Band 
IV.
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Politische Fastenpredigten.

! WaS die Tatarn anlangt — von den Russen! nicht einmal zu sprechen — so würde ihr Einfall, I' wenn ihn Eroberungen festhielten, blos ein klon- ^repetitvr LeS alte» historischen SaheS sein, daßungebildete Völker stets von gebildeten i» sich auf-gelöset wurden, da Bildung überall als das stärksteZersetzmittel der Völker gewirkt ; denn wäre diesnicht gewesen, so möcht' ick wissen, warum, da dieWeltgeschichte mit einer überwiegenden Barbaren-Zahl anfängt, nicht diese Uebermacht endlich derKleinzahl obgesiegt statt untergelegen, und warum jfortdauernd nicht die ungebildeten anstatt der ge- jbildeten Völker, erobern und ihr Bild aufprä-gen. Hierbei zog ich einen Hebel, welchen dieAlten gar nicht hatten, nämlich den ewigen Per-pendikel der Bildung, ich meine den Preßbengeldes Buchdruckers, nicht einmal in Betracht.Noch dazu streitet jeho in Europa gerade fürdie gebildeten Völker die Mehrzahl, und fürdiese Mehrzahl wieder Uebergewicht der Kunst-kräfte, durch welches selber über die tapfernund vielzähligern Allemanne» die Römer Siegegewannen. Aber — sagt man — lasset nurerst den Riesenstaat Rußland sich euch nachbildenund sich mit der allmächtigen Vereinigung derGröße mit der Bildung auf euch stürzen....Nun dann, antwort' ich, so bringt er demnachBildung mit und nimmt sie folglich nicht. Undwo liegt denn daS große Unglück, wenn das Licht,(gleich dem Glück und dem Handel) Völker nach! Völkern durchwandert, und von jedem weiter zieht,

^ aber von keinem scheidet, ohne wenigstens Däm-§ nierungen als Spuren zurück zu lassen,i Wir haben übrigens, ihr Deutsche, sogar beimtraurigsten Falle der Wissenschaften, auf etwasAnderes zu rechnen, als auf uns. — ES sollenLurch rohe und feine Barbaren alle Pflanzungender Wissenschaft niedergetreten sein, und eineharte schneidende Wintei nacht liege über ih-ren erstarrten Wurzeln auf: über einer andernHalbkugel wird eine Sonne stehen, und ein Neu-Deutschland beleuchten und befruchten, das demAlt-Deutschland Samen und Frühling zurückbrin-gen wird — nämlich Nordamerika; und diesesdas uns wie an geographischer Lage und Wärm-stufe, so an Freikeitsinn und Menschenart so ähnlich,ja von uns zum Theil selber bevölkert ist, wird un-ser historisches Schauspiel zum zweiten»,ale geben,nämlich, daß auf der entgegengesetzten Halbkugelwieder der Norden den Süden allmälich ergreiftund verjüngend auffrischt, bis jener mächtig genugdie alte Welt in sein Pflanzland verwandelt, sieaber, selber von Reichthümern umr,ingen, weniger! drückend behandelt, als Europa bisher seine Pflan-^ zungen.

! der» von ,u großer Hoffnung und zu kleiner Bekanntschaft! mit den deutschen Ländern eingegeben, die der gallische^ Oberzepter angebohrt und angezapft. Uebrigcns wurden ja> im Jahre isoy und später noch die besten juristischen und! publizistischen Abhandlungen über Napoleons Bundcs-Aktckortgeschrieben und sehr bündige Schlüsse aus ihr gezogen,die um so weniger zu widerlegen sind, da die Akte selbergar nie zur Erfüllung gekommen. So setzt Lichtcnbcrg dieMöglichkeit, daß Stcrnsehcr sich gar wohl viele Jahre rech-nend und beobachtend mit Fixsternen beschäftige» können,die langst erloschen sind, deren Glanz aber auf dem langenWege zu uns noch fortbesteht

Ueberhaupt ein seltsames Land ist Nordamerika,schon voll geographischer Vorbedeutungen, da inihm, obwohl in gleicher Breite mit unS, daSWetterglas stets höher steht, und da sein Baum-und Blumenwnchs üppiger aufsteigt als unserer.— Sinnbilder seines hohen Freiheitstandes; daßeS z. B. jede zu groß auSwachsende Provinz zuihrer eignen Gesetzgebung nöthigt und absondert,oder daß eS neuerdings sich durch Unterschriftender Städte für eine Entsagung von englischenWaaren freiwillig bestimmte, zu welcher uns kaumNoth und Gewalt bekehren.

Die Fälle der Völker sind nicht wie di e einesEinzelnen, welcher nach dem Sturze auf dem Bo-den zu TvdeSstaub verfliegt, sondern ihre Ka-tarakten gleichen öfter dem Falle deS Stromes,welcher, obwohl unterwegs verstäubend, Lock untenim neuen Bette wieder zu einem neuen zusam-menwächst.

Nachschrift über die deutsche Sprache.

Der obengenannte Polyphon! sttzt auch noch ineiner Nebenangst fest, teutsche Sprache betref-fend. Auch hier sei meinem Haffe gegen dieFurcht, welche eine größere Lügnerin ist, als dieHoffnung, nur Laß uns die Lügen der ersten,entweder vor Freude darüber oder vor einerfrischen Furcht weniger im Gedächtniß bleiben,noch ein Wort an die gegönnt, welche, wie in derOrgel zu der vox lrumunu (der Menschenstimme)am schönsten den Tremulanten gehe» finden.Noch keine Sprache machte blos auf Geheiß derEroberer der mitgebrachten Platz, welches dieGeschickte der allsiegenden Römer — der von denNormännern besiegten Engländer — der Deut-schen, die sich ja früher über alle europäischen Län-der wegschwemmend ergossen haben, beweisen, wel-che alle jede andere Verwüstung in 'den erstürmtenLändern hinterließen, als die der Sprache. Nurdurch geistige, nicht durch kriegerische Ueberlegen-heit. nicht durch Soldaten, sondern durch Schrift-steller kann eine Sprache die andere überwältigen.Wenn wir Deutsche unS nun, wie eS scheint, miteinigem Rechte, wenn nicht für die Homere undPlatone, doch für die Homeriden und Platvnikerneuerer jetziger Knust und Wissenschaft haltendürfen, und wir den Planeten Merkur und Venusnicht blos an Kleinheit, sondern auch an der un-verhältnißmäßigen Höhe unserer sMusen-) Bergegleichen : so haben wir wahrlich nickt zu besorgen,daß unser Sprechen von den Franzosen überwun-den werde, sie mögen immer kühn ihre Musen- !Hügel auf einander aufthürmen als Himmelstür-mer. Da nicht einmal ihre Literatur der unsrigen ^unterliegt und entweicht: so kann gewiß noch jweniger die unsrige sich der ihrigen ergeben und jdas Feld räumen; »m so mehr, da die ihrige --seit Voltaire, den beiden Rvusseau'S, Diderot,Merrier, Mad. Stael, und seit der Revoluzion —sich fast so viel dem englisch - deutschen Geschmacke