Her bst^Bluinine.
209
Freudennüchternheit alle Prachtgesetze gegeben,welche ein Kapitalist braucht — meine Reise-karten im ersten Jahre sind schon ganz fertig, tes-gleichen die Baurisse einiger Lusthäuser zu Haute— die Namen sowohl der Bücher. die ich zuerstanschaffe, als der Armen, die ich fortschaffe, sindzum Theil aufgesetzt, und zwei Abschreiber und Re-gistratoren zu meinen Exzerpten werden gehalten,wenn ich nicht gar einen dritten als Druckfehler-Fiskal meiner Werke besonders besolde — und ichkaufe mir ein S i l b er ma n n 's ch e s Klavier undein Pferd, Für Andre wichtiger isis, daß ich sogarfür die tausend Familien, die ich aus dem Glück-rabe ziehe, zum Regieren, jeden Tag mehr überdie Gesetztafsln meiner gesetzgebenden Gewalt insReine komme, und ordentlich mir meine Selber-wahl-Kapitnlazivn und gvldne Bulle eigenhändigausfertige. Ich als höherer Gesammtvater der Fa-milienvater, als pirter siipel'im', will fürdie gutenMenschen im Hausruckviertsl zehnmal mehr thun,als sie erwarten, wiewohl wir Alle einander »ochnicht gesehen.Statt aller espints cks Ioi.v und Priu-zenhofmeister studier' ich nichts, als die verschiednenKlagen der Unterthanen in verschiednen Ländernund nehme mir aus ihnen das Beste, nämlich dasGegentheil besten, m gethan. Auch Sie
bester Seemaus, sollten, obgleich schon einSchulmvnarch, doch sich auf höhere Regenten-Kenntniße legen, da es etwas viel Andres ist, wennman, wie eine Präpvsizivn zum Regieren der Sub-stantiven sogleich geboren ist, als wenn man erstsich selber spät aus einem Hörer des Worts zueinem Sprecher desselben steigern soll. DenkenSie an mich, wenn Sie einmal die beide» Herr-schaften beherrschen müssen. Denn das Prügelre-gale, das Sie mit dem Kantor getheilt, kann injedem Falle für nichts mehr gelten, als für eineleichte Vorschule (Propädeutik) zum höher» Regie-ren der tausend Familien. Ja die Lizelberger unddie von Walchern werden sogar wünschen, daßSie eben deshalb auf eine kleine sanfte Konstitu-zion sinnen und schwören möchten, nach welcherSie sich den guten tausend Familien verbindenund binden. Auch ich habe meine künftige Gewaltdurch einige selber gemachte Reichsgrnndgesetzezum Vortheil der guten Lizelberger im Vorauseingeschränkt; denn Niemand soll hinter dem euro-päischen Lämmergeier nachbleiben, welcher früherals erster Konsul, später als erster Kaiser und zu-letzt als letzter Kaiser eine kleine eUavlu nrngnudem Volke austheilte und beschwur, um dadurchseiner bissigen Natur, die er zu kennen glaubte,eigenhändig solche Fesseln umzulegen, daß das Volkohne Gefahr die Kniee vor ihm beugen konnte.So wurden in Asgyptcn die Krokodille an denVorderpfoten festgekeilet, damit man sie anbetenkonnte, ohne von ihnen gefressen zu werden.
Bereiten Sie sich nun, bester Seem a u s, aufdie Weiss wie ich auf den 30. Juni vor: so sindwir Beide geborgen, eS mag von uns gewinnen,welcher will, und das Goldbergwerk kann keine»verschütten. — Ueberhaupt sollten wir uns nichtgerade die Hoffnung — dieser gewisseste Gewinn,den wir von unser» 12 fl. rh. erheben — durchAeugsiigen verkümmern. Hoffnung ist eben gleich-sam die Butter, mir welcher auf der Nase be-
strickten der Hund trocknes Brod für gutes fettesButterbrod ansieht und annimmt. So gehe» jetzosechs und dreißigtausend Menschen selig herum,und haben Alle, Jeder für 12 fl. Butter auf derNase, und allen schmeckt bis zum 30. Juni ihrPumpernickel, ihr Gesindbrod, ihr Gnadenbrod,ihr Kommißbrod, ihr Schiff - und Thränenbrvd,wie gutes Butterbrod, zu welchem man in Berlingewöhnlich Abends eingeladen wird. So wünsch'ich denn, lieber S e ema us , wohl zu leben undwohl zu speisen.
Ihr
Jean Paul F r. Richter.
Indeß hat mir Seen, aus doch Manches inden Kopf gesetzt, was ich noch nicht recht darausbringen kaun. Der Himmel sollte uns armenMenschen wenigstens nie des Glücks zu viel geben,weil wir schwachen Gefäße leichter davon überlau-fen als vvm Unglück — er sollte lieber den Pfeffer-kuchenbäcker nachahmen, welcher mit Honig, danichts im Sieden so sehr überläuft als dieser, denKessel nur halb voll macht. Man glaube mir undkoste die Kost nur selber; kein Salat ist so hartund unverdaulich, als der kostbare, welchen Phi-lipp II- von Spanien seiner Gemahlin zuschickte,und woran Topasen das Oel, Rubinen der Essigwaren, Diamanten das Salz, und Smaragde derSalat. Lebenslang bleibt der Salat im Magenund will nicht abgehen, bis man selber abgeht.
Es könnte mirdaher ungeachtet aller Vorkehrun-gen doch durch den Gewinn der beiden Herrschaf-ten das Brod gebacken sein — wenn nicht zumGlücke der neue Weltjammer mir zu Hülfe käme,der neue Krieg gegen den aus weiter Asche wieder-auflebenden Gegenphönix oder Basilisk, welcher,wenn nicht den ganzen kaiserlichen Purpur, dochschon die zwei schwarzen „Präparazion-Aermel"angezogen (^). Während eines solchen Kriegs mußman schöner sterben, als vor Freude. Uebrigens istauch von Kriegsteuern und Einquartierungen undKosten zu hoffe», falls mau zu freudig würde.
Aeußerst gespannt bleibt immer der Verfasser, dieses darauf, ob er nach Lein 30. Juni d. I. imMorgenblatt wieder erscheinen wird, oder ob erschon jetzo von dessen Lesern Abschied genommen,welches ihm sehr kläglich vorkäme.
Gespräch zwischen den oeiden Gesichterndes Janus.
Zu bedauern ist mir, daß ich von meinem gan-zen Traume das Wenigste behalten und geradedas Boshafteste vergessen habe. Die Lücken aberim Wachen auszufüllen, hieße nichts anders, als
So heißen die schwarze» Acrmcl, welche im anato-mischen Theater der Zergliederet' anlegt.
Iea » P a u I' 6 W e rke. It