menge die eigne ;Schulter zum Tragen unterzustellen, zieht sich ljeder hinweg und beklagt blos das allgemeine Be- !laden unbeladen.

Aber euch, ihr deutschen Fürsten, ruft die Krafteures patriotischen Einflusses auf, euren Zepterzum schöpferischen Zauberstab der deutschen Völ-ker zu machen, blos dadurch, daß ihr euch recht —lieben lasset; damit aus dem Sterben und Lebenfür den Landesvater eines für das Vaterlandwerde. Wie ein Vater Liebe seinen Kindern nurabverlangt als Bürgin und Quelle ihrer künftigen

(*) Kcrollol. l. 122.