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Herbst - Blumine.
mich in eine neue Gefahr von, 30. Juni sehen:was nämlich die Freude übrig ließe, das raffte dieFreude über die Andern weg. Kurz ich kommejetzt zur Absicht »'eines ungebührlich langenSchreibens. Ich bitte Sie nämlich, da ich weiterNiemand in Baireuth kenne, daß Sie als bekann-ter Menschenfreund die Nachrichten über meinLoos, die Niemand als Ihnen Hr. Kollektor S i -mon Gunzenhäuser zufolge meines Briefesan ihn von, 1. April zu übergeben hat, auf einesolche Weise mir und den Meinigen zukommenzu lassen, welche allem Unheil vorbeugt, entwederstückweise oder sogar täuschend, (ich erlaub' es vor-her) oder ganz anders. Aber einem Romanen,dichter so vieler feiner Minister, Hoffeuke undStreiche ist es unschicklich hier etwas vorzuschreiben.Verdient aber können Sie sich machen um eineganze bisher dürftige Familie, welche aus demGlücktopf nicht gern das Todes- Loos zu ziehenwünscht. Der ich verharre mit größter Verehrungewig Ew. Hochwohlgeboren
gehorsamster
Lvha nn Thomas Seemaus,Rektor.
(Hier folgt meine unabgeänderte Antwort.)
Baireuth, den r. Mai ISIS.
Lieber Herr Rektor !
Auch ich sitze auf den Tod, so gut wie Sie, undmuß meinem Namentag oder dem Pauls-Tag,nämlich dem 30. Juni entgegen sehen; denn ichhabe. ebenfalls ein Loos genommen, die Num-mer 1YY83. Mehre Looöuehmer um mich herhaben sich demselben Schicksal ausgesetzt, vorFreude drauf zu gehe». Jedoch will Jeder gernden Freudentod mit Freuden für den Andern ster-ben, und unter 3Ü,ooo Mensche» gern der Einzigewerden, den das Loos trifft.
Ihre Bitte erfüll' ich bequem, und mit Hrn.Gunzenhäuser» ist gesprochen, den Sie aber jetzo,da die Jude» nach einer neuen Verordnung einenoffiziellen Name» annehmen mußten, H. Blu-me n f e l d zu nennen haben. Fünf und zwanzigVorkehrungen hab' ich, Sie zu täuschen, im Kopf;nur beding' ick mir aus, daß Sie mir vvm20. Juni-kein Wort mehr glauben, weder, wennich Ihnen Nebengewinnste noch so gewiß be-richte — denn Sie könnten sie sonst für eine vor-bereitende Jakobs -Leiter zu Ihrem Himmel anse-hen — noch weniger, wenn ich Ihnen den Haupt-gewinnst weiß machte. Kurz Sie sollen lebendigwegkommen bei meinen 25 Vorkehrungen.
Mir selber will es so gut nicht werten; ichbleibe hier, ohne alle Schutzwehr, ganz dem er-! sie» Stoße blvsgestellt, welche» der Zug der bei-den Herrschaften a» mir verüben will. Sollteman sich nicht zuweilen fragen, Hr. Rektor, obder Staat nicht zu leicht in Verloosungen einwil-lige, durch welche er, da schlechterdings der höchsteGewinn auf irgend einen Loosnehmer fallen muß,eines seiner Mitglieder der Gefahr der Ueberbe-reicherung, oder gar deS Freuden- Todes Preis
gibt? Wie viel anders und schonender gehenStaaten in ihren eignen Zahlen-Lottvs zu Werke,worin sie zwar für »och ärmere Einsätze eine»eben so große», ja größer» und lebensgefährlicher»Gewinn i» der Quaterne zu ziehen freistellen,Lein wirkliche» Ziehen derselben aber durch dierichtigsten Berechnungen so geschickt vorgebogenhaben, daß leichter ein Schwanzstern zum zweiten-male kommt als eine Quaterne zum ersten ! Beisolchen Vorstchtmaßregeln kann daher Jeder, sogarder kränkste Hyxochondrist, sicher ins Lotto setzen,und hat sich kaum vor einer Ambe zu ängstigen ;wohl aber hat er das Schönste (nur für wenigerGeld) zu genießen, die Hoffnung — (welche geradeso sehr das Leben verlängert, als eS die Freude iverkürzt) — und zwar welche Hoffnung ! die, alleseine Fesseln und das Lotto selber zu sprengen.;eine solche, für welche der Aermste sein Bett ver-kauft, um außerhalb demselben noch seliger zuträumen, und für wenige Kreuzer in einen Him-mel der Zukunft hinein zu sehen, in welchen ernicht fahren kann : (wie nach den Muhamedanerndie Weiber in das Paradies nur lchauen. nichtkommen); ein Himmel wie der unsrer MischenVorfahren, der in und auf Wolken bestand.Indeß kann ich Ihnen, wenn der gvldne Platzre-gen auf Sie fällt, folgenden Regenschirm anbieten, !den ich selber bei meiner Nummer 1YY83 unter- 'halte, oder wenn sie rhetorisch lieber wollen, einen ^Sonnenschirm gegen die Stechsonne deS GlücksWas nämlich den Menschen bei dem Ausbreiten !eines weiten Gvldlandes so leicht in Schwindelumwirft, ist, daß jetzo ohne alle Schutzbreter ^stromweise zehntausend Plane darüber einschießen, >was er mit seinem Peru anfangen will — zuerst ^alles Mögliche — dann tausend bestimmte Sachen i— dann jene Sachen nicht, Liese aber — dann ^diese, aber jene nicht — aus allen Kompaßeckenfahren Ströme her, und durchschneiden sich, und 'drehen ihn in ihren Wirbeln. Es ist ein physio- 'logisches Wunder, wenn der Mann nicht unter- -geht; denn alle Pulsadern überschwemmen mit !Blut, alle Nerven verströme» den Nervengeist; !von jenem kann nicht genug fortgeschafft, von die- !sei» nicht genug nachgeschafft werden. Wie viel ibedächtiger und vernünftiger aber handelt ein !Man», der sich dagegen deckt, indem er kaltblütig jund Monate vorher, ehe die beiden Herrschaften !Walcher» und Lizelberg vor ihm gewonnen da iliegen, einen Bogen Papier nimmt, und darauf seinen überdachten brauchbaren Gebrauchzelkel ent- >wirft, nämlich ein Verzeichniß dessen, wozu er die !beiden Jagden, die Fischereien, die Viehslände, die1000 Familien verbrauche» will — welche Reisen,Schenkungen, Streiche, Freuden, Einkäufe, Auf-wände, Plane er mit so ungeheuren Hülfmitteln ^machen will. Darauf erwartet er wahrhaft ruhigdie Münchner Zeitung, und daS JohnsonUhlfelder'sche Handelhaus, welche ihm dieGewiiniste ankündigen und aushändige». l
Wenigstens mich, lieber Seemau s, verschanz' !ich auf diese Weise, und ich sehe in meinen Käse- ,matten meinem Reichthum so gelassen und kugel-fest wie einer Armuth entgegen. Ich darf behaup- .ten, bis über die erbärmlichsten Kleinigkeiten !hab' ich mir auf meinem Sessel in völliger ^