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Politische Fastenpredigten.
Am Ende machten die Feinde sich nicht vieldaraus, sondern zogen, da die Marianer sich alsstarke Riegel gegen daS Thor anschoben, lieber indie marianische Stadt voll Einquartierungen zu-rück.
Sechstes Kavitel,
worin der blutige Krieg in einen an-dern übergeht, Zeitungschreiberglänzen und ein Anfang zum Endeder ganzen Sache gemacht wird.
Die ersten, welche beide Feldherren in den ero-berten Residenzen vor sich kommen ließen, warendie Zeitnngschreiber derselben; TiberiuS machtedem Grvßlausauischen, dem Herausgeber des pa°
! triotischen Archivs für Großlau sau! — einem bösen Possenreißer und Mokierspieler —
! bekannt. eS komme jetzt nur auf ihn selber an,
! wie viele Prügel er sich wöchentlich erschreiben- wolle, indem man ihm kein Haar krümmen! würde — wobei der Schreiber, ein Krauskopf,
! halb lächelte, nämlich mit der linken Mundecke,—j wenn er ihn und den Feldzug gehörig würdige,i nämlich hoch genug, und der Welt daS Beste da-> von sage, wiewohl man ihm übrigens gern gestatte,
! seine satirische Kollerader gegen seine Landslente! schwellen zu lassen. Der patriotijche ArchivariuS^ versetzte: »Mit Freuden, denn mir kannS eiulerlei! sein, wen ich auslache, sobald ick mich künftigl gedeckt sehe. Ein Pritschenmeister und ein! KnittelverSmacher wäre ja ein Stock narri im eigentlichsten Sinne, wenn er Knittel undi Stock selber fühlen wollte." TiberiuS versprachi ihm LaS Fiskalat oder auch ein Polizeikom-E miffariat in seinem Lande. — Und Schnabel! (so hieß der Redner) hielt auch Farbe und Wort;l und mit Vergnügen bekennt der Verfasser dieser! Groteske, daß er Schnabeln manche dunkle Mit-^ teltinte verdankt, welche zur höhnischen Darstel-lung z. B. der Großlausauer Galgenarrestan-ten nur aus dessen patriotischem Archive zu holenwar.
Fürst Maria hingegen, welcher den Zeitung-schreiber deS Kriegboten von und für Kau-z e n, NamenS MauS, zu sich berief, ließ den engenbange» Mann gar nicht ohne Höflichkeit an, viel-mehr bezeigte er ihm Hoffnung, Maus selberwerde den Kauzischen Kriegbvten wohl nicht miß-brauchen, fremde Verdienste, wenn auch feindliche,zu verkleinern ; so wie auch er den Verfasser desKriegboten so sehr achte, daß er ihm den Charak-ler eines Großlausauer Kriegraths auf der Stelleertheile. DaS warizuviel für MauS; so gelobt undgelabt siel er ihm zwar nicht zu Füßen, aber auf dieeignen vier innern, und versprach alles, waS inseinen Kräften stand.
Freilich stand in diesen nicht viel, und diese sehrunter den Schnabelschen.Jndeß hob dochMans nochAbends im Drucksan dem seltenenFürstenMaria denmilden Eroberer, den mildernden Stadtgouvernvrund einsichtigen Feldherrn heraus, ohne sehr gegenden Zeitungschreiber Schnabel oder seine Lands-
mannschaft zu schreiben,theils aus Angst vor beiden, ^theils aus Achtung. Ein guter Mann' wenn auch !keinseltner! Im Ganzen auch ein verständiger. Der !erste Artikel deS Kriegbvten unter dem Titel: iKurzes i-6»um6 deS KriegS (er liegt vor mir) be-kränzt am meisten den Fürsten Maria, als Ur- undBewindheber des Ausgangs, und läßt die Ver-dienste der Schneider dahin gestellt. Sein Gleichuißdabei gefällt denn doch: wie nämlich große Malerz. B- Rubens, Nafael, sagt er, Schlachtenstückemit Kraft entwerfen, und dann ihren Schülern daSandere zur Ausführung übergeben,ohne daß darumdieStücke den Namen ihres hohen Urhebers zu ent-behren hatten: so macht der Fürst den Entwurf zu !einem Kriege, und lässet dann seine Schüler, die >Krieger, an der Ausführung mit arbeiten, gleich-sam ein zweiter cUauUe-l-or-ruin, der den Krieg-schauplatz, wie der erste die Landschaften, selber be-stimmt , und die Menschen, wie dieser, von an-der» bestimmen läßt.
Ich will eine» Augenblick über Zeitungschreibernachsinnen, und dann erwägen, ob ihre nicht ge-meine Fertigkeit, durch einen Sieg des Feindesplötzlich, wie oft der Magnet Lurch einen Blitz-stral, die Pole umzutauschen — der abstieß, ziehtjetzv an — mehr zu wünschen, oder mehr zu ver-wünschen sei. Allerdings hat auf der einen Seitedie Anlage ihr Gutes, die zum Wechsel mit Ta-del ; ja sie ist vielleicht ein so reiches Geschenkder Natur als daS, welches sie jenem mißgeboruen !Knaben mit zwei Steißen gemacht (*), unterwelchen der Junge — da beide ächter warenals sonst bei einer Dame mit einemPariser 6u>,
— denjenigen nach Belieben auSlesen konnte,womit er zu Stuhle gehen wollte; wie gesagt, einZeitiingschreiber, Ler zwei solche Hintertheilefür entgegengesetzte Parteien bereit hat um ei-nes davon jeder geschlagnen zu zeigen, gewinntstets Ruhm und Schirm von der siegenden.
Auf der andern Seite ist leider nicht zu bergen,daß ei» solcher Schreiber mir ähnlich ist, als ichnoch Philosoph war, oder andern, die eS noch sind.Ich erinnere mich deutlich, daß ich als Stuben-gelehrter in meiner Studierstube saß, und dasKantische Lehrgebäude für mich wie eine gute Logezum Licht im Kopfe trug, als ein Teufel, einBuchhändler mir einen Bücherballen von Aneside-mus und Fichte und andern ins Haus schickte, wo-von ich schon vorher durch andere erfahren, daßLer Ballen das Lehrgebäude erschüttere. --Jetzvum t Uhr bist du noch, sagt' ick auf- und abge-hend, glücklich und kantisch, und sitzest fest und jfroh auf deinem kritischen Dreifuß; nun kommtSauf dich an, wann du LaS noch eingepackte Sy-stem annimmst, daß Lein Dreifuß die Beine ab-bricht." Ich entschloß mich aus Vorliebe nochdie ganze Nacht zu den Kantianern zu gehören,und erst am Morgen den Ballen aufzuschnüren,umspäter zu renegieren. ES würde Schmerzen ge-ben, wenn ich meine Empfindung vom Lebewohlder Kritik, und wie ich diese ordentlich noch ein-mal glaubend überlief, unter dem Aufschnürenmalen wollte. WaS half mirs aber, daß ich wie-der ein gutes Lehrgebäude am Fichtischen Univer-
(*) Briefe über Zndien, im Freimüthi-cn von > 805 -