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Politische Fastenpredigten.
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alte Christen werden, welche durch Entäußerungihres Vermögens die Welt und deren Vermögeneroberten: so sollten wir uns doch schäme», nichteinmal die Kraft und Ansicht des MittelalterS zuerreichen, welches seine geistige» Heere, die Mönch-ordeu, mit blosem Nichts - Hallen ausrüstete, undzwar mit einem so unerhörten, daß viele darunternicht einmal das Geld berühren durften, was jetzoniemand verbietet, wenn wirs haben — und daßdie meisten nichts das Ihrige nennen durften, sel-ber das nicht, was sie schon in« Magen hatten —indeß wir alles frei für unseres ausgeben, was wirgegessen — ; denn gleichwohl bezwängen die unbe-soldeten Heere die Welt; und können wir dennmehr zu leisten verlangen?
Dritte Nachdammerung.
Ueber die Furcht künftiger Wifsenschast-b urbares.
Wenn wir jetzo den antiken Bildsäule» ähnli-chen, welche (»ach da Vinci) den Kopf immer et-was gebückt tragen, so wolle» wir ihnen wenig-stens nicht in der andern von ihn, bemerktenEigenthümlichkeit gleichen, daß wir nicht auf dierechte Seite Hinblicken; ich meine, wir wollenuns wenigstens nur vor fremden Schatten, nichtvor dem eigenen fürchten, als wären wir unsereOrkus-Vorschütten. Was Herder anmerkn »So-bald die Freiheit in Griechenland dahin war,(Sprache, Klima, Genius des Volks, Fälligkeit,Charakter blieben) so war der Geist der Wissen-schaft wie verschwunden:» dies können wir nichtauf uns beziehen, ohne erstlich Freiheit mit De-mokratie, und zweitens ohne Länder mit Ländernzu verwechseln. Allerdings ist der ächte Despo-ten-Thron ein Maguetberg, welcher alles nien-schenverbindende Eisen dem Staate auszieht, undso, nur selber mit Nageln besetzt. Schiff nachSchiff aus einander fallen läßt. — Aber erstlichFreiheit a» und für sich ist nickt die Gottmutterder Wissenschaft und Kunst. Sparta zeugte nureinen dichterischen Mann, Alkmeues. Attika warnicht unter dem persischen Kriege, sondern unterPerikles und unter den Zo Tyrannen am köpf-reichsten. — Rom wars nicht in seiner schönstenZeit, sonder» kurz vor und unter den Kaisern. —Nordamerika, Holland, die Schweiz liefertenaus ihrer republikanischen Freiheit heraus nochkeine solche Denk Dicht - und Bild - Werke alsDeutschland, oder früher Frankreich.
Die sogenannte Revoluzivn i» England warkeine für die Bücherwelt; und noch entdeckt diesesfreiere Land nur auf dem Meere, nicht, wie dasbestimmtere Deutschland, im Innern der Kunst.
Das Wiederaufleben der Wissenschaften i» Eu-ropa war nicht vom RiechspirituS neuer Freiheiterweckt. Um den Ketten-Thro» von Louis XIV. undXV. flogen mehre geflügelte Genius-Köpfe als im
freieren Deutschland oder als später in der fessel-losen Revoluzivn, welche mehr beweiset, daß Wis-senschaft Freiheit, als daß Freiheit Wissenschaftgebühre.
Kurz, Wissenschaft und Kunst sind Blumen,l welche an sich — die grimmige Frostnacht der^ Sklaverei ausgenommen — in allen anderenJahrzeiten der Regierungformen unerwartet auf-sprieße». wenn sich die uns sehr unbekannten Be-dingungen dazu erfüllen, da wir nicht den Flug desBlumenstands und den Flug der Bienen, die ihntragen, oder des Windes, welcher getrennte Ge-schlechter befruchtet, berechnen können. Z. B. EinKant entstand, und neue philosophische Welten! verfolgen einander, und jede bringt der andern, ihren jüngsten Tag: Woher kam die bishernicht zurückgekehrte Brüdergemeinde herrlicherKöpfe unter der Königin Anna in England? —Üud warum bleibt eine ähnliche unter Napo-leon!, aus? — Will man letztes erklären, sosage man nicht blos: daß Thaten Worte o^erGedichte ersticken, Aehren die Blumen, und daßsiegend-thätige Völker von der Gegenwart berauschtnicht die zur milden Kunstgestaltung nöthige Ferneund Kühle gewinnen, und daß daher eine bli-tzende und donnernde Gegenwart nur die Bered-samkeit entflamme, nicht die Dichtkunst. Diessage man nicht blos, so viel .Wahres auch daran! ist, sondern man rechne mehre Unistände in die Er-; klarung ein , z.B. das selbstische Verhältniß deri Hauptstadt zum ganze» Reiche; denn gewiß wird; das beste Gedicht einst nicht aus Paris, sondern^ aus den Provinzen kommen ; und was die bilden-i den Künste anbetrifft, so fehlt ihnen nur Friede,in sofern auf sie etwas von dem anzuwenden ist,was Ammianus Marcellinus (XXIV. 6.) von denPerser» behauptet, daß sie in den bildenden Kün-sten etwas zurückgeblieben, weil sie blos Schlacht-stücke gemacht.
Auch Fichte, dieser Polyphem mit Einem Auge—noch dazu schwer drehbarem — jagt sich Furcht vormöglicher Barbarei ein. Wieder andere Schrift-steller wisse» iin Drucke auf gutem Papier vorAngst nicht vor den Barbarismen zu bleiben,welche hereindringende Tatar» oder Russen in denwissenschaftlichen Feldern EuropenS aussäen wür-den. Aber so ist der Mensch; bei großen fremd-artigen Ereignissen fürchtet er immer seinen jüng-sten Tag; wie die Mexikaner bei der Landungder Europäer die Vorläufer des Weltendes gekom-men glaubten. Bedächten wir doch z. B. bei derfranzösischen Landung in Deutschland, daß wirnicht republikanische Freiheit — welche nicht dawar — gegen despotische Knechtschaft — welche, nicht kommen kann aus einem Lande, wo sie selbernicht ist — sonder» nur mehr oder weniger gemäßigteMonarchen gegen mehr oder weniger gemäßigteMonarchen vertauschten. Wie oft war nickt inEuropa dieser Regenleu-Umlausch, und ohne Kul-tur-Mord! Denn etwas Anderes ist doch ein Wech-sel der Regierungformen — wie der griechische —als der bloss Wechsel der Regenten, welchen derTod so gilt als ei» Krieg- oder Friedenschluß ver-ordnet t?).
C) Die Müde dieser Stelle wurde nicht von Ironie, seit-