Band 
IV.
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Herbst^Blumine.

Ich erwachte vom Glänze; aber die Erden-sonne stand in Morgen und blitzte über demSchnee, und endigte die längste Nacht.

Der Himmel gab mir, wie durch Zeichen, schö-nere Auslegungen der Erde, und ich wundertemich, daß die Menschen so leicht die Hoffnungvergessen, und die unsichtbare Seite des Mondesund Gott.

IV.

Bußpredigt über den Bußtext im Allg.Anzeiger der Deutschen, i^°335,Seite 3617 bis 3622, betreffenddeutsche Vorausbezahlung auf Wol»ke's versprochenes Werk über diedeutsche Sprache.

Gebet an Jupiter.

Himmels König und Himmels Körper, der dasJahr 1812 regiert (')! Wir wollen nachdemVerlaufe der Nutzanwendung das ordentliche Ge-bet an dich thun, und erst dann um Bekehrungbitten damit wir jetzt sogleich zum Eingang schrei-ten.

Eingang.

Geliebte Mitchristenl Der H. Hofrath undProfessor W v l k e in Dresden ließ schon am istenAugust vorigen Jahres die Ankündigung folgen-den Werks einlaufen:

„Anleit zur Erkennung und Berichtigung eini-ger (mehr als 10) tausend Fehler in der hoch-deutschen Mundart und Schriftsprache, so wie zudem Mittel, alle orthographischen Regeln auf eineeinzige sichtbare zu bringen, von Chr. H. Wolke(kais. russ. Hofr. und Pros. ), seit 177» Vorste-her zweier Erzieh- und Lehranstalten, erst zu Des-sau, dann seit 176» zu St. Petersburg."

In der neuen Bibliothek für Pädagogik (**) er-klärt er, daß seine neue Schreibregellehre (Ortho-graphie) fünf Bogen Raum und eine StundeLernzeit einnehme, hingegen die Adelvngsche fünfund fünfzig Bogen und ein Jahr. Wieviel erfrüher gehalten, eh' er nur versprochen, bewieser am Flötenspieler Dulon, dem er I7YZ die Kunstlehrte, in zwei Stunden alle Buchstaben und Zah-

(») Der Planet,Jupiter regiert dieses Zahr, zu-folge den Kalendern, welche aus der Heptarchic dersieben alten Planeten jährlich einen ab- und einen einse-tzen, und jedesmal dabei anmerken, die Sache sei nurWind.

(") Zunius I8I0, S. 108 ein wichtiger Aufsatz vonvierzig Seiten gegen die nachthciligc Aussprache des vwie f, und gegen die jetzige falsche Aussprache des La-teins.

le» mit den Fingern besser zu lesen, als oft Se-hende mit diese» sie schrieben; ferner an einemdreijährigen Mädchen, welchem er 1772 in vierWochen zugleich Deutsch und Französisch lesenlehrte — und am berühmten Vogel-Lehrer GeorgeJeantet (*), dessen Lehrkunst er in einem fliegen-de» Blatte so gut errieth und verbesserte dazu,daß der Stieglitzen-Hvfmeister so grob und grim-mig darüber wurde, als hätt' ihn der Hofrath umFleiß und Erfindung gebracht.

Seit zwölf Jahren arbeitete er an der Verglei-chung der deutschen Gesammtsprache mit der sassi-schen und oberdeutschen Mundart, und mit der go-thischen Sprache, der alt- und neu-englischen, derdänischen, schwedischen, griechischen, römischen, sla-wisch-russischen und anderen Sprachen. Kurz erkann Deutsch, denn er kann mehr als Deutsch.

Die Sprachwäsche dieses Mannes ist aber auchzugleich eine Goldwäsche, welche bereichert, nichtblos reinigt; zu »oo neuen Ableitungen hat er (nachVölliger in der Zeitung für die elegante Welt)die Wörter Geist, Ort und Wort zu befruchtenvermocht. Zu den 60,000 neuen Wörtern, welcheals Kinder der besten Schriftsteller (von i7flo an)Campe in sein weites Wörter - Louvre aufge-nommen, und zu welchen der kräftige Radlofs")noch einmal 60,000 stoßen will, verspricht Wolkewieder 60,000 neue zu stellen. Welch eineSprache, die auf einmal 160,000 neue Mann-schaft mehr konskribieren kann! Bußprediger die-ses trauet indeß gläubig den Sprach-GärtnernRadlof und Wolke die Lieferung von 120,000neuen Absenkern und Ablegern zu, da er findet, daßRevinus (***) in der deutschenSprache, 2170 ein-silbige Stammwörter aufrechnet, in der griechi-schen nur 265, in der lateinischen gar 16z, gegenwelche beide sich doch (nach Hezel) die hebräi-sche mit 1500 aufzeigt.

Im deutschen Anzeiger (-f) und im Tagiblattdes Menschheitlebens (j-j-) sind Proben des Wol-keschen Sprachschatzes niedergelegt, gleichsam dieFlämmchen eines unterirdischen, auf welche manetwas werfen muß, um ihn zu heben — welche essehr bedauern ließen, wenn er ungehobelt bliebe.Nur einiges werde hier beschauet. Das erste istWolkens sprachreiner Eifer gegen die (erst100 Jahre alte) Einschwärzung des scharfen«als Genitiv-Zeichen in 10,000 Paar Wörtern,z. B. Sommers-Zeit anstatt wie Herbstzeit soSommerzeit, Mittagsmahl anstatt wie Abendmahlso Mittagmahl rc. (fssch)

Diesem Sprach-Windwechsel ist gar keine Rege!abzugewinnen, als zuweilen die des Wohllauts.Denn Wolke fand (hier sinkt das Gleichniß der

(*) Beiträge für Belehrung und Unterhaltung.Nro. IZS. 1810.

<.") Dcff. Trefflichkeiten der süddeutschen Mundar-ten. 1811.

(«,») neu sprossende deutsche Palmbaum, herausgegeben von dem Sprossenden. Nürnberg i bbs, S. ivu.

(-j-) Nummern 170 , 171 , 17 g, igi von 1811.

(sch) S. Nr. 10. I8II

(chjch) Das Ucbrigc bleibt weg, da ich seitdem dieDoppelwörter in einem besondern Werke näher unter-sucht.