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H erbst -- Blumine.
Die Vögel unter dem Kriege.
Die Welt war bange und bedrängt, die Men-sche» rannten aus brennenden Dörfern in ausge-leerte — überall lag Schmerz anf der blühendenErde — in den blauen Himmel stiegen die Tv-deswolken des schwarzen Giflüanbes mit ihrenOpfern — der Mensch rang grimmig mit demMenschen und beide bluteten. Doch mitten inder Hölle ruhte ein Reich des Friedens ; die Lerchezog in ihr Blau, die Nachtigall schlug in denBlüten, und andere Sänger spielten in ihrenGipfeln oder wärmten die nackten Kinder an derBrust. Dichter, ihr singet ja auch; seid wiedie Sänger, und behauptet ewig die lustigenHöhen!
Sinn und That.
Viele Blumen thun sich der Sonne auf; dochnur eine folget ihr immerfort. Herz, sei dieSonnenblume, nicht blos offen sei dein Gott, son-dern gehorche ihm auch.
Die scharfsichtigen Ungläubigen.
--Wir haben die Augen mit dem Sehrohrgegen den Himmel gewaffnet — aber er ist finsterund leer, und Einsamkeit ist die Unermeßlichkeit !--— O ihr Verkehrten, wie Recht habt ihr, ihrhaltet ja Las Sehrohr verkehrt hinauf.
Die doppelte Wangenröthe.
Unschuldige Mädchen, ihr gleichet der Sonne;von alle» Farben ihrer Slralen sucht ste nur dierothe aus, wenn sie kömmt und wenn sie gehet.Mädchen, ihr erröthet schamhaft, wenn ihr kaltaufgehet voll junger Unschuld — ihr erröthetwieder im glühenden Untergänge. UuschultigeMädchen, wie gleicht ihr der Sonne i
Die Fürst efii.
Erde, du gehest dem Stern des Krieges (*) alssanfter Stern der Liebe und des Abends undMorgens am Himmel auf, und stillest droben dieentzündete Brust; doch auf dir selber lodert jader ewige Krieg. Fürsten, ihr sendet den Völ-kern den Frieden herab: wer sendet euch den Frie-den hinauf?
An einen Genius auf ei ner Bluniewachsend.
Du bist die holde Poesie. Nur in der leichte-sten Blume wurzelst tu; aber aus der keimetein göttlicher Mensch.
Die eingegangene Erziehanstalt derVölker zur Freiheit.
O schöner Schmetterling, warum hab' ich dirWärme gegeben, als noch die Eiswolke um dieSonne hing, und dich aus der Hülle gelockt indie Winternacht? Vergeblich dehnst du die feuch-
(*) Für den Mars ist die Erde der Morgen- undAbcndstcrn.
teil Schwingen zum Schimmern aus, und suchestdie Sonne, die Blume und deine Geliebte. — Odu stirbst, eh' der Frühling anbricht!
Trost der Wahrheibfor schor.
Der blinde Orion, so wahrsagte das Orakel,wird sehend, geht er nur unaufhörlich der Sonneentgegen. Suchet nur ewig die Sonne, so findetihr daS Auge, ihr Forscher.
Dler Genins und seinNuo m.
Gabe des Genius, du gleichest dem Thau, derunter dem Abendsterne vvm Himmel niedersteigt.Unsichtbar und dunkel stärkt er die Blume undkühlt ihren Honig eine ganze Sternennacht hin-durch. Aber bricht der Morgen au, und glänzt erfeuriger als die Blumen: so nimmt ihn die heiligeSonne aus ihr hinweg. Gabe des Genius, dugleichest dem Thau! In stiller Brust verhüllt, er-frischest du sie lange rein und kühl; aber wirfst duFarben und den Glanz in die Welt: so verstiegstdu bald und lässest ein mattes Herz zurück.
D i > nächste und die fernste Sonne.
Hinter den Sonnen ruhen Sonnen im letztenBlau und ihr tiefer Stral fliegt Jahrtausendeanf dem Weg zur Erd' und kommt nicht an. Odu sanfter naher Unendlicher! Kaum thut ja derMenschengeist sei» kleines Auge auf, so stralest tuschon hinein, o Sonne derSonnen undGeister.
Die beiden Gräber.
Das öffn «Grab mit der Leiche unten nenn'ich den Hohlspiegel, der die Strafen des Lebensund des Schmerzens sammelt auf einen heißen,stechenden Punkt. Das erhobene Grab, dasalles verdeckt, nenn' ich den erhobenen Spiegel, dersie wieder auseinander streuet; und der Menschvergißt zu weinen und zu bedenken, und zergehtin die vorige Welt.
Die Liebe.
--Weine nur fort — sagt- einst ein gelehrterMann zur Liebenden, welche, dem Geliebten nach-sinkend, ihr Leben verweinte — die Thräne tröstetam besten, sie wird aus dem Lemnus > Fluß ge-schöpft, der da allein vermochte, daß man durchihn des Geliebten vergaß." — --Kann dies dieThräne?" fragte sie bestürzt; da trocknete sie hef-tig das Auge, hob es recht heiter gen Himmel, solange bis es brach und versiegte auf ewig.
D e r G re i s i m Frühli ng.
Holder Frühling, sagte der Greis, auch imalten dunkeln Herzen gehe» deine blühenden Reicheauf, doch nicht wie ein singender Morgeuhimniel,sondern wie eine stumme träumende Mondnacht.Einsam, ohne Aurora tritt der leise Mond aufseinGebirg und breitet die schimmernden Länder derNacht aus, aber im Glänze liegt stumm die Weltvoll verborgener Träume, und das Auge sieht dietodten Länder und die lebendigen Sterne an; kann