Band 
IV.
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Der Komet

erhalten. Wahrlich, ich würde keinem Schläfer als >eine gebratene Taube (*) in den Mund und Ma- !gen fliegen, sondern ich würde mehr den kostbaren !Rubin vorstellen, der die lieblichste» Träume er-zeugt. Einem Blinden setzte ich so lange guteAugen ein, als er sie zuhätte, und herrliche Nacht-stücke des Frühlings und Sternenhimmels wollt'ich um ihn Herhängen. Und da der Traum unsgerade Verlorne Gestalten unserer wärmsten Sehn-sucht am hartnäckigsten verweigert: so wäre meinErstes, einer sehnsüchtigen Mutter die Tochter jwieder an das Herz zu führen, die auf hoher»Welten lebt, oder auf eine Nacht den Sohnnach Hause zu bringen, der auf fernen Schlacht-feldern übernachtet. Gott weiß, was ich nochthäte; unschuldigen Gefangeuen nähme ich ohne-hin in der Nacht die Kettenringe ab; undzarten Prinzessinnen steckt' ich schöne Eheringean, und ließe einer schlafenden Diana-Göt-tin einen wachenden Endymion erscheinen. — Ichtriebe es weit.

Inzwischen bleibt es doch eben so wahr als ge-fährlich — denn wenige würden so verträumenwie ich — daß die Erfindung des Traumgebenswie die des Bücherschreibens und Drückens, dieEntdeckung einer neuen Welt, und dadurch die

Verdopplung und Umkehrung der alten ist-;

und dies ists eben, worüber man einen Saalpa-ter hören will und zu Rathe ziehen. Unmöglichkönnen Sie in Ihrem künftigen Werke gegen diegewöhnliche Preßfreiheit über die Gefahren derähnlichen Traumgeberei wegschlüpfen; Sie müssendie wichtige Sache erwägen, und wärs auch nurin einem magern Appendix. In solcher Hoffnungverharr' ich rc.

Jean Paul Fr. Richter.

Kaum hatt' ich den 1. April diesen Bries anHrn. Polizeidirektor Saalpater abgeschickt: so be-kam ich von ihm — dem fast von Akten erdrücktenGeschästmanne— schon in diesem Monate dieAntwort, und zwar eine so unerwartete und wich-tige, daß ich gewiß nicht getadelt werde, wenn ichder Welt nicht erst in dieser Vorrede zum zweitenKvmetcnbande, sondern schon im frühern Mor-genblatte die Beweise überliefere, daß der so sehrbedenkliche Traumbund wirklich existiert und schonthätig ist.

(*) Halter in seiner Physiologie führt aus Sankto-rius an, daß genossene Linsen und Tauben häßlicheTräume erzeugen. Nach Dcrhams Physikotheotogic gibtder getragene Rubin schöne Träume.

Saalpaters Schreiben leg' ich hier wörtlich-treuund vollständig dem Publikum vor, und lasse nurda, wo ichs zweckdienlicher finde, Bedeutendesaus. Denn da Saalpater den guten, langen, wei-ten, breiten deutschen Reichsstil fertig schreibt,von welchem (wie ich hoffe) in deutschen öffentlichenKongreß- und Bund-Verhandlungen noch nicht soviel untergegangen, als vvm Reiche selber: sowar bequem jede Seite auszulasten, wenn auf derabgedruckten dasselbe stand, so daß auf diese Weisenur der Nachdruck, nicht der Nachdruck weg-blieb. Hier ist der Brief.

Wohlgeborner Herr,

besonders hochzuverehrender Herr Legazionrath!

Ew. werden gar bald aus den öffentlichen Blät-tern ersehen, welche heilsame Wirkungen Derogeehrtes Schreiben von, i. April hervorgebracht.Schon seit geraumer Zeit hielten nämlich fünfmagnetische Studenten sich in unserem Staateblos zu ihrem Vergnügen, wie sie im Fremden-buche des Gasthofs vorgespiegelt, auf; und zogensolche schon dessentwegen mein ganzes Augenmerkauf sich, weil sie sich die fünf Vokale nannten undsich niemalen anders schrieben als Ah, Eh, Jh, Ohund Uh. Dabei war Loch manches nicht zu verken-nen, was seit ihrem Aufenthalte im Staate Wun-derliches vorfiel, ohne daß es recht zu erklärengewesen; denn Träume der verdrüßlichsten Artfingen seit dem Uebernachten der angeblichen Vo-kale nächtlicher Weise im ganzen Lande an einzu-reißen, wovon drei Exempel von Schlafenden EuerWohlgeboren anstatt aller übrigen dienen mögen.Nämlich Seine Exzellenz, der Herr Minister derauswärtigen Angelegenheiten, wurden überausgemartert mit unschicklichsten Träumen, als wärensolche in Ungnade gefallen, ohne Pension entlassen,Dero hohe Familie vorn Hofe verwiesen. Auchmir unwürdigen Subjekte kam es drei Nächte hin-ter einander vor, ich würde unter vielem Freuden-geschrei auf dem Schloßplätze geköpft und trügedarauf den enthaupteten Kopf, nachdem ma» mirvorher einen hohen, hinten ausgehöhlten halbenMajkenkopf aufgesetzt, mit beiden Händen ausSchloßthvr, um ihn bei den Ohren neben einemangenagelten Hühnergeier anzunageln. Endlichwurden sogar seine Durchlaucht mit den unehrerbie-tigsten Träumen beunruhigt, indem es wenige Die-nerversehen und Unterthanenklagen im Lande gibt,welche bisher jeder treue Diener vor seinem Für-sten aus pflichtschuldigster Schonung geheim gehal-