397
Politische Fastenpredigten.
! niffes derselben nicht? Im alten Rom hätte keinl Mann dergleichen gestanden. Oeffentlich durfte! man in Sparta nicht einmal über geliebte LeichenI weinen, ausgenommen über des Königs seine. Diestandhaften früheren Christen — die alten Philv-Wphen — die Römer hatten (wie noch die kräftigen„ordamerikanischen Wilden) den Grundsatz desCartouche, welcher keinen in seinen Bund auf-nahm, der nicht die Folter überstehen konnte.Der Held zeigt wohl seine Narben, aber nur derBettler seine Wunden.
4 .
Unser Durchbruch.
Lange schon predigt uns »ichr mehr die Kirche,j sondern höchstens d-r Kirchhof. Damir wir aberdoch einigermaßen bekehrt würden, sendet uns das! Sch'cksal aus demselben Lande, woraus die erstenl Bischöfe und Geistlichen nach Deutschland ka-! :nen - aus Frankreich — Gesehprediger undKreuzprediger, Ordenleute des EhrenvrdenS mit, Kirchenparaden, Todtenorqeln, Kircbenkollekten —
! und die Kirchen werden wieder leicht zu Kirchhö-i fen, welche fortpredigen, gleichsam der erneuerteGottesdienst der ersten Christen in Gräbergängeni (Katakomben).
! 5 .
!
! Deutsche Federkraft.
§ In der That an Federn — sowohl in Krieg-- und Rechsnkammern als Studierstuben— hatt' es' unS bisher nie gemangelt, um damit zu fliegen;
1 dazu aber hätten die Federn in F l ü gel knoche»
, sitzen sollen.
! s
! Ueber da S Alter d e u tscher Hee rfü hrer.
j Wenn wir Deutsche leider nicht läugnen kön-! neu, daß unsere Generale — ungleich den franzö-i sischen oder gar den römischen, welche nicht auf der! Schneckentrexpe deS grauen Dienst eS, sonderni Lurch den Adlerflug deS Verdienstes aufstiegen^ — erst auS dem Rathe der Alten anSgehvbe» wer-l den, als würden sie schon dadurch jenem Alten voml Berge gleich.dessen Todticklag-Befekleman überall1 und in jeder Ferne vollzog: so wollen wir uns
: doch auf der anderen Seite nicht absprechen, daß
^ wir tiefer unten, nämlich bei den Unter-Heerführern! d. h. von der Prima Plana bis zum Reqiment-stabe, allerdings dielelbe Achtung und Wahl füri kriegerische Jugend nicht erst seit gestern zeigen,
^ durch welche die Franzosen so unqemein gewonnen;j denn wirft man die Bürgerlichen bei Seite, so ists,
! hoff' ich, ungeläugnete Thatsache, daß wir recht ofti die Blutjungste» von Adel auf bedeutende Posten^ stellen, ja zuweilen Junker ohne alle Kenntnisse,
> sobald sie nur die erfoderliche Jugend besitzen;
denn wie sonst bei den Juristen Bosheit das Alterl ergänzt, so vertritt hier umgekehrt die Jugend^ Schlacht-Bosheit und Kenntniß; ,'v daß oft unsern' Krieg-Rock, Waffenmantel und Panzer ein Besatz
und Gebräms von ungebornen Lä >» m inerfe l-len ausziert.
Will man den Edelmann zum Krieg und Kriegerhaben, so kann man ihn allerdings kaum jung genugauS den, Neste ausheben, da er sich »n jetzigen hei-ßen Klima der Lebensweise nur halb so frisch er-hält, als ein gemeiner Mensch; ja eben dieses früheVerfallen gibt einem großen Theil deS Adelstandesfür das Auge das schöne Ansehen eines chinesischenKunstgartens voll krummer Bäume, eingefallnerHäuser und ähnlicher Ruinen. Daher gleichenjunge Edelleute alten Uhren, welche stets"avanciren.--Aber eben darum ists ein verschie-dener Fall mit dem zähen Bürgerlichen, welcher soviel von seiner Jugend noch inS Alter hinein-nimmt; daher wie ein Scharfrichter erst durch dieMenge seiner Hinrichtungen sich ehrlich und zumDoktor richtet: so muß der Bürgerliche erst durchdie Feldzügs voll Tvttgemachter sich adelig und zumOffiziere schießen und stechen. Aber auch liegendie Gründe dazu nicht in der Verachtung der Ju-gend, sondern im Vorigen, und auch in der Mengeder Edelleute, welche selten wie Bürgerliche etwasgelernt haben, wovon sie leben können, und denenihre Lebensart nickt immer die Lebensmittel ver-schafft.
Wenn Versass, zuweilen mit jungen Offizierensprach bevor sie geschlagen waren: so würd' er mitVergnügen an ihnen höchste Krieg,Beredsamkeitund Feindes-Verachtung gewahr, gleichsam wahreHerkulesse, obwohl aus Deck, wie DädalnS einengeformt C), und folglich leicht am Schlachtfeuerlaufend; indeß auch der lebendige Herkulesging bekanntlich im Feuer auf— un davon.Solche leibhafte Anreden voll Anfeuern nun, solcheSieg-Propheten sind alte nno gemeine Leute schonselten; und daher junge unschätzbar.
Die Griechen nahmen früher Gallier und Deut-sche für eins; wenigstens in dieser Achtung fürkriegerische Jugend können wir uns mit Galliernverwechseln lassen. Wir gleichen, (nur wie ge-sagt die Generale ausgenommen) wie sie, den al-ten Kalten, an welchen TacitnS dies als sel-tene Einsicht bewundert, daß diese das Vertrauendes Siegs nicht auf baS Heer, sondern aus denHeerführer setzten; wozu eine andere Stelle des-selben recht erläuternd paßt, daß die deutschenFürsten oder Heerführer für ihren Ruhm, dieHeere aber für ihren Heerführer gekämpft. DieFranzosen handeln mit Recht und Glück »ach derVoraussetzung, daß der größte Verstand schon Raumhabe in Einem Kopfe, die Tapferkeit aber in ei»paarmal hundert tausend Fäusten.
Gewonnen freilich haben wir, so viele ganzjunge Edelleute wir auch immer voran »nd hochstellten, bisher noch nicht alles, was die Franzo-sen durch junge bürgerliche Offiziere und Ge-nerale errungen; doch dürfen wir als Gewinndaraus sowohl die Erfahrung, daß auS den kleinenUrsachen und Kräften — hier eben auS »»kräftigenabgematteten Offizieren — die größten Begeben-heiten, d. h. Schlacht-Verluste, Länder - Verrü-ckungen entstehen, als auch die gewisse Hoffnungansetzen, daß, wenn die besten Fürsten blos durch
(°)Lesimgs Schriften, B. 10.